Deutschland verlor zuletzt 1958 ein Länderspiel gegen die Schweiz © getty

Deutschland verliert in der Schweiz den letzten Test vor der EM-Kaderberufung klar. Vor allem Derdiyok nutzt die Löcher.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Basel - Mit der Klatsche war seine Mannschaft sogar noch gut bedient, dennoch sieht Joachim Löw mit Blick auf die EM nicht schwarz.

"Wir sind enttäuscht über das Ergebnis", sagte der Bundestrainer nach dem 3:5 (1:2) der DFB-Auswahl in der Schweiz. "Heute sind viele Fehler passiert, aber die Abstimmung wird besser werden, da habe ich keine Bedenken", erklärte Löw.

"Heute hat wenig funktioniert. Wir sind noch nicht eingespielt", meinte Innenverteidiger Mats Hummels und ergänzte: "Es ist besser, die Fehler passieren in einem Testspiel als bei der EM."

Im vorletzten Test vor der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine patzte die Abwehr mehrmals, die DFB-Auswahl enttäuschte in Basel in fast allen Mannschaftsteilen. 564707 (DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Auch Torwart-Debütant Marc-Andre ter Stegen leistete sich Fehler. "Ter Stegen jetzt zu kritisieren ist völlig falsch", nahm Löw den 20-Jährigen in Schutz.

Derdiyok mit Doppelschlag

Eren Derdiyok (21. und 23., 50.), Stephan Lichtsteiner (66.) und Admir Mehmedi (77.) erzielten die Tore für die von Ottmar Hitzfeld trainierten Gastgeber, Mats Hummels (45.), Andre Schürrle (65.) und Marco Reus (72.) trafen für Deutschland.

Löw erklärte: "Wir sind enttäuscht über das Ergebnis. Ich wusste aber, dass wir uns in einer gefährlichen Phase befinden. Wir haben intensive Trainingseinheiten hinter uns. Heute sind viele Fehler passiert, aber die Abstimmung wird besser werden, da habe ich keine Bedenken."

Für die Schweizer war es der erste Sieg gegen Deutschland seit 1956. (DATENCENTER: Der EM-Spielplan)

DFB-Team gezeichnet

Zwei Wochen vor dem ersten EM-Gruppenspiel gegen Portugal wirkte die DFB-Auswahl gezeichnet von den 22 Trainingseinheiten der vergangenen zwei Wochen auf Sardinien und in Südfrankreich.

Vor 27.381 Zuschauern im St. Jakob-Park lief Löws Mannschaft zumeist den Schweizern hinterher und ließ sich von den robust auftretenden Eidgenossen ein ums andere Mal den Schneid abkaufen.

[image id="f16453d1-6448-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Sorgenkind Abwehr

Im Tor zeigte Marc-Andre ter Stegen eine schwache Leistung, in der Abwehr leisteten sich Bendikt Höwedes, Per Mertesacker, Mats Hummels und auch Marcel Schmelzer Nachlässigkeiten.

Im Mittelfeld gingen von Mesut Özil und Mario Götze kaum Ideen aus, das Spiel war statisch, in der Offensive hingen Miroslav Klose und auch Lukas Podolski häufig in der Luft.

In Abwesenheit der acht Spieler vom FC Bayern, die erst am Samstagabend nach der Rückkehr aus Basel in Tourrettes zum DFB-Team stoßen, nutzte der Bundestrainer die Partie dazu, sich einen Überblick über die Leistungsstärke seiner zweiten Garde zu verschaffen.

Klose stellte aber klar: "Wir sollten nicht nach Ausreden suchen. Die Beine waren schwer, es war reine Kopfsache. Das ganze Team ist in der Defensive nicht gut gestanden. Wir haben es nicht geschafft, die Schweiz unter Druck zu setzen."

[kaltura id="0_is3finub" class="full_size" title="L w bastelt am Kader"]

Zwei Neulinge

In der Startelf stand neben Routiniers und bei der WM 2010 bewährten Kräften wie Mertesacker, Podolski, Klose, Sami Khedira und Özil auch zwei Neulinge:

Marc-Andre ter Stegen feierte im St. Jakob-Park sein Debüt im Tor der DFB-Auswahl, machte aber bei zwei Gegentoren eine sehr unglückliche Figur. Julian Draxler wurde in der zweiten Halbzeit eingewechselt, konnte sich aber nicht mehr für die EM empfehlen.

Löws Mannen wirkten müde von den Trainingseinheiten der vergangenen Wochen und fanden nur sehr schwer in die Partie. Im Spielaufbau haperte es gewaltig, im Mittelfeld taten sich bisweilen große Lücken auf und in der Abwehr stimmte mehrmals die Zuordnung nicht.

Die Schweizer, die ohne den zukünftigen Bayern-Profi Xherdan Shaqiri (Oberschenkelprobleme) antraten, nutzten die Abstimmungs- und Stellungsprobleme in der deutschen Abwehr vor der Pause zweimal eiskalt aus.

Götze leitet Gegentor ein

Nach einem Ballverlust von Götze flankte Tranquillo Barnetta von der linken Seite nach vorne und bedient in der Mitte Derdiyok, der die Kugel im Tor versenkte. (SERVICE: Der EM-Rechner)

Nur zwei Minuten später leistete sich Höwedes einen Fehlpass, nach Barnettas Flanke blieb ter Stegen im Tor und Derdiyok köpfte ein, Schmelzer kam zu spät.

In der 27. Minute verhinderte ter Stegen mit einem Fußabwehr gegen Derdiyok das frühe 0:3.

Hummels macht Hoffnung

Die deutsche Mannschaft fing sich etwas, doch ging im Offensivspiel wenig zusammen. Bezeichnend, dass ein Abwehrspieler den Anschlusstreffer erzielte.

Nach einem Özil-Freistoß setzte Hummels einen Kopfball unter die Latte, der Ball prallte von Torwart Diego Benaglios Körper ins Netz. (GAMES: Das EM-Tippspiel)

Mit dem schmeichelhaften 1:2 ging es in die Kabinen.

Schneller Rückschlag

Löw wechselte zweimal, brachte Iklay Gündogan und Marco Reus für Khedira und Özil. Kurz darauf klingelte es schon wieder in ter Stegens Kasten.

Nach einem Freistoß von der linken Seite kam Mertesacker zu spät gegen Derdiyok, der seinen dritten Treffer erzielte (50.).

Ter Stegen patzt folgenschwer

Beim 2:3 durch Schürrles Weitschuss patzte Benaglio gegen die tief stehende Sonne, und auch ter Stegen machte einen folgenschweren Fehler.

Schmelzer ließ Lichtsteiner weglaufen, der Schweizer stieg am Elfmeterpunkt zum Kopfball hoch, ter Stegen kam zu spät und der Ball zappelte zum vierten Mal im Netz.

Reus staubt ab

Auf der anderen Seite ließ Benaglio einen Draxler-Schuss abklatschen, Reus staubte zum 3:4 ab.

In der 77. Minute stellte Mehmedi nach einer Freistoßvariante mit seinem Abstauber zum 5:3 den Endstand her.

Kurz vor Schluss kamen Sven Bende rund Mertesacker bei einem Fernandes-Kopfball zu spät, aber die Latte rettete für ter Stegen.

Weiterlesen