Am 8. September 2006 wurde Theo Zwanziger (v.) zum alleinigen DFB-Präsidenten gewählt © getty

DFB-Präsident Theo Zwanziger übergibt sein Amt an Wolfgang Niersbach. SPORT1 blickt zurück auf Höhen und Tiefen der Amtszeit.

Vom DFB-Bundestag berichtet Martin Volkmar

Frankfurt/Main - Am Anfang war er mehr oder weniger ein Nobody.

Kaum einer kannte Dr. Theo Zwanziger außer den Journalisten seiner Heimatzeitung, denen der damalige DFB-Schatzmeister im Juni 2004 im stickigen Pressezentrum von Almancil dann auch als Erstes die Meldung vom Rücktritt des Teamchefs Rudi Völler nach dem EM-Vorrundenaus bestätigte.

Wenige Wochen später war der Jurist aus Altendiez in der Nähe von Limburg der große Hoffnungsträger des zwei Jahre vor der Heim-WM danieder liegenden größten deutschen Sportverbandes.

Bis 2006 Doppelspitze mit "MV"

Mit übergroßer Mehrheit wurde Zwanziger zum DFB-Präsidenten gewählt, gemeinsam mit dem eigentlich schon entmachteten Gerhard Mayer-Vorfelder zunächst als Doppelspitze.

Doch es war schnell klar, wer das Sagen bei diesem ungleichen Duo hatte. Zumal Zwanziger auch als Vize-Präsident des Organisationskomitees aktiv an der Umsetzung des Sommermärchens 2006 mitwirkte.

Der joviale Rheinländer trat als großer Kommunikator auf, verstand sich ebenso glänzend mit Bundeskanzlerin Angela Merkel wie mit Grünen-Chefin Claudia Roth. Kämpfte gegen Homophobie, Gewalt und Rassismus im Fußball und für die Frauen-WM 2011.

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Sternstunde bei Enke-Trauerfeier

Seine große Sternstunde erlebte Zwanziger, der die 6,7 Millionen DFB-Mitglieder ab 2006 als unumstrittener Alleinherrscher anführte, in einem der dunkelsten Momente:

Bei der Trauerfeier nach dem Selbstmord von Robert Enke im November 2009 hielt er eine herausragende, ergreifende Rede, die in dem Kernsatz mündete: "Fußball ist nicht alles."

Doch in der Folgezeit konnte man erste Zweifel bekommen, ob Zwanziger die Lobeshymnen und zunehmenden Schulterklopfer gut getan hatten.

Patzer, Pannen und Peinlichkeiten

Jedenfalls nahmen Patzer, Pannen und Peinlichkeiten zu. Bei der geplatzten Vertragsverlängerung mit Joachim Löw vor der WM 2010 agierte Zwanziger ebenso unglücklich wie beim Schiedsrichter-Skandal um Manfred Amerell und Michael Kempter.

Schon vor eineinhalb Jahren sprach der 66-Jährige von Amtsmüdigkeit, lies sich dann aber doch nochmal das Mandat als DFB-Präsident bis 2013 verlängern.

Umso überraschender selbst für zahlreiche Weggefährten kam dann ein knappes Jahr später Anfang Dezember auf der DFB-Weihnachtsfeier seine Rücktrittsankündigung während der zeitgleichen EM-Auslosung in Kiew. Dieses Timing sorgte bei zahlreichen Verbandsoberen für Verärgerung.

"Das Negative liegt in seinem Abschied"

"Das Negative liegt in seinem Abschied. Ich hätte mir gewünscht, dass er sein Amt bis zum Ende der Amtszeit ausfüllt. Es gab keinen Grund für diesen vorgezogenen Abschied", sagte DFB-Vizepräsident Hans-Dieter Drewitz.

Ein paar Tage ging es danach turbulent zu, ehe auch Zwanziger Generalsekretär Wolfgang Niersbach zu seinem Wunsch-Nachfolger erklärte.

Breite Unterstützung für Niersbach

Der 61-Jährige hat trotz anfänglicher Bedenken beim um sieben Monate vorgezogenen Außerordentlichen Bundestag im Frankfurter Steigenberger Airport-Hotel die einmütige Unterstützung der Amateurvertreter, die die klare Mehrheit der 260 Delegierten stellen.

Bei den Vertretern des Profi-Fußballs war der frühere DFB-Mediendirektor und Vize-Präsident des WM-OK 2006 ohnehin der klare Favorit.

Zwanziger dagegen will sich nach einer letzten emotionalen Rede auf dem Bundestag und der Auszeichnung durch Bundesinnenminister Friedrich mit dem großen Bundesverdienstkreuz nach mehr als 20 Jahren komplett aus der DFB-Spitze zurückziehen.

Verzicht auf Ernennung zum Ehrenpräsidenten

Er verzichtet auch auf die Ernennung zum DFB-Ehrenpräsidenten. Und sein Amt in der UEFA-Exekutive wird er im nächsten Jahr ebenfalls an Niersbach abgeben.

Nur in der FIFA-Exekutive will er sein Mandat bis 2015 erfüllen und sich für eine Altersbeschränkung für Funktionäre einsetzen sowie dafür, dass die umstrittene WM 2022 doch nicht in der Wüste von Katar ausgetragen wird.

Man wird also auch in Zukunft noch von Theo Zwanziger hören.

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