Wolfgang Niersbach (l.) arbeitet bereits seit 1987 beim DFB © getty

Der Generalsekretär wird Nachfolger von Theo Zwanziger. Er wolle den DFB nicht revolutionieren, erklärte Niersbach nach der Wahl.

Vom DFB-Bundestag berichtet Martin Volkmar

Frankfurt/Main - Wolfgang Niersbach soll den Deutschen Fußball-Bund in die Zukunft führen.

Der bisherige Generalsekretär wurde wie erwartet auf dem außerordentlichen DFB-Bundestag im Steigenberger Airport Hotel in Frankfurt einstimmig zum Nachfolger des zurückgetretenen Dr. Theo Zwanziger gekürt.

Der 61-jährige Düsseldorfer, der einziger Kandidat war, ist damit der elfte Präsident des mit rund 6,8 Millionen Mitgliedern größten deutschen Sportverbandes.

Zunächst bis Oktober 2013 gewählt

Niersbach, dessen Nachfolger als Generalsekretär der bisherige DFB-Direktor Helmut Sandrock wird, ist von den 257 Delegierten zunächst bis zum ordentlichen nächsten Bundestag im Oktober 2013 gewählt.

"Ich bin immer ein Mannschaftsspieler gewesen und werde meine Art nicht ändern", sagte der ehemalige Journalist, der seit 1988 beim DFB arbeitet, in seiner knapp 40-minütigen Bewerbungsrede.

"Ich bin kein Revoluzzer. Ich glaube aber auch, dass dieser Verband keine Revolution nötig hat, sondern Evolution, also Weiterentwicklung. Das Haus des DFB ist in Ordnung."

"Dem DFB mit Haut und Haaren verschrieben"

Er komme zwar nicht wie seine Vorgänger aus dem Ehrenamt, erklärte Niersbach. Er habe sich aber in seinen 24 Jahren "dem DFB mit Haut und Harren verschrieben".

Als wichtigsten Aspekt seiner künftigen Arbeit nannte der Rheinländer "an allererster Stelle die Einheit des Fußballs zwischen Profis und Amateuren".

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Daher wolle er die Basis stärken und noch mehr der 18 Millionen aktiven Fußballer an die Vereine binden.

Als weitere Schwerpunkte nannte Niersbach die Förderung der Nachwuchsarbeit und des Frauenfußballs, die Unterstützung der Nationalmannschaft und der Schiedsrichter sowie den Kampf gegen Doping und Manipulation.

Vehemente Verurteilung von Antisemitismus

Zudem verurteilte er wie zuvor schon Zwanziger vehement die antisemitischen Beschimpfungen von Lauterns israelischem Profi Itay Shechter am vergangenen Wochenende. "Hier kann die Rote Karte nicht schnell genug gezeigt werden", sagte Niersbach.

Davor und danach stand das Treffen der gesammelten deutschen Fußball-Prominenz im Zeichen des Abschieds des seit 2004 an der DFB-Spitze stehenden Zwanziger, der von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich mit dem großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde.

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Viel Lob für Zwanziger

DFL-Boss Reinhard Rauball, Schatzmeister Horst R. Schmidt, der für die Amateure zuständigen Vize-Präsidenten Hermann Korfmacher und DOSB-Präsident Dr. Thomas Bach lobten den 66-Jährigen in ihren Reden für sein sportliches und vor allem gesellschaftliches Engagement.

Und Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte in einer Video-Botschaft: "Sie waren und sind ein Gewinn für den DFB und den Fußball insgesamt."

Unterstützung durch geballte Fußball-Prominenz

Unter den Zuhörern befanden sich neben dem kompletten DFB-Präsidium mit Ehrenpräsident Gerhard Mayer-Vorfelder, Sportdirektor Matthias Sammer und Teammanager Oliver Bierhoff sowie Bundestrainer Joachim Löw zahlreiche Ex-Nationalspieler und nahezu alle führenden Funktionäre des Profi-Fußballs:

Franz Beckenbauer, Günter Netzer, Karlheinz Rummenigge, Wolfgang Overath, Uwe Seeler, Lothar Matthäus, Rudi Völler, Steffi Jones oder die beiden 1954er-Weltmeister Horst Eckel und Hans Schäfer wollten beim Amtswechsel an der DFB-Spitze nicht fehlen.

Zwanziger bleibt Vorsitzender der DFB-Kulturstiftung, die zu seinen Ehren ab sofort seinen Namen trägt. Das Amt des Ehrenpräsidenten hatte der Jurist aus Altendiez, der seit 1992 in der Verbandsführung aktiv war, abgelehnt.

Seine Funktion in der UEFA-Exekutive wird Zwanziger nächstes Jahr an Niersbach übergeben, sein Mandat in der FIFA-Exekutive will der Jurist aus Altendiez dagegen bis 2015 behalten.

"Standing Ovations" zum Abschied

In seiner rund 20-minütigen Abschiedsrede, für die er von den Anwesenden "standing Ovations" erhielt, hatte Zwanziger teilweise mit Tränen in den Augen seinen Abschied nach knapp acht Jahren als Präsident mit dem Wunsch nach mehr Zeit für die Familie erklärt.

"Fußball ist nicht alles. Alles hat seine Zeit. Meine Zeit in diesem subjektiv schönsten Amt in Deutschland ist vorbei", sagte er.

"Ich bin ein zufriedener und glücklicher Mensch und schaue zurück auf eine fantastische Zeit beim DFB. Es war eine spannende, emotionale, schöne und aufreibende Zeit. Aber man muss wissen, wann es Zeit ist zu gehen."

Abschließend wünschte Zwanziger seinem Nachfolger Niersbach "von ganzem Herzen alles, alles Gute bei dieser Aufgabe. Du wirst ein großartiger Präsident des DFB werden."

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