Im Duell zwischen Darmstadt und Bielefeld lagen Freud und Leid dicht beieinander © getty

In der Zweitliga-Relegation liegen Freud und Leid dicht beieinander. In Darmstadt herrscht Euphorie, in Bielefeld Entsetzen.

Von Jonas Nohe und Christian Geisler

München/Bielefeld - Sieg und Niederlage liegen oft dicht beieinander. Mal trennen sie Sekunden, mal einige Zentimeter, mal wenige Meter auf dem Rasen oder der Tribüne.

Am Montagabend auf der Bielefelder Alm traf das alles zu.

In einem an Dramatik kaum zu überbietenden Relegations-Rückspiel sicherte sich der SV Darmstadt 98 mit einem 4:2 n.V. bei Arminia Bielefeld den Aufstieg in die Zweite Liga (BERICHT: Darmstadt macht das Wunder wahr).

Da Costa schockt Bielefeld

Bis in die Nachspielzeit der Verlängerung sah es nach dem glücklicheren Ende für die Gastgeber aus, ehe Darmstadts Elton da Costa mit einem abgefälschten Schuss ins Bielefelder Tor traf (DATENCENTER: Die Relegation).

Nach dem Anstoß startete die Arminia noch einmal einen letzten verzweifelten Angriff - und scheiterte am Pfosten.

"Wellenbad der Gefühle"

Es war der passende Schlusspunkt eines Spiels, das Darmstadts Trainer Dirk Schuster anschließend bei SPORT1 als "Wellenbad der Gefühle" bezeichnete.

Und während sich im Gästeblock die Aufstiegseuphorie ihren Bann brach, herrschte in weiten Teilen der SchücoArena Totenstille.

So klang die dramatische Schlussphase bei SPORT1.fm:

[soundcloud url="https://w.soundcloud.com/player/?url=https%3A//api.soundcloud.com/tracks/150380937=false=false=true"]

Auf dem Spielfeld ließen sich die geschlagenen Bielefelder enttäuscht auf den Rasen fallen, während sich wenige Meter weiter die Darmstädter Spieler in den Armen lagen.

"Wir haben deutlich mehr in diese Partie investiert. Wir haben von Anfang an gezeigt, dass wir das Spiel noch drehen wollen", sagte "Lilien"-Coach Schuster mit Blick auf die 1:3-Hypothek aus dem Hinspiel.

Schuster beweist Größe

Nach dem packenden Finish hätte der ehemalige Nationalspieler allen Grund gehabt, direkt die großen Aufstiegsfeierlichkeiten auszurufen - und bewies genau in diesem Moment wahre Größe.

"Es verbietet sich, hier zu feiern", sagte Schuster zu SPORT1, "Arminia Bielefeld ist heute abgestiegen. Aus Respekt vor dem Gegner gehört es sich nicht, tanzend durch das Stadion zu laufen."

Man werde "wegfahren und unterwegs feiern." Mehr als die ersten Gefühlsausbrüche auf dem Rasen und eine kleine Aufstiegsfeier in der Kabine gestand der Trainer seiner Mannschaft nicht zu.

[fbpost url="https://www.facebook.com/SVDarmstadt1898eV/photos/a.332428496814958.78207.102951283096015/712405085483962/?type=1"]

Arminia verspielt große Chance

Ob die Bielefelder von den Darmstädter Jubelarien überhaupt etwas mitbekommen hätten, darf allerdings getrost bezweifelt werden.

Zu groß war die Enttäuschung über die verpasste Chance auf den Klassenerhalt.

Erst am letzten Zweitliga-Spieltag hatten sich die Arminen im direkten Duell mit Dynamo Dresden noch auf den Relegationsplatz gerettet, nach dem deutlichen Hinspiel-Sieg in Darmstadt war das Happy End einer verkorksten Saison schon zum Greifen nahe (BERICHT: Arminia nimmt Kurs auf Klassenerhalt).

"So grausam kann Fußball sein"

"Wir hatten eine gute Ausgangsposition", betonte auch der verletzte Arminia-Kapitän Manuel Hornig bei SPORT1 und musste eingestehen: "Aber dafür haben wir uns nicht gut genug angestellt. Dieser unbedingte Wille war nicht da, das Spiel zu gewinnen."

Dass es bis zum K.o. in der Schlussminute dennoch nach dem ersehnten Klassenerhalt aussah, machte den Gang in Liga drei nur noch brutaler.

"So grausam kann Fußball sein. Es ist der Wahnsinn, dass in der 120. Minute noch das Tor fällt", sagte Hornig, der sich als einziger Bielefelder stellte, während nicht nur seine Mannschaftskollegen in der Kabine bittere Tränen vergossen.

[fbpost url="https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10154142463130554=a.179540980553.254028.81945185553=1"]

Neuanfang in der dritten Liga

Nach dem überraschenden Aufstieg im vergangenen Jahr steht die Arminia jetzt erneut vor einem Neuanfang in der Dritten Liga.

Die Lizenz wurde zunächst nur unter Auflagen erteilt, die Zukunft von Trainer Norbert Meier ist unsicherer denn je. Dass den Verein Schulden in Höhe von etwa 25 Millionen Euro drücken, macht die Aufgabe nicht leichter.

Euphoriewelle in Darmstadt

Die Darmstädter werden nach dem zwischenzeitlichen Absturz in die Oberliga dagegen von einer riesigen Euphoriewelle in die erste Zweitliga-Saison seit 1993 getragen.

Bereits am Dienstagmorgen um 5.30 Uhr empfingen einige unverwüstliche Anhänger den Mannschaftsbus bei seiner Ankunft am Böllenfalltor mit ausgiebigen Fangesängen und reichlich Feuerwerk.

Zur offiziellen Aufstiegsfeier am Dienstagnachmittag erschienen dann tausende Fans auf dem Darmstädter Karolinenplatz.

Weiterlesen