Mesut Özil (l.) und Sami Khedira führten Real zum ersten spanischen Meistertitel seit 2008 © getty

Özil und Khedira wollen nun auch mit dem DFB-Team Erfolg. Teammanager Bierhoff schwärmt bei SPORT1 von den Spaniern.

Vom DFB-Trainingslager berichtet Thorsten Mesch

Tourrettes - Als Mesut Özil und Sami Khedira am Sonntagabend im noblen Teamhotel in Tourrettes ankamen, waren beide noch etwas "underdressed".

In seinem schwarzen T-Shirt schien Khedira ein bisschen zu frieren. "Ich dachte, uns erwartet hier Sonnenschein und warmes Wetter", meinte der Mittelfeldspieler nach seiner Ankunft aus Madrid.

Auch Özil sah aus, als habe er sich das Wetter in Südfrankreich anders vorgestellt (DATENCENTER: Der EM-Spielplan).

Fitnessprogramm im Teamquartier

Doch die beiden Spanien-Legionäre hatten Glück.

Während ihre Mannschaftskollegen am Montagnachmittag von Bundestrainer Joachim Löw bei Dauerregen über den Trainingsplatz gescheucht wurden, absolvierten Özil und Khedira im Mannschaftsquartier ein Fitnessprogramm (BERICHT: Die Baustelle des Nationalteams).

"Mesut und ich müssen Rhythmus wieder aufnehmen. Es war eine lange und schwere Saison. Es gilt, den Kopf frei zu bekommen und gleichzeitig hart zu trainieren", sagte Khedira und ergänzte: "Die Trainer wissen sicher, wie sie uns anpacken müssen."

Lange wird es für die beiden "Königlichen", die in der abgelaufenen Saison mit Real Madrid den Meistertitel gewannen, keine Sonderbehandlung geben. Schließlich haben beide mit dem DFB-Team schon das nächste große Ziel vor Augen.

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"Ich hoffe, dass wir jetzt die EM holen", sagte Özil: "Ich bin davon überzeugt, dass wir das schaffen können."

Löw lobt Real-Duo

Der Bundestrainer zeigte sich hoch erfreut, seine beiden Real-Stars nun bei der Mannschaft zu haben. "Wir sind insgesamt fußballerisch schon sehr gut geworden - und nun mit Mesut und Sami wird es noch besser", sagte Löw.

Auch DFB-Teammanager Oliver Bierhoff ist davon überzeugt, dass Özil und Khedira der deutschen Auswahl einen Qualitätsschub geben.

"Spielerisch entwickelt"

"Ich glaube auch, dass beide sich sportlich und spielerisch weiterentwickelt haben, weil sie mit den Besten der Welt trainieren. Das hilft natürlich auch unserer Mannschaft", sagte Bierhoff am Montagabend im Gespräch mit SPORT1.

Der ehemalige Nationalstürmer weiß aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, internationale Erfolge zu sammeln. 1996 schoss er Deutschland zum EM-Titel, 1998 wurde er als Stürmer bei Udinese Calcio Torschützenkönig der Serie A und 1999 gewann er mit dem AC Mailand die italienische Meisterschaft.

"Wenn du dich im Ausland bei einem Top-Klub durchgesetzt hast, reifst du auch als Person. Es ist schön, die Entwicklung der beiden zu sehen", erklärte Bierhoff und geriet ins Schwärmen: "So wie Mesut spielt, ist es einfach traumhaft anzuschauen."

Özil setzt sich endgültig durch

Özil habe "trotz der Kritik, die immer wieder mal kam, eine sehr erfolgreiche Saison gespielt und war derjenige, der seine Mitspieler am besten eingesetzt hat."

In Spanien wurde der Supertechniker in die Top-Elf der Saison gewählt, doch viel wichtiger war ihm natürlich der Titel.

"Das ist der bisher größte Moment in meiner sportlichen Karriere. Mit Real Madrid spanischer Meister zu werden, das ist etwas ganz Großes", sagte Özil nach dem Triumph in Spanien im SPORT1-Interview.

Positive Auswirkungen

Dass Özil und Khedira weiter verbessert und mit einem Erfolgserlebnis zur Nationalmannschaft gestoßen sind, kann sich nur positiv auswirken, glaubt Bierhoff.

"Man sieht die beiden sehr selbstbewusst und fokussiert", berichtete der Teammanager. Zudem werde die DFB-Auswahl nicht mehr nur vom FC Bayern bestimmt, sondern jetzt auch von den beiden Madrilenen und auch den Dortmundern.

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Watzke fordert BVB-Anteil

Dies betonte auch BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke: "Wenn man Meister und Pokalsieger wird, dann darf man davon ausgehen, dass diese Leistung auch entsprechend bei der Nationalmannschaft gewürdigt wird", sagte Watzke der "Sport Bild".

"Spieler, die dem BVB "durch ihre überragenden sportlichen, aber auch charakterlichen Qualitäten helfen, die können und sollten auch in der Nationalelf spielen", fügte er hinzu.

Bayern kommen später

Bis die Bayern zur Nationalelf hinzustoßen, wird es allerdings noch eine Zeit lang dauern. Die Spieler um Kapitän Philipp Lahm müssen nicht wie ursprünglich vereinbart am Freitag nach Südfrankreich reisen, sondern werden nun am Samstagabend in Tourrettes erwartet.

"Am Samstagabend werden wir komplett sein. Am Sonntag besuchen wir dann alle zusammen das Formel-1-Rennen in Monaco. Das wird ein guter Einstieg für die Bayern-Spieler sein", sagte Assistenz-Trainer Hansi Flick am Dienstag: "Das ist für alle eine gute Entscheidung."

Empfehlung an die Bayern

Özil empfahl den Bayern, den Frust über die Niederlage im Finale der Champions League gegen den FC Chelsea möglichst schnell abzuhaken. "Aus Niederlagen lernt man. Aber jetzt gilt es, nach vorne zu schauen."

"Jetzt beginnt auch für uns die wahre Vorbereitung. Es wird langsam ernst und wir freuen uns auf die EM", meinte Khedira.

Am Dienstagvormittag trainierte Khedira bereits mit der Mannschaft. Özil dagegen entkam dem nasskalten Wetter und begab sich in den Fitnessraum.

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