Joachim Löw wurde 2004 Co-Trainer der deutschen Fußballnationalmannschaft © getty

Die Abwehr ein Torso, nicht alle sind fit. Bis zur EM in knapp zwei Wochen hat der Bundestrainer Löw viel Arbeit.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Basel - Nur 45 Minuten nach der herben Niederlage konnten sie schon wieder lachen.

Hinter dem deutschen Mannschaftsbus feixten Sami Khedira und Cacau mit ihrem ehemaligen Stuttgarter Kollegen Ludovic Magnin.

Auch Joachim Löw schien hoch erfreut, den ehemaligen Schweizer Nationalspieler zu treffen und plauderte kurz mit dem früheren VfB-Verteidiger und seiner hübschen Frau Chantale.

Viele dicke Fehler

Was der Bundestrainer zuvor auf dem Rasen des Baseler St. Jakob-Parks von der deutschen Nationalmannschaft und speziell von seinen Abwehrspielern gesehen hatte, dürfte ihm weitaus weniger gefallen haben.

Fünf Gegentore, noch mehr dicke Fehler in der deutschen Abwehr und jede Menge Luft nach oben auf dem Weg zur Europameisterschaft - das DFB-Team glich beim 3:5 (1:2) in der Schweiz einer Großbaustelle (Spielbericht: 3:5! Löw hat aber "keine Bedenken").

Zerknirschter Bundestrainer

"In diesem Spiel ist so viel passiert, das muss ich jetzt erst mal aufarbeiten", meinte Löw nach dem völlig misslungenen Test bei den Eidgenossen zerknirscht.

Nach der Rückkehr ins Trainingslager nach Südfrankreich wartet noch sehr viel Arbeit auf den Bundestrainer.

"Wir sind enttäuscht über das Ergebnis. Ich wusste aber, dass wir uns in einer gefährlichen Phase befinden", erklärte Löw die Pleite zumindest zum Teil mit den intensiven Trainingseinheiten der vergangenen zwei Wochen 564707 (DIASHOW: Die Bilder des Spiels) .

Bayern-Spieler angereist

Doch die über weite Strecken desolate Vorstellung war mit fehlender Frische allein nicht zu erklären.

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"Es sind viele Fehler passiert, aber die Abstimmung wird besser werden, da habe ich keine Bedenken", meinte er und ergänzte: "Einige Spieler haben gefehlt, die unser Spiel prägen."

Gemeint waren die acht Spieler des FC Bayern, die am Samstagabend in Tourrettes zur Mannschaft stießen und am Montag ins Training einsteigen.

Die Mannschaft, die in Basel auf dem Platz stand, leistete sich Fehler, mit denen sie bei der in zwei Wochen beginnenden Europameisterschaft schon nach der Gruppenphase die Heimreise antreten müsste.

"Kleine Schwierigkeiten bei der Abstimmung"

Im Abwehrzentrum waren Mats Hummels und Per Mertesacker meilenweit davon entfernt, ein Duo zu bilden, das höchsten Ansprüchen genügt. Schon einfachste Flanken der Schweizer reichten aus, um beide zu übertölpeln.

"Wir haben noch kleine Schwierigkeiten bei der Abstimmung", meinte Mertesacker und nannte das Spiel einen "wertvollen Test" im Hinblick auf die EM.

[kaltura id="0_dx3q6atj" class="full_size" title="Die Stimmen zum Spiel"]

Hummels erklärte, er sehe die Situation "nicht so dramatisch, weil es eine logische Erklärung" für die Gegentore gebe.

"Beim ersten verlieren wir den Ball und fangen einen schnellen Angriff, beim zweiten war es eine relativ einfache Flanke. Das dritte und fünfte fielen jeweils nach einer Standardsituation, das vierte war, denke ich, ein klarer Torwartfehler", zählte der Dortmunder auf.

Grausamer Debüt-Abend

Bei seinem Debüt im DFB-Tor erlebte Marc-Andre ter Stegen einen grausamen Abend. Mehrmals wurde der 20-Jährige von seinen Vorderleuten im Stich gelassen, beim zweiten und vierten Gegentor sah der Gladbacher allerdings auch selbst nicht gut aus.

"Das war sicherlich nicht mein bester Tag. Wenn man fünf Gegentore bekommt, dann tut das schon weh?, sagte ter Stegen, der bei den Trainingseindrücken überzeugt hatte, nun aber um seinen EM-Platz bangen muss.

Draxler ohne Fehler

Auch Julian Draxler feierte seinen Einstand - ohne Fehler. "Ich hätte mir einen anderen Einstand gewünscht", sagte der 18-Jährige dennoch.

Hummels hatte die Chance im direkten Vergleich mit Mertesacker zu punkten, blieb aber im DFB-Team zum wiederholten Mal weit hinter der Form, mit der er einer der Leistungsträger beim Double-Gewinn der Borussia war.

Mertesacker erklärte, ihm fehle nach seiner langen Verletzungspause "körperlich noch ein kleines Stück", doch auch spielerisch blieb er vieles schuldig.

Am Donnerstag wird im letzten EM-Test gegen Israel mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Holger Badstuber in die Startelf zurückkehren. Wer neben ihm auflaufen wird, ist nach dem Debakel von Basel offen (GAMES: Das EM-Tippspiel).

Hektisch und zu spät

Auch die beiden Außenverteidiger waren gegen die dynamischen Schweizer in der Rückwärtsbewegung hoffnungslos überfordert. Hummels' Vereinskollege Marcel Schmelzer spielte hektisch und kam in mehreren Situationen zu spät. Er muss sich wohl damit abfinden, dass es für einen Platz in der Stammelf nicht reichen wird.

Vieles spricht dafür, dass Philipp Lahm, bei den Bayern zuletzt rechts eingesetzt, bei der EM auf der linken Seite verteidigen wird.

Rechts leistete sich Benedikt Höwedes einige Fehler, die ersten beiden Gegentore wurden über seine Seite eingeleitet. "Ich habe sicher nicht mein bestes Spiel gemacht", gab der Schalker zu. Doch nicht nur defensiv haperte es gewaltig, auch nach vorn lief fast nichts.

"Wir haben es nicht geschafft, die Schweizer unter Druck zu setzen, und dann ist das auch für die Abwehr schwer", gestand Miroslav Klose (SERVICE: Der EM-Rechner).

In 14 Tagen ist Schluss mit lustig

Dass Klose als Sturmspitze kaum verwertbare Bälle bekommen hatte, lag an den indisponierten Mittelfeldspielern, die durch die Bank enttäuschten.

"Die Beine waren schwer, es war reine Kopfsache", meinte Klose und Mertesacker ergänzte:

"Zum Glück haben wir noch Zeit, um es in 14 Tagen besser zu machen."

In zwei Wochen spielt die deutsche Mannschaft bei der EM im ersten Gruppenspiel gegen Portugal (DATENCENTER: Der EM-Spielplan). Dann ist Schluss mit lustig.

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