Der Rassismus-Skandal am Rande des Zweitligaspiels zwischen 1860 München und dem FC Ingolstadt (1:0) um den dunkelhäutigen FCI-Verteidiger Danny da Costa schlägt weiter hohe Wellen.

Laut dem Sportsoziologen Professor Gunter Pilz ist Rassismus bei 1860 München dabei schon seit längerem ein Problem. Seine Bekämpfung habe aber rechtliche Grenzen, die dem Verein teilweise die Hände binden.

"Der Klub hat bereits versucht, diese rechtsradikale Gruppierung mit Stadionverboten zu belegen", erklärte Pilz im Exklusiv-Interview mit SPORT1.fm.

Und ergänzte: "Doch das ist gescheitert, weil die rechtsradikale Gesinnung alleine noch keine rechtliche Grundlage für Stadionverbote ist."

Durch die Vorkommnisse vom Sonntag habe sich das jedoch grundlegend geändert.

"Wenn jetzt diejenigen Personen, die da Costa beleidigt haben, evaluiert werden können, sind diese Personen mit Stadionverbote belegbar", so der Sportsoziologe.

Schiedsrichter Florian Meyer machte Pilz ein Kompliment für dessen couragiertes Verhalten: "Er hat richtig gehandelt. In so einem Fall muss er das Spiel unterbrechen und eine Stadion-Durchsage anordnen."

Trotz des jüngsten Skandals zieht Pilz eine erfreuliche Bilanz über die Entwicklung in Deutschlands Fußballstadien: "In den 80er- und 90er-Jahren hatten wir in Deutschland erheblich mehr Probleme mit Rassismus und Gewalt."

Pilz schränkt jedoch ein: "Die Qualität der Gewalt hat zugenommen. Es ist hemmungsloser und geht gegen Fans und auch Ordnungskräfte und Polizei."

Für Pilz ist das Rassismus-Problem jedoch kein Exklusiv-Problem des Sports oder Fußball, "sondern ein gesellschaftliches Problem".

Dass der Fußball und seine Akteure zu Rassismus-Opfern werden, sei kein Zufall: "Rechtsradikale Gruppierungen nutzen die Fußballstadien gezielt um ihre Ideen und Ideologien zu verbreiten."

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