Julian Draxler (l., mit dem Schalker und U-21-Teamkollegen Holtby) darf auf die EM hoffen © getty

Der Bundestrainer holt die beiden Youngster überraschend in sein 27-köpfiges Aufgebot und streicht einige Wackelkandidaten.

Aus Rastatt berichtet Thorsten Mesch

Rastatt - Bundestrainer Joachim Löw hat bei der Nominierung seines vorläufigen Kaders für die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine (8. Juni bis 1. Juli) für eine kleine Überraschung gesorgt.

Löw berief am Montagmittag in Rastatt neben den etablierten Spielern mit Julian Draxler und Marc-Andre ter Stegen auch zwei Neulinge in die DFB-Auswahl. ( 555843 DIASHOW: Der vorläufige EM-Kader )

Während sich der Schalker und der Torwart aus Mönchengladbach über ihre ersten Nominierungen freuen durften, gingen etablierte Spieler wie Simon Rolfes (Leverkusen) und WM-Teilnehmer Dennis Aogo (Hamburg) leer aus.

Christian Träsch (Wolfsburg) schaffte den Sprung ins vorläufige Aufgebot nicht, auch der heiß gehandelte Gladbacher Außenverteidiger Tony Jantschke und Wolfsburgs Stürmer Patrick Helmes wurden nicht berücksichtigt (SERVICE: Alles zur EM 2012).

Lob für die beiden Youngster

Relativ unerwartet kam die Entscheidung für Draxler.

"Wir denken, dass er unheimlich viel Potenzial hat und durch die Nominierung einen weiteren Schub bekommt", erklärte Löw und ergänzte: "Wir halten ihn für enorm entwicklungsfähig."

Vollkommen überzeugt zeigte sich der Bundestrainer von ter Stegen.

"Er hat eine überragende Saison gespielt und hat eine sehr gute Ausstrahlung", meinte Löw. Nun wolle er sich ein Bild in den Trainingseinheiten machen und bezüglich des endgültigen Kaders "am 29. Mai die Entscheidungen treffen".

Fragezeichen hinter Mertesacker?

Im Tor setzt Löw neben Bayern-Keeper Manuel Neuer auf Tim Wiese von Werder Bremen, Ron-Robert-Zieler (Hannover 96) und eben ter Stegen.

In der Abwehr bilden die Spieler des Rekordmeisters aus München das Grundgerüst:

Neben Kapitän Philipp Lahm, Holger Badstuber und Jerome Boateng setzt Löw auf die Dortmunder Mats Hummels und Marcel Schmelzer, den Schalker Benedikt Höwedes und Per Mertesacker vom FC Arsenal.

"Wir haben mit Arsene Wenger (Arsenals Teammanager, Anm. d. R.) vereinbart , dass Per am Freitag mit nach Sardinien fliegt. Er muss bei uns auf Wettkampfniveau kommen", sagte Löw.

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Gündogan dabei

Im Mittelfeld berief der 52-Jährige neben den Bayern-Profis Bastian Schweinsteiger, Toni Kroos und Thomas Müller, die wie ihre Münchner Kollegen erst am 25. Mai nach dem Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea (19.) und dem Test der Bayern gegen die Niederlande (22. Mai) zum Team stoßen werden, auch drei Dortmunder:

Mario Götze,Ilkay Gündogan und Sven Bender werden allerdings erst am 15. Mai, also drei Tage nach dem DFB-Pokalfinale zwischen FCB und BVB ins Regenerations-Trainingslager auf Sardinien nachreisen.

Mesut Özil und Sami Khedira (Real Madrid) kommen ebenfalls nach.

Cacau für Sturm nominiert

Das volle Programm vom 11. bis 18 Mai und das anschließende und bis zum 30. Mai dauernde Trainingslager in Südfrankreich werden auch Lukas Podolski (Köln), Marco Reus (Mönchengladbach), die Leverkusener Andre Schürrle und Lars Bender und Draxler bestreiten.

