Mit Wolfgang Niersbach übernimmt ein ganz anderer Typ als Vorgänger Zwanziger die DFB-Spitze. Er ist vor allem Fußball-Fan.

Zum Abschluss seiner Bewerbungsrede für die Wahl zum neuen DFB-Präsidenten, die schon seit Monaten Formsache war, griff Wolfgang Niersbach in seine Sakkotasche.

Der 61-Jährige präsentierte den Delegierten des außerordentlichen Bundestags seine Eintrittskarte zum EM-Finale 1972 in Brüssel, in dem Deutschland zum ersten Mal Europameister wurde.

Es war ein passender Abschluss seines Grundsatzreferats. Ebenso wie sein erstes Statement nach der einstimmigen Wahl: "Das hätte ich nie für möglich gehalten." (Bericht: Führungswechsel beim DFB)

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Mit dem gebürtigen Düsseldorfer wird ein Fan zum elften Präsidenten des mit fast 6,8 Millionen Mitgliedern größten deutschen Sportverbandes (Bericht: Niersbach neuer DFB-Boss: "Bin kein Revoluzzer").

Einer, der auch als Sportjournalist und vor allem ab 1988 in verschiedenen Funktionen beim DFB immer mit Begeisterung seine Ämter ausübte, weil er selber kaum glauben konnte, dass er so eng an die wichtigsten Entscheidungsträger gerückt war.

Noch heute schwärmt der 61-Jährige von den als Pressechef hautnah miterlebten letzten großen Triumphen bei der WM 1990 und der EM 1996.

Mit seiner jovialen Art hat Niersbach in dieser Zeit enge Bande zu fast allen Nationalspielern geknüpft, und diese warfen sich dann bei der Frage der Nachfolge von Theo Zwanziger entscheidend für ihn in die Bresche.

Allen voran Franz Beckenbauer, mit dem er die Heim-WM 2006 organisierte und der schon jetzt Werbung für eine hauptamtliche Bezahlung des erstmals ins Ehrenamt rückenden Niersbach macht.

Doch auch die Amateurvertreter, die mit zwei Dritteln der Delegierten die Macht im DFB besitzen, haben nicht nur mangels Alternativen für den neuen Verbandsboss gestimmt.

Denn der Rheinländer ist seit Jahrzehnten ein geschickter Netzwerker und Kommunikator, der Menschen auf seine Seite ziehen kann.

Und er hat den Amateuren ein Angebot gemacht, dass sie nicht ausschlagen konnten: Niersbach will den DFB zum Dienstleister für alle Mitglieder machen.

Dafür ist der bisherige Generalsekretär vermutlich genau der richtige Mann, denn er kennt laut eigener Aussage "von der Telefonistin bis zur Kleiderkammer" alle Mitarbeiter der Verbandszentrale und weiß, wo die Hebel für eine Optimierung anzusetzen sind.

Schon in der Vergangenheit hat er sich in fast allen seinen Ämtern als effizienter Manager bewiesen. Die großen Reden überließ er allerdings bisher gerne Theo Zwanziger.

Mit Niersbach übernimmt ein ganz anderer Typ die DFB-Spitze. Bis zu seiner Wiederwahl im Oktober 2013 muss er nun beweisen, dass die großen Vorschusslorbeeren berechtigt sind. Als Fan und als Macher.

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