Zieler (l.), Wiese und ter Stegen (r.) streiten sich um den Platz hinter Manuel Neuer © getty

Wiese, Zieler und ter Stegen kämpfen um die Plätze hinter Manuel Neuer. Bodo Illgner spricht sich bei SPORT1 für Wiese aus.

Vom DFB-Trainingslager berichtet Thorsten Mesch

Tourrettes - Drei sind einer zuviel war eine Vorabendserie, die Ende der Siebziger im deutschen Fernsehen lief.

Tim Wiese war da noch gar nicht auf der Welt, geschweige denn Ron-Robert Zieler oder Marc-Andre ter Stegen.

Wiese ist 30, Zieler 23, ter Stegen gerade erst 20 Jahre alt. Doch das Motto von damals gilt heute für die drei Torhüter, die um zwei Plätze im EM-Kader kämpfen.

Manuel Neuer, der mit seinen Bayern-Kollegen erst am Samstagabend zum DFB-Team stößt, ist als Torwart Nummer eins gesetzt ( 555843 DIASHOW: Der vorläufige EM-Kader ).

Wiese: "Natürlich fahre ich mit"

Dahinter gäbe es "keine Reihenfolge", sagte Torwarttrainer Andreas Köpke bei der Nominierung des vorläufigen Kaders, "alle haben eine faire Chance", betonte Bundestrainer Joachim Löw. (DATENCENTER: Der EM-Spielplan)

Heißt im Klartext: Selbst Wiese, dessen EM-Teilnahme immer als sicher gegolten hatte, muss um seinen Platz kämpfen. Doch Wiese verschwendet überhaupt keinen Gedanken daran, dass es ihn erwischen könnte.

"Natürlich fahre ich mit", sagt der Routinier, der nach der EM von Werder Bremen zu 1899 Hoffenheim wechselt, ohne Selbstzweifel.

Er sei seit vier Jahren bei jedem Lehrgang und Länderspiel als Nummer zwei dabei gewesen, habe fast 300 Bundesligaspiele absolviert, internationale Erfahrung und trainiere sehr gut, wähnt sich Wiese gegenüber den beiden Jüngeren im Vorteil. (GAMES: Das EM-Tippspiel)

Illgner favorisiert Neu-Hoffenheimer

Das sieht auch Bodo Illgner, Weltmeister von 1990, so. "Wiese wäre meine Nummer zwei", sagt Illgner im Gespräch mit SPORT1.

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"Ich denke, dass ein Mann wie Wiese, der etliche internationale Spiele auf dem Buckel hat, eine ganz andere Erfahrung mit in ein Turnier bringt als die Jungen. Von daher würde ich dafür plädieren, dass er mitfährt", erklärt der Vize-Europameister von 1992.

Wichtig sei, "dass die Torhüter untereinander gut harmonieren", betont Illgner. Und Wiese habe in den vergangenen Jahren gezeigt, dass er ohne Probleme bei einem Turnier dabei sein kann.

Bei der Entscheidung zwischen Zieler und ter Stegen könne Löw "keinen Fehler machen", findet Illgner: "Beide sind hervorragende Torhüter, beide haben eine gute Saison im Verein gespielt und beide sind von der Einstellung her gut drauf", sagt Illgner und ergänzt: "Ich würde mich nicht festlegen."

Slomka würde Wiese streichen

Im Gegensatz zu Illgner würde Mirko Slomka sich für Zieler rund ter Stegen entscheiden und Wiese streichen.

[kaltura id="0_ol5diuwc" class="full_size" title="Jogi setzt auf viel PS"]

"Ich würde die beiden jungen Torhüter mitnehmen, denn man muss sich auch für die Zukunft rüsten. Manuel Neuer wird sicher die nächsten ein oder zwei Turniere nicht zu verdrängen sein", meinte der Trainer von Hannover 96 kürzlich auf einer Podiumsdiskussion der "ZEIT" in Berlin.

Slomka ist bekannt als ein Coach, der auf die Jugend setzt. In seiner Zeit als Schalke-Trainer machte er Neuer zur Nummer eins, bei 96 beförderte er Zieler zum Stammtorwart.

"Ron-Robert hat bei Manchester United eine andere Ausbildung genossen als viele Torhüter in Deutschland. Er hat sehr viel in der Luft gearbeitet", beschreibt Slomka die Vorzüge des 23-Jährigen.

Zieler zuversichtlich

In der abgelaufenen Saison sammelte Zieler mit Hannover in der Europa League auch internationale Erfahrung.

In der Nationalmannschaft feierte er sein Debüt im vergangenen November. Beim 3:3 im Testspiel in der Ukraine ließ er sich von schnellen Gegentreffern nicht aus dem Konzept bringen und machte ein starkes Spiel.

"Ich habe keine Angst. Ich fahre selbstbewusst und mit breiter Brust zur Nationalmannschaft", hatte Zieler nach der Nominierung angekündigt.

Ter Stegens Zahlen herausragend

Ter Stegen ist der einzige der DFB-Torhüter, der noch ohne Einsatz in der A-Mannschaft ist.

Der Gladbacher Überflieger debütierte erst kürzlich in der U-21-Auswahl und will weiter durchstarten: "Natürlich will ich mit zur EM. Wenn man die Chance hat, muss man sie nutzen", sagt der 20-Jährige.

In der abgelaufenen Spielzeit hat er 81,3 Prozent der Schüsse auf sein Tor abgewehrt - Ligabestwert. Mit nur 24 Gegentoren und 15 Spielen ohne Gegentreffer stellte er zudem zwei Vereinsrekorde auf.

Gladbacher will Taten sprechen lassen

Ter Stegen, der von seinen Kollegen zum besten Torwart der Saison gewählt wurde, lässt Taten sprechen.

Der Youngster unter den Keepern sei "ein Junge, der weiß, was er will", meinte Köpke kürzlich, Kampfansagen sind aber nicht ter Stegens Ding. Denn er weiß: "Durch Reden ist noch niemand ins Nationalteam gekommen."

Wer am Samstag in Basel gegen die Schweiz (ab 17.30 Uhr im LIVE-TICKER) zum Einsatz kommen wird, ist noch offen (SERVICE: Der EM-Rechner).

Fest steht: Spätestens am 29. Mai wird eine Entscheidung gefällt, einer wird den Heimweg antreten müssen.

Denn drei sind einer zu viel.

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