Joachim Löw (2.v.r.) ist seit 2004 als Trainer für den DFB tätig © getty

Ohne Effektivität kein Titel: Das hat die Niederlage gegen Chelsea gezeigt. Löw lässt daher intensiv Torabschlüsse trainieren.

Vom DFB-Trainingslager berichtet Thorsten Mesch

Tourrettes - Besser gespielt und doch verloren.

Was dem FC Bayern im Champions-League-Finale passiert ist, könnte auch der deutschen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft drohen (DATENCENTER: Der EM-Spielplan).

Die Niederlage der Bayern gegen den FC Chelsea sei durchaus als "ein Warnschuss für die EM" zu werten, erklärte DFB-Teammanager Oliver Bierhoff am Sonntag im DFB-Trainingslager in Südfrankreich.

"Schön zu spielen reicht nicht. Wir müssen auch lernen, effizient zu sein", betonte der ehemalige Torjäger: "Andere haben nicht die Mittel, spielen aber effizient. Da müssen wir aufpassen."

Chelsea habe eigentlich "fußballerisch wenig entgegenzusetzen" gehabt, fand auch Joachim Löw.

Bayern-Pleite geht Löw nahe

Der Bundestrainer gab zu, die Pleite der Münchner, in deren Reihen am Samstagabend sieben Nationalspieler standen, sei ihm nahe gegangen und habe ihn "insofern geärgert, als dass eine Mannschaft, die fast alles richtig gemacht hat, als Verlierer vom Platz geht."

Nur fast alles richtig zu machen, könnte für die DFB-Auswahl bei der EM in einer starken Vorrundengruppe mit den Gegnern Portugal, Niederlande und Dänemark am Ende auch nicht reichen.

Auch Borussia Dortmunds Ausscheiden in der Gruppenphase der Champions League war nicht nur ein Resultat mangelnder Erfahrung, sondern auch mangelnder Effektivität ( 555843 DIASHOW: Der vorläufige EM-Kader ).

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Dominanz allein reicht nicht

Das 2:2 der DFB-Auswahl im Testspiel in Polen im vergangenen Jahr und die 1:2-Niederlage gegen Frankreich Ende Februar haben ebenfalls gezeigt, dass Dominanz allein nicht genügt, sondern auch eine konsequente Chancenverwertung notwendig ist.

Löw arbeitet deshalb seit dem Freitagnachmittag besonders intensiv mit seinen Spielern. Schnelles Passspiel und Torabschlüsse gehören zu den Schwerpunkten des DFB-Trainingslagers.

Anders als Mesut Özil und Sami Khedira, die mit Real Madrid die spanische Meisterschaft gewannen und am Sonntag mit viel Selbstvertrauen zum DFB-Kader stießen, werden die Bayern-Spieler noch eine Weile am dritten verpassten Titel zu knabbern haben.

[kaltura id="0_zpvz20y8" class="full_size" title="Bierhoff Wir haben keinen Zaubertrank "]

Löw will nichts überstürzen

Ursprünglich war geplant, dass die acht Münchner am Freitag nachkommen, doch daran will Löw nicht zwingend festhalten.

"Wenn ich das Gefühl habe, dass der ein oder andere Spieler eine längere Pause braucht, dann wird er sie bekommen. Es macht keinen Sinn, die Spieler möglichst schnell integrieren zu wollen", erklärte der Bundestrainer, der ab Montag Kontakt zu den Bayern-Spielern aufnehmen will.

Angst, dass die Münchner einen Knacks im Hinblick auf die EM erlitten haben könnten, haben aber weder Löw noch Bierhoff.

"Die Niederlage ist kein Drama"

"Sie werden sicherlich ein bisschen ruhiger ankommen und durchschnaufen wollen. Unsere Aufgabe wird auch sein ihnen zu zeigen, dass es die Niederlage kein Drama ist", sagte Bierhoff.

"Wenn sie etwas Abstand haben bin ich mir sicher, dann haben sie wieder neue Motivation und neue Ziele. Dann werden wir das hinbekommen", ergänzte Löw.

Auch Bastian Schweinsteiger, der gegen Chelsea den entscheidenden Elfmeter verschoss, werde den Spaß am Fußball wieder finden.

"Er wird sich wieder seiner Fähigkeiten erinnern. Wir brauchen ihn, er ist ein Führungsspieler, und er wird diese Anforderung erfüllen", sagte Löw dem "ZDF".

Bierhoff zuversichtlich

Bierhoff glaubt, dass alle Spieler bis zur EM "im Kopf so frei sind, dass sie ihre Höchstleistung abrufen werden".

"Bei einem Turnier ist man unheimlich fokussiert", erklärte der Golden-Goal-Schütze der EM 1996: "Man blendet alles aus."

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