Wackelkandidaten: Gündogan, Sven und Lars Bender, Zieler, Draxler (v.l.) © imago

Am Dienstag benennt Joachim Löw sein EM-Aufgebot. Vier Spieler werden nach Hause geschickt. SPORT1 schätzt die Situation ein.

Aus dem DFB-Trainingslager berichtet Thorsten Mesch

Tourrettes - Marc-Andre ter Stegen erlebte ein Länderspieldebüt, wie man es sich als Torwart kaum schlimmer vorstellen kann. 564707 (DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Fünf Tore hatte der Mönchengladbacher im Verein noch nie kassiert, am Samstagabend war es in der Nationalmannschaft so weit.

"Es war sicherlich nicht mein bester Tag. Wir haben fünf Gegentore bekommen, das tut schon weh", sagte ter Stegen sichtlich geknickt.

In seinen 40 Bundesligaspielen musste der 20-Jährige nie mehr als zweimal hinter sich greifen. In Basel machte er beim 0:2 keine gute Figur, das 2:4 ging komplett auf seine Kappe. 564701 (DIASHOW: Die Einzelkritik)

"Ich habe auch meine Fehler gemacht", gab er zu: "Und dass die zu Gegentoren führen, ist beim Torwartspiel nun einmal so. Ich habe es nicht extra gemacht, aber es passiert halt."

Löw nimmt ter Stegen in Schutz

Ter Stegen müsse den Kopf nicht hängen lassen, erklärte Joachim Löw und meinte vielsagend: "Seine Zeit wird kommen."

Am Dienstagmittag wird der Bundestrainer verkünden, welche vier Spieler er noch aus seinem vorläufigen EM-Aufgebot streicht.

Vor dem Spiel in der Schweiz hatte ter Stegen im Kampf um einen Platz im EM-Kader die Nase gegenüber Ron-Robert Zieler leicht vorn, nun dürfte sich das Blatt gewendet haben.

Parallele zum Zieler-Debüt

Als Zieler seinem Torwartkollegen und -konkurrenten von der Bank aus zusah, hat er vielleicht an sein bisher einziges Länderspiel gedacht. Beim 3:3 in der Ukraine im Herbst wurde der 23-Jährige von seinen Vorderleuten ähnlich im Stich gelassen wie ter Stegen am Samstagabend.

[image id="ccab9898-6448-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Schon zur Pause hatte er drei Treffer kassiert, alle ohne eigenes Verschulden. Zieler blieb ruhig und hielt danach seinen Kasten sauber. Sehr solide waren auch seine Trainingsleistungen auf Sardinien und in Südfrankreich. Einen Grund, ihn nach Hause zu schicken, gibt es eigentlich nicht.

Schmelzer wohl als Lahm-Backup

Marcel Schmelzer müsste nach seinem schwachen Auftritt in Basel eigentlich um sein EM-Ticket bangen.

Doch obwohl der Dortmunder im DFB-Team wie die meisten seiner Vereinskollegen kaum überzeugt hat, stehen seine Chancen auf die EM-Teilnahme sehr gut.

Löw will alle Positionen doppelt besetzt haben und wird Schmelzer als Ersatzmann für Philipp Lahm, der mit großer Wahrscheinlichkeit auf der linken Seite spielen wird, nominieren.

[kaltura id="0_dx3q6atj" class="full_size" title="Die Stimmen zum Spiel"]

Schlechte Karten für Sven Bender

Das Testspiel in der Schweiz sei "kein individuelles Schaulaufen" gewesen, hatte Löw betont. Doch am Dienstag muss er vier Spieler nach Hause schicken, und es sieht so aus, als sei Sven Bender einer von ihnen. (DATENCENTER: Der EM-Spielplan)

Löw testete den Dortmunder im Trainingslager und in der Schweiz auf der rechten Abwehrseite. In den Übungseinheiten in Tourrettes hatte der Mittelfeldspieler damit keine Probleme, in Basel konnte er sich in seinem zweiten Länderspiel nicht aufdrängen.

Mit Benedikt Höwedes und Jerome Boateng hat Bender zwei Abwehrspieler vor sich, die beide in ihren Vereinen auch Erfahrung auf der Außenposition gesammelt haben.

Auch Bruder Lars muss zittern

Lars Bender ist wie sein Zwillingsbruder im defensiven Mittelfeld zu Hause, aber da ist die Konkurrenz groß. Bastian Schweinstieger, Sami Khedira und Toni Kroos kämpfen um die Plätze, Löw testete auch Ilkay Gündogan und sogar Mario Götze auf der Verbindungsstelle zwischen Defensive und Offensive. Im Spiel nach vorn ist Lars stärker als Sven, was für ihn sprechen könnte.

Am Ende dürfte es eine knappe Entscheidung zwischen dem Leverkusener und Gündogan werden.

Gündogan überzeugt in der Vorbereitung

Der Dortmunder ist einer der Gewinner der Vorbereitung, überzeugte Trainer und Beobachter mit guten Trainingsleistungen. Sein Auftritt in der Schweiz war ordentlich, viel mehr bei der verkorksten Mannschaftsleistung auch nicht möglich.

Nach seiner nicht erwarteten Nominierung in das erweiterte Aufgebot wäre es eine sehr große Überraschung, sollte Gündogan in den EM-Kader rutschen. Lars Bender hat eine konstant gute Saison gespielt und sich im Verein als Führungsspieler beweisen, Gündogan muss seine Leistungen erst noch bestätigen. (SERVICE: Der EM-Rechner)

Reus sammelt Pluspunkte

Ähnlich ist die Lage bei Julian Draxler. Der Schalker feierte in der Schweiz sein Länderspieldebüt und leitete das dritte deutsche Tor ein.

Der 18-Jährige dürfte aber noch geringere Chancen als Gündogan haben, den Sprung zur EM zu schaffen, denn auf seiner Position hat er Lukas Podolski und Andre Schürrle vor sich.

Cacau fiel im Trainingslager nicht besonders auf. Der Brasilianer sorgte mit seiner sympathischen Art für gute Stimmung, doch seine Einsatzzeit in der Schweiz war zu kurz, um im Vergleich mit Marco Reus zu punkten. Der zukünftige Dortmunder ist so vielseitig einsetzbar, dass der Bundestrainer ohne große Bedenken auf Cacau verzichten kann.

Weiterlesen