Das DFB-Team verlor die letzten beiden Spiele gegen Frankreich und die Schweiz © getty

Das Debakel von Basel verdeutlicht die Schwächen im DFB-Team. Zwei Verlierer bleiben im Hotel, Löw legt eine Sonderschicht ein.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Basel/Tourrettes - Es hätte nicht viel gefehlt, und sie wären mit einem deutschen Sieg zurück ins Trainingslager nach Tourrettes geflogen.

Beim Betriebsausflug nach Monaco sahen die Spieler der Nationalmannschaft am Sonntag, wie Nico Rosberg sich beim Formel-1-Grand-Prix nur Mark Webber geschlagen geben musste.

Sebastian Vettels vierten Platz konnten sie ebenso hautnah miterleben wie Michael Schumachers Ausscheiden. 565003 (DIASHOW: Das DFB-Team beim Monaco-GP)

Abstecher als Abwechslung

Der Abstecher per Hubschrauber ins Fürstentum war für die meisten Spieler eine willkommene Abwechslung. So konnten sie die denkwürdige 3:5-Niederlage (Bericht) vom Vorabend in der Schweiz kurz vergessen.

Für die acht Bayern-Profis war der Trip nach Monte Carlo als Integrationsmaßnahme gedacht. Die Münchner waren erst am Samstagabend im Teamhotel eingetroffen.

Ohne Bayern-Profis fehlen Sicherheit und Struktur

Obwohl, oder besser, gerade weil sie bei der 3:5-Pleite in Basel nicht dabei waren, können sich die zuletzt arg gebeutelten acht Spieler des deutschen Rekordmeisters ein bisschen wie die Gewinner des vorletzten Testspiels vor der Europameisterschaft fühlen.

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Ohne die Bayern fehlt es der deutschen Auswahl an Sicherheit, Stabilität und Struktur, so der Eindruck am Samstagabend. 564701 (DIASHOW: Die Einzelkritik)

Im Tor fehlte Manuel Neuers Ruhe und Souveränität, in der Abwehr wurden Philipp Lahms Biss und Routine sowie Holger Badstubers Entschlossenheit vermisst.

Im Mittelfeld gab es nicht die ordnende Hand eines Bastian Schweinsteiger und im Spiel nach vorn hätten sich die Beobachter, und wohl auch die Trainer, die Pfiffigkeit eines Thomas Müller gewünscht.

Löw legt Sonderschicht im Hotel ein

"Einige Spieler haben gefehlt, die unser Spiel prägen", meinte Joachim Löw. In dem Spiel sei "so viel passiert, das muss ich jetzt erst mal aufarbeiten." 564707 (DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Gesagt, getan: Am Sonntag blieben Löw und sein Trainerstab im Hotel, um das Debakel des Vorabends genau zu analysieren.

[kaltura id="0_dx3q6atj" class="full_size" title="Die Stimmen zum Spiel"]

Dortmunder Block enttäuscht

Auch Mats Hummels und Mario Götze blieben im Teamquartier, die beiden Dortmunder ließen leichte Blessuren behandeln. (INTERVIEW: Hummels: ""Das war keine Stammplatz-Bewerbung")

Beide gehörten zusammen mit ihrem Vereinskollegen Marcel Schmelzer zu den Verlierern von Basel.

Hummels und Schmelzer leisteten sich folgenschwere Patzer in der Abwehr, Götze leitete das 0:1 durch einen Fehler ein und hatte Probleme mit der für ihn ungewohnten Rolle als Verbindungsspieler zwischen Defensive und Offensive.

Zudem scheint sein Fitnessrückstand doch größer zu sein, als die von ihm selbst bezifferten ein oder zwei Prozent.

Mertesesacker hat noch viel Rückstand

Auch Per Mertesacker war im ersten Länderspiel nach langer Verletzungspause noch meilenweit von seiner Bestform entfernt und trug durch mehrere Patzer seinen Teil zur hohen Niederlage bei.

Fünf Gegentore gab es zuletzt in einem Länderspiel 2004 beim 1:5 in Rumänien. (EINWURF: Es wird eng bis zur EM)

"Man hat bei Per gespürt, dass er nach der langen Verletzungspause noch das eine oder andere Spiel brauchen wird", sagte Löw. Am Donnerstag gegen Israel kann sich der Arsenal-Profi weitere Spielpraxis holen.

Höwedes kann sich nicht empfehlen

Auch Benedikt Höwedes konnte sich in Abwesenheit der Bayern, insbesondere seiner direkten Konkurrenten für die Position des rechten Außenverteidigers, nicht für einen Stammplatz empfehlen.

Der Schalker gehört deshalb ebenso zu den Verlierern des Schweiz-Spiels.

Ter Stegen von sich enttäuscht

Der unglücklichste deutsche Spieler dürfte Marc-Andre ter Stegen gewesen sein. Der 20-Jährige leistete sich bei seinem Länderspieldebüt zwei Fehler, davon einen schweren.

"Ich mache ihm keine Vorwürfe. Er ist ein großartiger Torhüter, er muss den Kopf jetzt nicht hängen lassen", spendete der Bundestrainer dem jungen Keeper Trost. (SERVICE: Der EM-Rechner)

Verzweifelt sei er nicht, "das ist das falsche Wort, ich bin sehr enttäuscht, auch von mir", sagte der Mönchengladbacher.

Reus einer der wenigen Gewinner

Zu den wenigen Gewinnern gehörte ter Stegens Kumpel Marco Reus.

Der zukünftige Dortmunder machte nach seiner Einwechslung Druck und erzielte ein Tor. (DATENCENTER: Der EM-Spielplan)

Der einzige BVB-Profi, der in der Schweiz eher positiv als negativ auffiel, war Ilkay Gündogan. Er kam zusammen mit Reus zur zweiten Halbzeit und brachte zumindest etwas mehr Struktur ins defensive Mittelfeld.

Draxler und Gündogan ordentlich

Julian Draxler absolvierte wie ter Stegen sein erstes Spiel in der A-Nationalmannschaft und machte eine ordentliche Partie. Dass er nicht glänzen konnte, lag wie bei Gündogan an der schwachen Mannschaftsleistung.

Die übrigen Einwechselspieler konnten keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Besonders für Cacau waren zwölf Minuten Einsatzzeit zu wenig, um auf sich aufmerksam zu machen.

Und so gehörte auch Cacau zu den deutschen Verlierern des Wochenendes.

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