Ron-Robert Zieler stand von 2005 bis 2010 bei Manchester United unter Vertrag © getty

Hannover-Keeper Ron-Robert Zieler spricht im Interview über seine EM-Nominierung, Mirko Slomka und seine Zukunft bei 96.

Aus dem DFB-Trainingslager berichtet Thorsten Mesch

Tourrettes - Ron-Robert Zieler hat das Vertrauen des Bundestrainers bekommen.

Der Hannoveraner Keeper erhielt den Vorzug vor Gladbachs Marc-Andre ter Stegen und bildet mit Manuel Neuer vom FC Bayern und dem Bremer Tim Wiese das EM-Trio im DFB-Tor. (HINTERGRUND: Aus acht mach vier)

Wie der aussortierte ter Stegen beim 3:5 im Test gegen die Schweiz (Bericht) erlebte auch Zieler im November 2011 gegen die Ukraine ein unglückliches Nationalmannschaftsdebüt 564701 (DIASHOW: Die Einzelkritik) .

Im Gegensatz zu ter Stegen kann Zieler aber auf die Erfahrung im internationalen Geschäft verweisen. Der 23-Jährige, der in seiner Jugend bei Manchester United spielte, marschierte mit Hannover 96 in der vergangenen Spielzeit bis ins Viertelfinale der Europa League.

Letztlich belohnte Löw Zielers gute Trainingsleistungen im Trainingslager in Südrfrankreich.

Im SPORT1-Interview spricht Ron-Robert Zieler über seine Situation in Hannover, 96-Coach und Förderer Mirko Slomka sowie seine Nominierung für die EURO in Polen und der Ukraine (DATENCENTER: Der EM-Spielplan).

SPORT1: Ist die Nominierung der Lohn für Ihre Konstanz in der Liga und die Arbeit im Training? Was hat Ihnen der Bundestrainer gesagt?

Ron-Robert Zieler: Ich denke schon, dass bei der Nominierung die vergangene Saison eine große Rolle gespielt hat. In der Bundesliga und Europa League habe ich gute und konstante Leistungen gebracht. Darüber hinaus ist es selbstverständlich und mir klar, dass ich mich hier im Training immer wieder aufs Neue beweisen muss. Von den Trainern ist in erster Linie Andreas Köpke mein Ansprechpartner. Er hat mir am Montagmittag nach dem Mittagessen kurz mitgeteilt, dass ich bei der EM dabei bin. Und darauf freue ich mich jetzt.

SPORT1: Haben Sie mit Marc-Andre ter Stegen sprechen können? Wie sehen Sie die Situation im Tor für die Zeit nach der EM?

Zieler: Nein, ich habe mit Marc-Andre vor seiner Abreise nicht gesprochen. Und was in der neuen Saison passiert, das wird sich zeigen. Ich bin jetzt seit längerem dabei und zuversichtlich, dass dies so bleiben wird, wenn ich meine Leistung weiterhin bringe.

SPORT1: Sie haben in der Jugend bei Manchester United gespielt und in der vergangenen Saison mit Hannover 96 in der Europa League internationale Erfahrung gesammelt. Wie wichtig sind diese Einflüsse für Sie?

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Zieler: Ich glaube, dass internationale Spiele wichtig sind, weil man besondere Drucksituationen erlebt. Positiv ist außerdem, dass unsere Saison auch international sehr erfolgreich war. Wir sind in der Europa League bis ins Viertelfinale gekommen und haben gegen den späteren Sieger verloren. In der Bundesliga haben wir uns den siebten Platz geschnappt und auch die Möglichkeit, in der nächsten Saison wieder international zu spielen.

SPORT1: Welches war das schönste Erlebnis in der Europa League?

Zieler: Unsere Fans haben uns sensationell unterstützt. Ich denke, so ein Spiel wie das in Sevilla wird man nicht so schnell vergessen. Die meisten hatten uns abgeschrieben, aber wir sind dort sehr selbstbewusst aufgetreten und haben ein super Ergebnis mitgenommen.

SPORT1: Als Torwart müssen Sie selbstbewusst, aber auch ruhig auftreten. Hilft es Ihnen, dass Sie in Mirko Slomka einen Trainer haben, der auch schon Manuel Neuer den Start in die Profikarriere ermöglichte?

Zieler: Ich habe Mirko Slomka viel zu verdanken, er ist mein Förderer und es freut mich, dass ich ihm das Vertrauen zurückzahlen konnte.

[kaltura id="0_488riza7" class="full_size" title="Angeknockt zur EM"]

SPORT1: Wie lange halten Sie Hannover die Treue? Wollen Sie nicht gerne einmal in der Champions League spielen?

Zieler: Ich bin mit meiner Rolle in Hannover sehr zufrieden. Der Verein hat mir damals die Chance gegeben, zur Nummer eins zu werden und durch die Teilnahme an der Europa League haben wir für die Zukunft gute Voraussetzungen. Ich bin noch sehr jung, und sicherlich ist es ein Ziel, auch einmal für einen absoluten Top-Verein zu spielen. Aber das muss man sich verdienen und noch einige gute Spiele zeigen. Ich glaube, dass Hannover aktuell die richtige Adresse für mich ist.

SPORT1: Sie haben im November beim 3:3 in der Ukraine Ihr erstes Länderspiel gemacht. Für Sie als Torwart war die Partie undankbar, zu Pause hatten Sie schon drei Tore kassiert. Aber Sie haben sich nicht beirren lassen und ein gutes Spiel gemacht. Wie wichtig war diese Erfahrung?

Zieler: Klar war das 3:3 nicht mein Wunschergebnis, aber dieses Spiel hat mir unheimlich viel gegeben. Im ersten Länderspiel so eine Drucksituation zu erleben, nach der Halbzeit aus der Kabine zu kommen und mein Spiel durchzuziehen, das war eine wertvolle Erfahrung.

SPORT1: Auf welchen Gegner freuen Sie sich bei der EM besonders?

Zieler: Da gibt es keinen bestimmten Gegner. Wir sind da, um die EM zu gewinnen. Wenn man den Titel holen will, muss man alle schlagen (SERVICE: Der EM-Rechner).

SPORT1: Gibt es einen Torwart, an dem Sie sich orientieren?

Zieler: Nein, ich habe damals im Old Trafford an Champions-League-Abenden schon viele Torhüter live gesehen, aber es gibt keinen, den ich besonders favorisiere.

SPORT1: Hat es Sie als ehemaligen ManUnited-Spieler überrascht, dass Chelsea die Champions League gewonnen hat?

Zieler: Für die Nationalspieler war es sehr bitter, dass die Bayern verloren haben, obwohl sie besser waren. Aber in zwei oder drei Jahren spricht niemand mehr darüber, sondern nur darüber, dass Chelsea gewonnen hat.

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