Sami Khedira und Mesut Özil spielen seit 2010 bei Real Madrid © imago

Die Probleme für Joachim Löw mehren sich. Die Real-Stars verpassen das Trainingslager auf Sardinien wegen eines Testspiels.

München - Kuwait statt Sardinien: Mesut Özil und Sami Khedira kommen noch später ins Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft als ursprünglich geplant. Damit legt Real-Trainer Jose Mourinho Bundestrainer Joachim Löw zusätzlich Steine in den Weg.

Anstatt am 16. Mai nach Sardinien reisen die beiden Stars von Real Madrid nun erst am 20. Mai zur zweiten Vorbereitungsphase der DFB-Auswahl in Südfrankreich an und bringen das Programm von Löw damit noch mehr durcheinander.

Der Grund für die Änderung ist ein von Real Madrid kurzfristig vereinbartes Freundschaftsspiel in Kuwait für die kommende Woche. Vertraglich hatten die "Königlichen" vereinbart, mit allen Nationalspielern anzutreten.

Mourinho zog daraufhin seine bereits erteilte Zusage an Löw wieder zurück.

Bierhoff bittet um Freigabe

Özil und Khedira wurden von den Real-Verantwortlichen über die neue Entwicklung am Mittwochabend informiert und nahmen daraufhin sofort Kontakt zum Bundestrainer auf.

Auch ein Versuch von Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff, bei Real um die Freigabe des Duos für Sardinien zu bitten, schlug fehl. (SERVICE: Alles zur EM 2012)

Am Donnerstagnachmittag sagte Madrid beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) schriftlich ab, da auch die spanischen und portugiesischen Nationalspieler die Reise nach Kuwait antreten müssten.

"Es ist uns bekannt, dass die offizielle Abstellungsfrist der Vereine für die EM erst am 25. Mai beginnt, und daher müssen wir die Entscheidung von Real Madrid akzeptieren. Es hilft kein Klagen, wir müssen jetzt auch aus dieser Situation einfach das Beste machen", sagte Bierhoff zur Absage.

Nur elf Spieler beim Trainingslager

Das Trainingslager auf Sardinien wird dadurch immer mehr zur Farce. Ohne den Bundestrainer und 16 Spieler muss das DFB-Team seine Titel-Mission starten.

Eine Reise ins Ungewisse beginnt. Noch nie vor einem Turnier gab es in der Vorbereitung derart viele Unwägbarkeiten. ( 555843 DIASHOW: Der vorläufige EM-Kader )

"Das ist keine einfache Situation für uns. Wir müssen innerhalb kürzester Zeit ein Team formen, das in der Lage ist, Herausragendes zu leisten", ergänzte Löw vor dem Abflug seiner elfköpfigen Rumpftruppe mit Sonderflug LH 342 von Frankfurt/Main nach Sardinien.

Löw beim Pokalfinale

Der 52-Jährige selbst sowie 16 für den vorläufigen EM-Kader nominierte Akteure steigen am Freitagnachmittag allerdings nicht in den Airbus Richtung Olbia.

Löw wird seine überschaubare Reisegruppe nur kurz verabschieden und dann zum DFB-Pokalfinale nach Berlin reisen. Erst am Sonntagvormittag wird Löw dann auf der italienischen Ferieninsel erwartet - und er kommt mit klaren Vorstellungen.

"Wir werden sehr hart arbeiten. Wir wollen den Konkurrenzkampf bis zur letzten Stunde ausreizen", sagte Löw und will im noblen Hotel Romanzzino bei den DFB-Stars erst gar keine Urlaubsstimmung aufkommen lassen.

[kaltura id="0_bm65i690" class="full_size" title="L ws Liste Draxler ist dabei"]

"Im taktischen Bereich wird es eng"

Allerdings stellt die vierwöchige Phase bis zum ersten Auftritt bei der EURO in Polen und der Ukraine am 9. Juni in Lwiw gegen Portugal den Bundestrainer vor eine echte Herausforderung.

