Jogi Löw gab am 16. August 2006 (3:0 gegen Schweden) sein Debüt als Bundestrainer © getty

Bundestrainer Löw gibt am Montag den EM-Kader bekannt. SPORT1 beleuchtet die Mannschaftsteile mit offenen Positionen.

Von Mathias Frohnapfel

München - Ein kleiner Zusatz dürfte am Montagmittag besondere Bedeutung erlangen, wenn Joachim Löw seinen EM-Kader bekannt gibt.

Denn über dieser Truppe schwebt das Wörtchen: vorläufig.

Nach dem Einzug des FC Bayern ins Champions-League-Finale wird der Bundestrainer mehr als 23 Spieler nominieren, allein schon um auch ohne die acht Münchner Nationalspieler die Trainingsformen akzeptabel umsetzen zu können.

Zudem bangt Löw um die verletzten Stammspieler Miroslav Klose und Per Mertesacker.

Torjäger Klose laboriert noch an einem Muskelriss im Oberschenkel und auch für den Abwehrspezialist Mertesacker geht es darum, nach seiner Fuß-OP noch rechtzeitig fit zu werden.

Beim Lazio-Angreifer gibt es allerdings wieder Hoffnung.

Nach fünfwöchiger Pause meldete sich der 33-Jährige am Donnerstag zurück und absolvierte nachmittags eine einstündige Einheit.

In Rastatt wird Löw am Montag um 12.30 Uhr nun die Namen präsentieren, die am 11. Mai von Frankfurt nach Sardinien ins Regenerations-Trainingslager fliegen sollen.

Vorentscheidung beim EM-Workshop

Schon bei der EM 2008 und der WM 2010 siebte Löw in der Vorbereitung noch einmal aus.

Der 34. Bundesliga-Spieltag könnte jetzt den Kandidaten auf der Kippe wie Stuttgarts Cacau als allerletzte Casting-Chance dienen.

Allerdings zerbrechen sich Löw, Torwarttrainer Andi Köpke und Co-Trainer Hansi Flick bereits seit Donnerstag in einem Workshop den Kopf über die idealen Personalien.

"Wir werden jeden überprüfen und schauen, wo er steht", sagte Flick dem "kicker".

"Es wird Härtefälle geben, aber entscheidend ist für uns die Mannschaft."

SPORT1 beleuchtet die Mannschaftsteile, in denen über die Kaderplätze noch nicht definitiv entschieden ist.

Tor:

Zwei Plätze im Tor sind fix vergeben: Klare Nummer ist Bayerns Stammtorhüter Manuel Neuer, sein Vertreter Tim Wiese von Werder Bremen.

Als Favorit auf Platz drei gilt Ron-Robert Zieler von Hannover 96.

Bundestorwarttrainer Köpke hatte sich jedoch zuletzt auch immer wieder lobend über Gladbachs Marc-Andre ter Stegen und Leverkusens Bernd Leno geäußert.

Außenverteidiger:

Gesetzt für den EM-Sommer wie das Deutschland-Fläggchen an den Fan-Autos ist Kapitän Philipp Lahm.

Doch wer vertritt Lahm, falls der sich verletzt oder beispielsweise wegen einer Gelbsperre ausfallen sollte?

Beim 0:2 gegen Frankreich durfte sich in Lahms Abwesenheit Dennis Aogo versuchen. Er patzte aber vor beiden Gegentoren, vergab so eine große Chance.

Dortmunds Marcel Schmelzer erscheint da mit größeren Aussichten, zumal er mit dem BVB eine starke Meistersaison gespielt und auch international in der Champions League dazugelernt hat.

Als Außenseiter gilt Marcell Jansen. Beim HSV trug er zwar mit kämpferischem Einsatz zum Klassenerhalt bei, ist aber inzwischen auf die Position im Mittelfeld gepolt.

Defensives Mittelfeld:

Drei Namen glänzen als Varianten für die Absicherung im defensiven Mittelfeld: die Münchner Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos sowie Real Madrids Sami Khedira.

Löw sucht daher eine Vertretung, die Druck auf dieses Trio ausüben kann. Womöglich entscheidet er sich für ein kaum trennbares Duo: die Bender-Zwillinge.

Lars und Sven Bender haben in Leverkusen und Dortmund ansprechende Leistungen gezeigt, ein Konkurrent dagegen an Boden eingebüßt.

Leverkusens Simon Rolfes kam bei Bayer selten an seine stärkste Verfassung heran.

Gering dürften die Hoffnung von Wolfsburgs Christian Träsch sein, während Ilkay Gündogan quasi Last-Minute das EM-Ticket buchen könnte.

Der Dortmunder drehte zum Saisonendspurt groß auf.

Offensives Mittefeld

Toni Kroos ist auf Grund seiner defensiven und offensiven Qualitäten auch hier zu nennen, der Bayern-Stratege verkleinert so die Chancen für mögliche Ersatzkandidaten.

Gute Möglichkeiten dürfte - trotz einer mäßigen Saison - Andre Schürrle haben, zumal Löw sich überzeugt zeigte, er wisse, woran es bei Schürrle hake.

"Es braucht ein, zwei taktische Korrekturen, dann ist er wieder da", glaubt Löw.

Als Kämpfertyp könnte Dortmunds Kevin Großkreutz dem Team eine weitere Komponente geben.

Seine Nominierung steht aber genauso auf wackeligen Füßen wie die des Schalkers Lewis Holtby, dürfte aber weitaus besser sein als von Leverkusens Gonzalo Castro.

Sturm:

Tore sind im Angriff die erste Währung. Deshalb hofft auch Patrick Helmes zur EM-Vorbereitung statt in den Urlaub fahren zu dürfen.

In 15 Partien traf Helmes elfmal für Wolfsburg und das, nachdem er lange Zeit ausgebootet war.

Ähnlich verhält es sich bei Leverkusens Stefan Kießling. Zehn Tore in der Rückrunde sind ein starkes Zeugnis. Zudem spricht für den 28-Jährigen, dass er bereits Turniererfahrung aufweist. 2010 erreichte Kießling mit dem DFB-Kader den dritten WM-Platz in Südafrika.

Mit einer starken Saison hat auch Mike Hanke Spekulationen um seine Rückkehr in die Nationalelf geschürt. Der Gladbacher traf zwar in 31 Spielen nur achtmal und gab vier Torvorlagen, doch er arbeitet höchst mannschaftsdienlich und mit präzisem Auge für die Mitspieler.

Entscheidend wird aber letztlich sein, wie sich Löw bei Cacau entscheidet. Der Stuttgarter hat seinen Stammplatz im Klub verloren, traf zuletzt als Joker jedoch sowohl beim 4:1 gegen Werder als auch beim 1:1 gegen Köln.

"Man muss letztlich klären, ob es reicht für die EM", stellte Flick zu dieser kniffligen Personalie fest.

Sichere Fahrkarten für das Turnier in Polen und der Ukraine haben dagegen Bayern-Star Mario Gomez und Klose.

Weiterlesen