Vor vier Jahren wurde das DFB-Team Vize-Europameister © getty

Der Test gegen die Schweiz ist für die Wackelkandidaten die letzte Chance, sich zu empfehlen. SPORT1 sagt, wer sich fürchten muss.

Vom DFB-Trainingslager berichtet Thorsten Mesch

Tourrettes - Als Joachim Löw am Freitag um 18 Uhr in Tourrettes zum Abschlusstraining vor dem Spiel in der Schweiz am Samstag (ab 17.30 Uhr im LIVE-TICKER) bat, sorgte der Gewitterregen nach einem heißen Tag für eine angenehme Abkühlung.

Als es aber mehrmals bedrohlich blitzte, versammelte der Bundestrainer seine Nationalspieler sicherheitshalber kurz im Fitnesszelt neben dem Platz.

Er werde auch im letzten Training keine Rücksicht auf das Spiel in Basel nehmen, hatte er am Mittag auf der Pressekonferenz erklärt. Seine Ankündigung setzte er in die Tat um und brachte seine Mannschaft nach der kurzen Unterbrechung noch einmal ins kräftig ins Schwitzen. ( 555843 DIASHOW: Der vorläufige EM-Kader )

Die Partie gegen die Schweizer, dessen Team Löw als das "kleine Holland" bezeichnet hatte, betrachte er nicht als "absoluten Härtetest", aber als "ein gutes Testspiel", hatte Löw wissen lassen.

"Überlegungen und Spielereien"

Für einige seiner Akteure ist es aber gleichzeitig die letzte Gelegenheit, ihr Können zu zeigen und sich mit einer guten Leistung für den endgültigen EM-Kader zu empfehlen.

Die Aufstellung betreffend gebe es "noch ein paar Überlegungen und Spielereien", hatte Löw erzählt. (SERVICE: Der EM-Rechner)

Lediglich seine Abwehrformation hatte er schon am Mittag verraten: Per Mertesacker und Mats Hummels werden die Innenverteidigung bilden, Benedikt Höwedes auf der rechten und Marcel Schmelzer auf der linken Seite besetzen die Außenpositionen.

Aus der Einteilung der zwei Mannschaften im Trainingsspiel eine Gesamtformation zu erkennen, fiel den Beobachtern schwer.

SPORT1 erklärt, wie das DFB-Team in der Schweiz aussehen könnte und welche Spieler fürchten müssen, noch aussortiert zu werden.

Torhüter:

Hinter Manuel Neuer, der mit seinen Kollegen vom FC Bayern erst nach dem Spiel am Samstagabend zum DFB-Team stößt, solle es bis zur endgültigen EM-Nominierung "keine Reihenfolge" unter den Torhütern geben, hatte Bundestorwarttrainer Andreas Köpke bei der Vorstellung des vorläufigen Kaders betont.

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Dennoch scheint Tim Wiese hinter Neuer als Nummer zwei gesetzt zu sein. Der 30-Jährige macht im Training einen guten und konzentrierten Eindruck, sorgt aber auch für lockere Stimmung im Team.

Wiese wird in Basel wohl beginnen, Löw, der insgesamt sechs Mal wechseln darf, wird dann einen der beiden jungen Keeper testen.

Marc-Andre ter Stegen (20), dem Löw wie auch Ron-Robert Zieler (23) und Wiese "überragende Leistungen" im Training bescheinigte, hat gute Chancen auf sein Debüt in der A-Nationalmannschaft.

Es scheint, als habe der Gladbacher gegenüber dem Hannoveraner momentan leicht die Nase vorn.

Abwehr:

In Abwesenheit von Holger Badstuber hat sich Löw auf Mertesacker und Hummels festgelegt.

Mertesacker macht in Südfrankreich einen sehr guten Eindruck, seine lange Verletzungspause ist ihm nicht anzumerken. Der Arsenal-Profi gibt beim Training die Kommandos, füllt seine Chefrolle als erfahrener Spieler aus.

Ob seine Kraft für 90 Minuten reichen wird, ist aber fraglich. Möglich, dass Höwedes nach innen wechseln wird und Löw Sven Bender auf rechts testet.

[kaltura id="0_is3finub" class="full_size" title="L w bastelt am Kader"]

Hummels ist topfit und mit dem Schwung des Double-Gewinns in Frankreich angereist.

Er macht im Training Druck. Ansprüche stelle er keine, aber sein Ziel sei für die EM "klar zu spielen. Ich habe eine realistische Chance auf einen der beiden Plätze", gibt sich der Dortmunder selbstbewusst.

Auch sein Vereinskollege Schmelzer hat gute Chancen auf einen Platz im EM-Team. In Abwesenheit von Philipp Lahm darf er auf der linken Seite vorspielen. Löw ließ offen, ob er Lahm links oder rechts, wo der Münchner zuletzt im Verein spielte, einplane.(GAMES: Das EM-Tippspiel)

Insgesamt haben neben den wohl gesetzten Bayern Badstuber, Lahm und Jerome Boateng alle Verteidiger gute EM-Chancen.

Mittelfeld:

"Ich hoffe, dass ich meine Chance bekomme", sagte Ilkay Gündogan im SPORT1-Interview den Satz, der auf alle jungen Spieler zutrifft. (Zum Interview)

Löw kündigte an, den Dortmunder auf jeden Fall einzusetzen.

Julian Draxler gab der Bundestrainer am Freitag sogar eine Einsatzgarantie, doch wer zwischen den Zeilen liest, darf annehmen, dass er in dem Schalker eher einen Spieler für die Zeit nach der EM sieht. (BERICHT: Chance für Draxler - Freibrief für Bayern)

Gündogan hingegen hat nach seinen starken Trainingsleistungen eine gute Chance, ein EM-Ticket zu ergattern. Er steht in Konkurrenz mit Sven und Lars Bender.

Da Löw ankündigte, Sami Khedira und Mesut Özil nur 45 oder 60 Minuten spielen zu lassen, werden wohl beide Benders vorspielen dürfen. Den Sprung in den endgültigen Kader wird aber tendenziell nur einer der Zwillinge schaffen.

Özil dürfte sich in Basel mit Mario Götze abwechseln, der ansteigende Form zeigt und seinen EM-Platz genauso sicher hat wie Lukas Podolski und dessen Backup Andre Schürrle.

Auch Dortmund-Rückkehrer Marco Reus ist im Mittelfeld und Angriff einsetzbar und könnte als Joker im Zentrum zum Zuge kommen.

"Gegen defensiv eingestellte Gegner, wenn die Räume eng sind, glaube ich, dass er prädestiniert ist, in vorderer Linie zu spielen", meinte Löw: "Vielleicht wird das gegen die Schweiz zu sehen sein."

Angriff:

Wer wird der dritte Stürmer hinter Miroslav Klose und Mario Gomez? (DATENCENTER: Der EM-Spielplan)

Der Bayern-Profi wird sich das Spiel mit seinen Vereinskollegen im TV ansehen, Klose vermutlich nicht über 90 Minuten spielen.

Cacau fällt im Training kaum auf. Der Stuttgarter muss in der Schweiz Werbung in eigener Sache machen, sonst droht ihm nach dem Spiel die Heimreise.

"Ich sehe unglaublich hohes Niveau, zwei Wochen lang kämpft jeder einzelne mit allen Mitteln um die Plätze", sagte Löw.

Doch am Ende bleibt ein Fakt: Von 27 Spielern muss er noch vier streichen.

Die mögliche Startaufstellung:

Wiese - Höwedes, Mertesacker, Hummels, Schmelzer - Khedira, Gündogan - Götze, Özil, Podolski - Klose

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