Lars (l.) und Sven Bender spielten bis 2009 gemeinsam bei 1860 München © imago

Der Kampf um die EM-Plätze konzentriert sich auf Tor und Mittelfeld. Die Benders könnten noch auseinandergerissen werden.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Rastatt/München - Kaum ist das Geheimnis des erweiterten EM-Kaders gelüftet, schon ist die Debatte am anderen Ende angelangt:

Wen streicht Bundestrainer Joachim Löw wieder aus seinem Aufgebot und welche 23 Spieler nimmt er letztendlich mit zur Europameisterschaft nach Polen und in die Ukraine?

"EM heißt, dass jeder Spieler bis zur letzten Stunde um seinen Platz kämpft", gab Löw am Montag in Rastatt die Marschrichtung vor (BERICHT: Steiniger Weg zum süßen Traum).

Doch es ist ein ungleicher Kampf. Von den 27 Kandidaten haben etwa zwei Drittel ihren Platz schon so gut wie sicher, der Rest muss zittern ( 555843 DIASHOW: Der vorläufige EM-Kader ).

Verdrängt ter Stegen Wiese oder Zieler?

Eins ist sicher: Von den vier nominierten Torhütern wird es einer nicht zur EM schaffen, denn in der Endrunde sind maximal drei Keeper erlaubt.

Manuel Neuer ist als Nummer eins gesetzt. Tim Wiese galt bisher als erster Ersatz, Ron-Robert Zieler als dritter Mann.

Doch die Nominierung des Neulings Marc-Andre ter Stegen mischt die Karten hinter Neuer neu ( 447891 DIASHOW: Die deutschen EM-Trikots ).

Ter Stegen ist zwar Außenseiter, aber mit guten Trainingsleistungen könnte der 20-Jährige aus Mönchengladbach, der erst vor kurzem sein erstes Spiel in der U-21-Auswahl des DFB bestritt, vielleicht sogar bis zur Endrunde durchstarten.

Draxler: Der neue Marin?

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Die EM-Chancen des zweiten Neulings dürften deutlich geringer sein.

Löw lobte zwar Julian Draxlers "hervorragende Spielintelligenz", Schnelligkeit und Dribbelstärke und betonte seine "Überzeugung, dass er uns trotz seiner jungen Jahre schon weiterhelfen kann".

Während Draxler am Montagabend am Rande des Schalker Testspiels in Haltern festhielt: "Im Moment geht noch jeder davon aus, dass ich gestrichen werde. Aber ich werde versuchen, mein Bestes zu geben und vielleicht doch dabei zu sein."

Trotzdem: Die Berufung des 18-Jährigen erinnert doch sehr an den Fall des 2008 berufenen und dann doch nicht mitgenommenen Marko Marin: Ein Youngster, der eher dankbar sein wird, an der großen Bühne schnuppern zu können, als enttäuscht, wenn er dann doch nicht auf sie hinauf darf.

Trifft es einen Bender?

Für andere Streichkandidaten könnte die Angelegenheit schmerzhafter werden ? zum Beispiel für die Zwillinge Lars und Sven Bender, die womöglich noch auseinandergerissen werden.

Der Leverkusener und sein in Dortmund spielender Bruder waren zwar schon einmal zusammen nominiert, aber verletzungsbedingt noch nie beide gleichzeitig im DFB-Team dabei.

Lars hat nach seiner starken Saison in Leverkusen die Nase leicht vorn ? für ihn spricht außerdem Löws Andeutung am Montag, dass er sich ihn sogar auch auf der Problemposition Außenverteidigung vorstellen kann.

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Svens Probleme mit der Gesundheit

Sven wurde zwar mit Dortmund zum zweiten Mal in Folge Meister, hatte aber immer wieder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen.

"Es war keine Frage, Sven zu nominieren, obwohl er immer wieder zurückgeworfen wurde", betonte Löw auf SPORT1-Nachfrage.

"Sven hat bei uns einen sehr guten Eindruck gemacht, er hat eine unglaublich gute Physis und ist wahnsinnig hoch belastbar", ergänzte der Bundestrainer: "Beide Benders haben in ihren Vereinen bewiesen, dass sie trotz ihres jungen Alters zu den Leistungsträgern gehören und beide haben enorme Perspektiven."

Auch Gündogan Wackelkandidat

Sollte Löw beide mit zur EM nehmen, wird es für Svens Vereinskollegen Ilkay Gündogan vermutlich nicht reichen. Der Dortmunder spielte sich zwar nach Startschwierigkeiten erfolgreich ins BVB-Team, ob es aber für die EM reicht, ist fraglich.

Zumal das DFB-Trainerteam mit großer Wahrscheinlichkeit mindestens zwei Mittelfeldspieler wieder nach Hause schicken wird.

Der Angriff ist mit den drei Stürmern Gomez, Klose und Cacau ohnehin minimal besetzt, und in der Abwehr gibt es eigentlich maximal einen Streichkandidaten.

Höwedes zittert in der Abwehr

Auf der linken Abwehrseite dürfte Marcel Schmelzer als Backup für Philipp Lahm gesetzt sein.

Benedikt Höwedes und Jerome Boateng sind zwar beide flexibel einsetzbar, sind aber in der Innenverteidigung nur zweite Wahl und als rechte Außenverteidiger keine Spezialisten. Einen von ihnen könnte es erwischen ? tendenziell eher Höwedes als Boateng.

Schwer vorstellbar zumindest, dass Löw auf ein Mitglied des bewährten FC-Bayern-Blocks verzichtet (SERVICE: Alles zur EM 2012).

Bis zum 29. Mai muss der DFB seine 23 EM-Teilnehmer der UEFA benennen, und so lange will sich das Trainerteam auch Zeit lassen.

"Wir wollen den Konkurrenzkampf bis zur letzten Stunde ausreizen", kündigte Löw an: "Deshalb werden wir auch erst kurz vor dem Meldeschluss unsere Entscheidung treffen."

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