Mats Hummels (l.) spielt seit 2008 für Borussia Dortmund © getty

Bundestrainer Löw testet im Trainingslager Alternativen in der Defensive. Nur ein Spieler ist gesetzt. Hummels sieht gute Chancen.

Vom DFB-Trainingslager berichtet Thorsten Mesch

Tourrettes - Seit dem Freitagnachmittag läuft in Südfrankreich die heiße Vorbereitungsphase auf die Europameisterschaft (DATENCENTER: Der EM-Spielplan).

Der erste Titel seit 1996 ist das Ziel, doch bis dahin ist es noch ein langer Weg und es liegt viel Arbeit vor Bundestrainer Joachim Löw und seiner Mannschaft.

Offensive gewinnt Spiele, Defensive gewinnt Titel, so lautet eine alte Weisheit, an die sich auch Mats Hummels erinnerte (BERICHT: Bayern-Pleite als EM-Weckruf).

"Die Null muss stehen"

"Der schöne Satz, dass die Null stehen muss, ist immer das Wichtigste", sagte der Innenverteidiger am Montag im Trainingslager in Tourrettes.

Spanien sei 2010 vor allem aufgrund seiner starken Abwehr Weltmeister geworden, erklärte der Profi von Borussia Dortmund und betonte: "Das ist immer der Grundstock: eine solide Defensive."

In 13 Spielen des Jahres 2011 blieb die DFB-Auswahl jedoch nur zweimal ohne Gegentor.

Noch einiges zu tun

"Ich denke, dass wir gerade in der Defensive einiges tun müssen in Richtung EM", hatte Löw nach der 1:2-Niederlage im bisher letzten Spiel gegen Frankreich Ende Februar gesagt.

Doch wie die deutsche Abwehr im ersten Turnierspiel am 9. Juni in Lwiw gegen Portugal aussehen wird, weiß niemand. Vermutlich auch Löw noch nicht.

Nur Lahm ist gesetzt

Einzig Philipp Lahm ist gesetzt. Es ist lediglich noch unklar, ob der Kapitän auf der rechten oder linken Seite verteidigen wird.

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"Falls Philipp rechts spielt, würden meine Chancen natürlich steigen", sagt Marcel Schmelzer.

Der Dortmunder wird wohl am Samstag im Testspiel in der Schweiz die Chance bekommen, sein Können zu zeigen.

Weil Lahm und seine sieben Vereinskollegen vom FC Bayern frühestens am Freitag zum DFB-Team stoßen werden, nutzt Löw notgedrungen die Zeit ohne die Münchner zum Testen.

Sven Bender hilft in der Abwehr aus

In verschiedenen Formationen ließ der Coach die Viererkette in den bisherigen Übungseinheiten verteidigen. Mal mit Hummels und Benedikt Höwedes in der Mitte, ein anderes Mal mit Hummels und Per Mertesacker ( 555843 DIASHOW: Der vorläufige EM-Kader ).

Schmelzer beackerte die linke Seite, und sein Dortmunder Kollege Sven Bender wurde kurzzeitig vom Mittelfeldspieler zum Rechtsverteidiger umfunktioniert.

"Wir haben ja momentan nicht so viele Alternativen", verweist Hummels auf das Fehlen der Münchner Holger Badstuber und Jerome Boateng.

Bisher keine im Training

Es gehe im Training in Frankreich vor allem darum, "die Automatismen mit den Mitspielern einzustudieren und die Abstimmung zu verbessern".

Dass ein kleiner Zuordnungsfehler fatale Folgen haben kann, mussten die Bayern im Champions-League-Finale beim Last-Minute-Ausgleich durch Didier Drogbas Kopfball nach einer Ecke erfahren.

Löw hat das Endspiel, in dem Badstuber gesperrt gefehlt hatte, mit der Nationalmannschaft auf Großbildleinwand im Teamhotel verfolgt.

Auf das Üben von Standardsituationen hat er in Tourrettes bisher aber verzichtet.

Mertesacker auf gutem Weg

Um das Training etwas aufzulockern, streute er am Samstag eine abgewandelte Rugby-Übungsform ein.

Die Abwechslung schien den meisten Spielern zu gefallen, doch der Jux mit dem Ei dauerte nicht allzu lang. Schnell richtete sich der Fokus wieder auf die Abwehrarbeit.

Nachdem Mertesacker am Samstag im Hotel ein individuelles Programm absolviert hatte, trainierte er am Sonntag und Montag wieder mit der Mannschaft.

"Er ist körperlich so fit wie noch nie, aber ihm fehlt nach der langen Wettkampfpause Spielpraxis", sagte Löw über den Routinier vom FC Arsenal, der seit seiner Sprunggelenksoperation im Februar kein Spiel mehr bestritten hat.

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"Brauche noch ein, zwei Spiele"

"Ich fühle mich gut, ich habe schon auf Sardinien sehr viel getan, aber es stehen noch einige Schritte aus", erzählte der 27-Jährige dem "kicker".

Er brauche "noch ein, zwei Spielchen, aber dann bin ich wieder topfit", sagte Mertesacker, der bei der EM 2008 und der WM 2010 zu den Stammkräften in der Innenverteidigung gehört hatte.

Mehrere Kandidaten für die rechte Seite

Für die anstehende EM in Polen und der Ukraine hat der Bundestrainer neben dem ehemaligen Bremer, Hummels und Badstuber auch noch Boateng und Höwedes als Alternativen für das Abwehrzentrum.

Boateng und Höwedes sind zugleich Kandidaten für die rechte Außenposition, sollte Lahm doch auf der linken Seite eingesetzt werden.

Löw hatte auch noch Svens Bruder Lars Bender für die rechte Seite ins Gespräch gebracht.

Entscheidung kurz vor der EM

Dass der Coach noch einen Abwehrspieler aus dem Aufgebot streichen wird, ist eher unwahrscheinlich. Es geht vielmehr darum, aus sieben, eventuell auch acht Spielern, die Stammformation zu bilden.

"Im Moment sieht es so aus, als sei für mich die Möglichkeit da, zu spielen. Aber auch wenn man nicht spielt, muss man seine Rolle ausfüllen", meinte Hummels.

Er habe bei der U-21-EM 2009 in den ersten drei Spielen auf der Bank gesessen, erinnerte sich der 23-Jährige, "von daher ist eventuell auch Geduld gefragt. Die endgültige Entscheidung wird wohl erst kurz vor dem Turnier fallen".

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