Die duetschen U-17-Nationalspieler sind nach der Finalniederlage am Boden zerstört © getty

Der Traum vom vierten EM-Titel ist für die deutschen U17-Junioren in letzter Sekunde geplatzt. Trotzdem gibt es nur Lob.

Frankfurt/Ljubljana - Als am Tag nach dem so knapp verpassten EM-Titel das letzte Geschenk überreicht wurde, kam der ganze Frust noch einmal hoch.

Jeder der deutschen U17-Nationalspieler erhielt im Anschluss an die Landung auf dem Flughafen in Frankfurt eine Uhr - und wurde unweigerlich an die letzten bitteren Sekunden des Finals der EM-Endrunde in Ljubljana gegen die Niederlande (4:5 i.E.) erinnert (Spielbericht).

Erst in der Nachspielzeit und wenige Augenblicke vor dem Schlusspfiff hatte das Team von Trainer Stefan Böger den Ausgleich zum 1:1 hinnehmen müssen, nachdem Kapitän Leon Goretzka (VfL Bochum) die DFB-Auswahl zuvor auf Siegkurs geköpft hatte (45.).

Niersbach gratuliert DFB-Elf

Im Elfmeterschießen leistete sich dann Marc Stendera von Eintracht Frankfurt den entscheidenden Fehlschuss gegen den Nachbarn, der schon im vergangenen Jahr das Endspiel gegen die deutsche Mannschaft gewonnen hatte.

Auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach war die Enttäuschung nach dem Herzschlag-Finale vor 11.674 Zuschauern - darunter auch UEFA-Boss Michel Platini - anzusehen.

"Das war eine ganz bittere Niederlage. Die Niederländer hatten durch das späte Tor vielleicht ein bisschen mehr Selbstvertrauen im Elfmeterschießen", sagte Niersbach und gratulierte seinen U17-Junioren trotzdem zu einem "tollen Turnier".

"Ungeschlagener Vize-Europameister"

Schwer zu trösten war ob des Sekunden-Fluchs zunächst "Baumeister" Böger. "Wenn du mit dem Schlusspfiff dein erstes Gegentor bekommst und dadurch den Titel verpasst, ist das unglaublich hart", meinte der Coach, der dann doch noch positive Aspekte fand:

"Aus der regulären Spielzeit sind wir ja mit einem Unentschieden rausgegangen. Wir sind also ungeschlagener Vize-Europameister, darauf können wir stolz sein."

Nachdem der Traum vom vierten EM-Titel nach 1984, 1992 und 2009 jäh geplatzt war, saß der "Vize"-Tross noch bis Mitternacht in einem Restaurant in Ljubljana zusammen. Der Schlaf kam danach auch ohne Party zu kurz.

Böger sieht "tolle Entwicklung"

Bereits um 4.30 Uhr am Donnerstagfrüh klingelte der Wecker, weil der Flieger bereits um 7.15 Uhr die slowenische Hauptstadt verließ.

Auf dem Rollfeld des Frankfurter Airports empfing DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock die verhinderten Gold-Helden und sprach ihnen Mut zu. Coach Böger setzte die Seelenmassage bei einem kleinen Empfang in einer VIP-Lounge des Flughafens fort:

"Jeder einzelne hat eine tolle Entwicklung genommen", sagte der 45-Jährige, bevor die Nationalspieler die individuelle Heimreise antraten.

Einziges Gegentor

Einen Tag zuvor hatte Böger ein wahres Wechselbad der Gefühle erlebt. Nach einer Viertelstunde hatte die deutsche Mannschaft das Heft in die Hand genommen. Der Stuttgarter Timo Werner war mit einem Schuss an die Latte (23.) nur knapp gescheitert.

Glück hatte das DFB-Team kurz vor der Pause, als Queensy Menig die Unterkante der Latte traf (39.). Von dort sprang der Ball auf die Linie, Schiedsrichter Ivan Kruzliak entschied auf Weiterspielen.

In der Schlussphase wurden die Niederländer durch Elton Acolatse belohnt, der mit einem Heber ins lange Eck erfolgreich war. Es war das erste Gegentor der deutschen Mannschaft im Turnierverlauf. Im direkt folgenden Elfmeterschießen wurde Stendera zum Pechvogel des erfolgsverwöhnten DFB-Jahrgangs.

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