Sami Khedira wurde 2007 mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister © getty

Sami Khedira will die Pleite in der Schweiz "nicht überbewerten". Für die Bayern-Spieler hat der Real-Profi einen guten Rat. Sein Anspruch ist der EM-Titel.

Aus dem DFB-Trainingslager berichtet Thorsten Mesch

Tourrettes - Sami Khedira war entspannt.

Für die Fotografen ließ er die Cola-Flaschen neben seinem Mikrofon verschwinden, freundlich blickte er in die Runde der Journalisten im DFB-Medienzentrum des "Chateau de Camiole".

Doch bei aller Lockerheit kam er schnell zum Kern der Sache. (DATENCENTER: Der EM-Spielplan)

"Wir dürfen bei aller Euphorie um unser Offensivspiel unsere Defensive nicht vernachlässigen", sagte der Mittelfeldspieler im Rückblick auf die 3:5-Niederlage in der Schweiz. 564701 (DIASHOW: Die Einzelkritik) 564707 (DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Die Philosophie der deutschen Nationalmannschaft sei es eigentlich, "mit elf Mann zu verteidigen, aber das haben wir nicht gut gemacht. Deshalb waren die Abwehrspieler die Leidtragenden", erklärte Khedira.

Test-Pleite "nicht überbewerten"

Er selbst war in Basel nur in der ersten Halbzeit zum Einsatz gekommen und hatte in Mario Götze einen im defensiven Mittelfeld unerfahrenen Spieler an seiner Seite.

Auch die Abwehrkette hatte in der Formation des Samstagabends noch nie zusammen auf dem Rasen gestanden - und wird es wohl auch in Zukunft zumindest unter Wettkampfbedingungen nicht tun.

"Es war keine eingespielte Mannschaft, aber wir müssen uns in so einem Spiel besser und kompakter präsentieren", forderte Khedira. "Komplett ignorieren" solle man das Testspiel nicht, "aber überbewerten genauso wenig", betonte der Spanien-Legionär.

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In zwei Jahren bei Real gereift

Sprachlich gewandt war er schon immer, aber nach seinem Aufstieg zum Stammspieler im DFB-Team und seinen zwei Jahren bei Real Madrid versteht er sich noch besser darin, seinen Worten einen festen Nachdruck zu verleihen.

Der 25-Jährige hat sich seit seinem Wechsel nach der WM 2010 vom VfB Stuttgart zum spanischen Rekordmeister weiterentwickelt, spielerisch und auch menschlich.

"Ich bin gereifter durch die WM und die zwei Jahre in Madrid. Ich bin sehr froh darüber und denke, dass ich jetzt noch mehr weiß, worum es bei einem Turnier geht", berichtete er. (SERVICE: Der EM-Rechner)

Gerade nach so einem Spiel wie in der Schweiz machten sich viele junge Spieler ihre Gedanken, aber mittlerweile wisse er: "Man darf sich nicht verrückt machen lassen."

[kaltura id="0_yaw93nqu" class="full_size" title="Kopfzerbrechen vor Kader Entscheidung"]

Monaco als willkommene Abwechslung

Den Hubschrauber-Ausflug zum Formel-1-Rennen in Monaco am Sonntag sei deshalb eine "willkommene Abwechslung" gewesen: "Gerade nach dem Schweiz-Spiel war es sehr gut", erzählte Khedira: "Jetzt haben wir alle Lust, uns auf das Spiel gegen Israel vorzubereiten."

Beim nicht-öffentlichen Training am Montagvormittag waren erstmals die acht Bayern-Spieler mit von der Partie. Auch Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp, dem das DFB-Teamhotel gehört und der den Trainingsplatz in Tourrettes extra für die EM-Vorbereitung bauen ließ, war zugegen.

Bayern-Spieler versprühen gute Laune

Seine Kollegen aus München seien "gut drauf, konzentriert und versprühen gute Laune", verriet Khedira.

Wie sich die Niederlage der Bayern im Champions-League-Finale anfühlt, kann der Real-Profi sehr gut nachvollziehen. Schließlich schied er mit Madrid im Halbfinale gegen die Bayern aus - im eigenen Stadion und nach Elfmeterschießen.

"Wichtig, neue Ziele zu setzen"

"Ich kann nicht in die Köpfe der Spieler schauen, aber die ersten Tage sind ganz, ganz böse, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Die ersten drei, vier Tage danach sind sehr bitter, man ist ratlos und leer im Kopf und fragt sich: warum ausgerechnet wir?", berichtete Khedira von seinem zwischenzeitlichen Tief mit Real.

"Aber wir haben uns aufgerappelt und motiviert. Es ist sehr wichtig, ein neues Ziel vor Augen zu haben und ich glaube, dass die EM ein sehr, sehr gutes Ziel ist."

Khedira gewann zusammen mit Mesut Özil die Meisterschaft mit Madrid, für die Bayern und einige andere Nationalspieler ist die EM jedoch die einzige Chance, in dieser Saison noch einen Titel zu holen.

EM-Sieg als Anspruch

"Es ist unser Anspruch, das Turnier zu gewinnen?, meinte Khedira, es besteht aber die Gefahr, nur vom Finale zu reden. Wir müssen gut starten und alles abrufen. Das haben wir am Samstag nicht gemacht."

Über die Chancen seiner spanischen Kollegen wollte sich der Madrilene nicht äußern. "Ich bin zehn Monate im Jahr mit denen zusammen, das reicht aus."

Erstes Spiel entscheidend

Das erste Spiel sei das wichtigste in einem Turnier, sagte er mit Blick auf den EM-Star am 9. Juni gegen Portugal mit Reals Superstar Cristiano Ronaldo.

"Ronaldo kann Spiele alleine entscheiden, aber wir müssen nicht nur auf ihn schauen", warnte Khedira und blickte trotz der jüngsten zwei Testspielpleiten gegen Frankreich (1:2) und in der Schweiz optimistisch in Richtung EM: "Wenn wir eine gute Mannschaftsleistung bringen, wird es sehr schwer, uns zu schlagen."

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