Im Angriff nominierte Löw neben Miroslav Klose (Lazio Rom) und Mario Gomez (Bayern) auch den Stuttgarter Cacau und nicht den zuletzt aufstrebenden Helmes.

"Die Entscheidung zugunsten von Cacau ist deswegen gefallen, weil wir der Meinung sind, dass Helmes doch eher ein Konterspieler ist", erklärte Löw.

"Wir gehen davon aus, dass wir auf Mannschaften treffen werden, die defensiv agieren werden. Cacau hat in den letzten Jahren als Joker stets überzeugt und getroffen."

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15 Akteure schon bei der WM 2010

Insgesamt 15 Akteure waren bereits bei der WM 2010 in Südafrika im Einsatz gewesen.

Erwartungsgemäß stellt der deutsche Rekordmeister Bayern München mit acht Spielern den größten Block.

Vom alten und neuen Meister Borussia Dortmund stehen sechs Profis im Kader. ( 447891 DIASHOW: Die deutschen EM-Trikots )

Am Freitag nach Sardinien

Die DFB-Elf startet am 11. Mai mit dem Trainingslager auf Sardinien in ihre EM-Vorbereitung. An der Costa Smeralda fehlen allerdings mehrere Profis.

Die Bayern, die am 19. Mai das Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea bestreiten, reisen gar nicht erst an.

Die Dortmunder, die am 12. Mai noch gegen die Bayern im DFB-Pokal-Finale stehen, kommen ebenso wie Miroslav Klose (Lazio Rom), Mesut Özil und Sami Khedira (beide Real Madrid) später, da die Spielzeiten in Spanien, Italien und England jeweils erst am 13. Mai enden.

Mertesacker reist sofort an

Der lange verletzte Per Mertesacker (FC Arsenal) reist dagegen schon am Freitag und damit schon vor dem Saisonende in England mit nach Sardinien.

"Wir müssen letztendlich beurteilen, ob er es in den nächsten Wochen schaffen wird", meinte Löw über den Verteidiger.

"Ich bin bei ihm und Miro Klose zuversichtlich, dass beide in die Form kommen."

Am 4. Juni nach Polen

Ab 19. Mai startet in Südfrankreich der zweite Teil der Vorbereitung mit den Länderspielen gegen die Schweiz (26. Mai) und Israel (31. Mai).

Am 4. Juni fliegt die deutsche Mannschaft in ihr EM-Quartier nach Danzig.

Die EM beginnt für Deutschland am 9. Juni in Lwiw gegen Portugal. Weitere Gruppengegner sind die Niederlande (13.) und Dänemark (17.), jeweils in Charkow.

Das 27-köpfige vorläufige deutsche Aufgebot im Überblick:

Tor: Manuel Neuer (Bayern München), Marc-Andre ter Stegen (Borussia Mönchengladbach), Tim Wiese (Werder Bremen), Ron-Robert Zieler (Hannover 96)

Abwehr: Jerome Boateng, Holger Badstuber, Philipp Lahm (alle Bayern München), Per Mertesacker (FC Arsenal), Mats Hummels (Borussia Dortmund), Benedikt Höwedes (Schalke 04), Marcel Schmelzer (Borussia Dortmund)

Mittelfeld: Mesut Özil, Sami Khedira (beide Real Madrid), Toni Kroos, Thomas Müller, Bastian Schweinsteiger (alle Bayern München), Marco Reus (Borussia Mönchengladbach), Mario Götze, Ilkay Gündogan (beide Borussia Dortmund), Sven Bender (Borussia Dortmund), Lars Bender (Bayer Leverkusen), Andre Schürrle (Bayer Leverkusen), Julian Draxler (Schalke 04), Lukas Podolski (1. FC Köln)

Angriff: Cacau (VfB Stuttgart), Mario Gomez (Bayern München), Miroslav Klose (Lazio Rom)

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