Doch jammern will Löw angesichts der vielen Sorgen nicht. "Wir müssen das Beste daraus machen und flexibel sein", sagte er, fügte aber auch an: "Im taktischen Bereich wird es etwas eng."

In der Tat. So bleibt Löw kaum Zeit, seine Wunschformation für den Ernstfall einzuspielen, da die Profis von Bayern München erst am 25. Mai zur DFB-Auswahl stoßen werden.

Vorher stehen für die acht Nationalspieler des Rekordmeisters das DFB-Pokal-Endspiel am Samstag, das Champions-League-Finale am 19. Mai und das Arjen-Robben-Wiedergutmachungsspiel am 22. Mai auf dem Programm.

Löw muss improvisieren

Doch nicht nur die Bayern sorgen dafür, dass Löw in den Trainingslagern auf Sardinien und ab 19. Mai in Südfrankreich zum Improvisationskünstler werden muss.

Die Spieler des deutschen Meisters Borussia Dortmund haben wegen des Pokal-Finales bis zum 14. Mai frei. (BERICHT: Steiniger Weg zum süßen Traum)

Zu diesem Zeitpunkt wird auch Miroslav Klose erwartet, der am Wochenende mit Lazio Rom ein Ligaspiel austrägt.

Vorbereitung durch Länderspiele unterbrochen

Den gesamten Kader hat Löw damit nur knapp eine Woche beisammen, da die Vorbereitung auch noch durch Länderspiele am 26. Mai in Basel gegen die Schweiz und am 31. Mai in Leipzig gegen Israel unterbrochen wird.

Nach dieser Partie wird Löw den Spielern zudem bis zum Abflug ins EM-Quartier nach Danzig am 4. Juni frei geben.

"Es gibt noch Unwägbarkeiten"

Die "zerrissene" Vorbereitung stellt für Löw aber nicht das einzige Problem dar. "Es gibt noch einige Unwägbarkeiten bis zur EM, es können sich noch Spieler verletzen", sagte der DFB-Coach.

Vor der WM 2010 in Südafrika waren in Michael Ballack, Christian Träsch und Heiko Westermann gleich drei Spieler kurzfristig verletzt ausgefallen.

Vier Spieler werden gestrichen

Um etwaigen Ausfällen vorzubeugen, berief Löw 27 Spieler in sein vorläufiges Aufgebot. Bis 29. Mai muss er seinen endgültigen 23-köpfigen EM-Kader benennen. (HINTERGRUND: Löws Streichsquartett)

Klar ist, dass einer der vier Torhüter kein Ticket erhält. Nur Manuel Neuer hat derzeit seinen Platz sicher. ( 447891 DIASHOW: Die deutschen EM-Trikots )

Selbst Tim Wiese erhielt im Dreikampf mit Ron-Robert Zieler und Andre ter Stegen keinen Freifahrtschein von Löw: "Im Moment gibt es keine Veranlassung, uns endgültig zu entscheiden."

Wackelkandidaten im Mittelfeld

Auch sonst will der Bundestrainer den Konkurrenzkampf "ausreizen".

Während in der Abwehr und im Angriff die Plätze fest vergeben sein dürften, gibt es bei den 13 nominierten Mittelfeldspielern in Sven und Lars Bender, Ilkay Gündogan und Julian Draxler noch vier Wackelkandidaten.

Doch trotz der Probleme im Vorfeld ist Löw weiter zuversichtlich, den Titel erstmals nach 1996 wieder nach Deutschland holen zu können: "Wir gehen mit aller Kraft und positiver Energie in das Turnier, aber auch mit der Leichtigkeit, die uns zuletzt immer ausgezeichnet hat."

Dass der Druck diesmal besonders hoch ist, sieht er gelassen. "Die Messlatte ist immer ein bisschen nach oben gesetzt worden. Ich glaube aber, dass wir relativ schwindelfrei sind und ganz gut damit umgehen können."

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