Joachim Löw arbeitet seit 2004 mit der deutschen Nationalmannschaft © getty

Vor dem Test gegen die Schweiz stellt Joachim Löw den Bayern-Profis eine Garantie fürs EM-Ticket aus - unter einer Bedingung.

Vom DFB-Trainingslager berichtet Thorsten Mesch

Tourrettes - Seit dem 12. Mai bereitet sich die Nationalmannschaft auf Sardinien und in Südfrankreich auf die Europameisterschaft vor. (SERVICE: Der EM-Rechner)

Etwa 20 Trainingseinheiten in zwei Wochen hat Bundestrainer Joachim Löw mit dem DFB-Team, mit Ausnahme der Bayern-Spieler, absolviert . ( 555843 DIASHOW: Der vorläufige EM-Kader )

Am Samstag (ab 17.30 Uhr im LIVE-TICKER) beginnt mit dem Spiel in Basel gegen die Schweiz "ein neuer Abschnitt und die heiße Phase der Vorbereitung", meinte Löw am Freitagmittag.

Gegen die Schweiz werden die als Streichkandidaten gehandelten Julian Draxler und Ilkay Gündogan zum Einsatz kommen, kündigte Löw an. (GAMES: Das EM-Tippspiel)

Freibrief für die Bayern

In der Abwehr werden Per Mertesacker, Mats Hummels, Marcel Schmelzer und Benedikt Höwedes spielen, verriet der Bundestrainer:

Was die komplette Aufstellung, speziell auch die Torwartfrage betrifft, gebe es noch "ein paar Überlegungen und Spielereien", meinte Löw: "Ich möchte das Abschlusstraining abwarten, heute Abend fällt die Entscheidung."

Den Spielern aus München, die in der Schweiz nicht dabei sein werden, gab er einen Freibrief für die EM-Teilnahme. Wenn sich kein FCB-Spieler verletze, würden alle zum endgültigen 23er-Aufgebot gehören.

SPORT1 war bei der Abschluss-Pressekonferenz in Tourrettes vor Ort und hat die Aussagen des Bundestrainers zusammengefasst. (DATENCENTER: Der EM-Spielplan)

Joachim Löw über...

das Testspiel in Basel:

Die Schweiz ist ein sehr guter Gegner, das "kleine Holland". Sie können sehr gut verteidigen, sind sehr schwer auszuspielen. Wir werden auf einen Gegner treffen, der uns sehr viel abverlangen wird. Ich sehe das Spiel nicht als absoluten Härtetest, aber es ist ein gutes Testspiel.

die Aufstellung gegen die Schweiz:

Es gibt auf unserer Seite noch ein paar Überlegungen und Spielereien. Ich möchte das Abschlusstraining abwarten, heute Abend fällt die Entscheidung.

Bei den Torhütern gibt es eine Tendenz, ich möchte aber erst mit ihnen sprechen. Ob zwei der drei spielen, genau der Gedanke ist noch nicht abgeschlossen.

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Ich möchte mich fast festlegen, dass Julian Draxler seine Chance bekommt. Er macht auf mich im Training einen sehr guten Eindruck.

Die Abwehr ergibt sich von alleine: Höwedes, Mertesacker, Hummels, Schmelzer.

Im Sturm wäre es gut, wenn Miro Klose spielen könnte, aber ich möchte kein Risiko eingehen. Bei den Madrilenen (Mesut Özil und Sami Khedira, Anm. d. Red.) gehe ich davon aus, dass sie keine 90 Minuten spielen werden, sondern vielleicht 45 oder 60.

die Torhüter:

Ich sehe sie nicht in jeder Minute im Training, deshalb verlasse ich mich auf Andi (Köpke, Anm. d. Red.). Mein Eindruck ist: alle drei sind überragend.

die Streichkandidaten:

Das wird mir ein bisschen zu negativ gesehen. Die Spieler haben die Chance, auf ganz hohem Niveau im Fokus zu stehen. Es ist gut, ganz junge Spieler, 18- oder 19-Jährige dabei zu haben.

Auch im Hinblick auf kommende Aufgaben. Ich sehe unglaublich hohes Niveau, zwei Wochen lang kämpft jeder einzelne mit allen Mitteln um die Plätze. Von daher sehe ich es positiv. Natürlich wird es emotional, den Spielern, die nicht dabei sind, dieses mitzuteilen.

Gündogan ist auf seiner Position ein guter Fußballer. Ein bisschen so wie der junge Schweinsteiger. Er wird morgen seine Chance bekommen.

[kaltura id="0_7kngvcl6" class="full_size" title="Podolski Wir wollen den Titel "]

die Bayern-Spieler:

Ich halte es für an der Zeit, dass um die Bayern-Spieler wieder Normalität einkehrt. Sie haben alle von einer Vorfreude und neuen Motivation gesprochen und freuen sich, raus aus München zu kommen. Ich sehe das als völlig abgehakt an. Sie alle sind Profis, werden und müssen sich relativ schnell einfinden. Sie alle sind Leistungsträger, die auf internationalem Niveau große Leistungen abgerufen haben. Schweinsteiger hat einen Bluterguss in der Wade, Jerome Boateng ist angeschlagen. Laut Herrn Dr. Müller-Wohlfarth alles kein Problem.

Bastian Schweinsteiger:

Dass die Bayern zu spät kommen, ist egal. Sie steigen am Montag ein. Bastian war länger verletzt, bei ihm müssen wir gucken, wie bei Miro oder Per, was wir tun können. Die anderen müssen das nacharbeiten, was wir hier aus den letzten Länderspielen aufgearbeitet haben, taktische Dinge.

Bastians Standing bei uns wird doch nicht geringer sein als vor einem halben Jahr, nur weil er einen Elfmeter verschossen hat. Er hat darauf eine positive Reaktion gezeigt und ist eine starke Persönlichkeit. Man muss vielleicht noch an ein paar Schrauben drehen, aber ich denke, dass er das hinbekommt.

Lahms Position:

Ganz ehrlich: Ich lasse es erst einmal offen und werde mit Philipp sprechen. Ich sehe Schmelzer auf der linken Seite in einer sehr guten Verfassung und werde mal sehen, wie sich die anderen Außenverteidiger (Höwedes, Boateng, Sven Bender, d. Red.) in Basel in Szene setzen.

die nächste Phase der Vorbereitung:

Es stehen mannschaftstaktische Dinge im Vordergrund, Feinabstimmung in den einzelnen Mannschaftsteilen. Die Bayern müssen im taktischen Bereich noch etwas nacharbeiten. Damit beginnen wir Montag und Dienstag. Die alles entscheidende Phase wird die Woche vor dem Spiel gegen Portugal sein.

das Training von Standards:

Sie fallen ja nicht völlig unter den Tisch. Es macht keinen Sinn, wenn wir hier trainieren und dann andere auf dem Feld stehen. Man muss Standards ständig wiederholen, automatisieren. Dafür braucht man eine lange Zeit. Wir werden Standards trainieren, aber sie stehen bei mir nicht auf der ersten Seite.

Marco Reus' Rolle:

Ich kann mir gut vorstellen, ihn relativ weit vorne zu sehen. Er hat gezeigt, dass er auf verschiedenen Positionen spielen kann, ist ein guter Querläufer.

Gegen defensiv eingestellte Gegner, wenn die Räume eng sind, wenn man einem Rückstand hinterherläuft, glaube ich, dass er prädestiniert ist, in vorderer Linie zu spielen. Vielleicht wird das gegen die Schweiz zu sehen sein.

die Teamfähigkeit als Kriterium:

Alle, die hier sind, sind teamfähig. Wenn ein Spieler zu egoistisch in seinem Gehabe ist, hat er bei mir keine Chance, und sei er noch so gut. Alle, die hier sind, können sich gut einordnen.

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