Andre Breitenreiter ist seit Sommer 2013 Trainer in Paderborn. ZUM DURCHKLICKEN: DAS IST DER SC PADERBORN © imago

Andre Breitenreiter schaffte mit Paderborn ein kleines Wunder. Bei SPORT1 spricht er über die Sensation und seine Zukunft.

Von Reinhard Franke

München/Paderborn - Pep Guardiola holte in seinem ersten Jahr als Trainer des FC Bayern gleich das Double.

Peter Stöger gelang auf Anhieb der Bundesliga-Aufstieg mit dem 1. FC Köln.

Andre Breitenreiter aber schaffte ein kleines Wunder. In seiner ersten Saison als Trainer im Profibereich führte der 40-Jährige den SC Paderborn sensationell in die Bundesliga ( 887589 DIASHOW: Das ist der SC Paderborn ).

Im SPORT1-Interview spricht Breitenreiter über den Erfolg mit den Ostwestfalen, seine Visionen und die (teilweise getrennte) Abschlussfahrt nach Mallorca. Und er verrät, wie seine Zukunft aussieht.

SPORT1: Herr Breitenreiter, haben Sie sich schon erholt von den Feierlichkeiten? (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Andre Breitenreiter: So langsam. (lacht) Paderborn glich einem Ausnahmezustand, einer einzigen Partymeile. Das konnten wir schon die Wochen zuvor spüren, denn die Euphorie in der Stadt war riesengroß. Das wurde mit dem erfolgreichen Endspiel gegen Aalen und dem Aufstieg nochmal getoppt. Es kamen 30.000 Menschen auf den Rathausplatz, es war ein besonderes Erlebnis, sehr emotional. Das haben sich die Jungs mehr als verdient.

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SPORT1: Hätten Sie das für möglich gehalten? Der Paderborner an sich gilt ja eher als nüchtern.

Breitenreiter: Der Paderborner gilt vor allem als ein bisschen stur und zurückhaltend. Aber durch den Aufstieg haben alle Fans und die Menschen in Paderborn richtig Gas gegeben. Es hat einfach nur Spaß gemacht. Solche Augenblicke erlebt man nicht oft im Leben, und die muss man dann auch in vollen Zügen genießen.

SPORT1: Sie sind erst seit drei Jahren Trainer. Ist der Aufstieg Ihr schönster Moment in Ihrem bisherigen Fußballerleben?

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Breitenreiter: Also, ich trenne das schon ein wenig. Als Spieler ist das etwas anderes als als Trainer. Als Spieler habe ich in meinem ersten Profijahr mit Hannover 96 den DFB-Pokal gewonnen, was auch ein überragendes Erlebnis war (Copyright: Imago - Breitenreiter rechts im Bild). Als Trainer ist die Priorität doch eine andere, weil man verantwortlich ist für eine Mannschaft. Mit meinem letzten Klub Havelse sind wir Landespokalsieger geworden und wären fast in die Dritte Liga aufgestiegen. Das waren auch tolle Momente. Jetzt in meinem ersten Jahr als Profijahr als Trainer gleich in die Bundesliga aufzusteigen, ist außergewöhnlich und schon irgendwie einmalig. Ich muss mich manchmal noch selber zwicken.

SPORT1: Warum hat das so hervorragend geklappt mit Ihnen und Paderborn?

Breitenreiter: Ich lege großen Wert auf ein funktionierendes Trainerteam. Die Mannschaft hat sich einfach super entwickelt und hat einen klasse Prozess hinter sich, was das Miteinander angeht, aber auch sportlich war das sehr stark. Mit 39 Punkten ab Winter waren wir mit Abstand die beste Mannschaft der Rückrunde. Deshalb ist der Aufstieg auch kein Zufall. Nichtsdestotrotz sind wir nur der SC Paderborn mit der geringsten Wirtschaftskraft und leider auch keinen zweitligatauglichen Trainingsbedingungen.

SPORT1: Umso sensationeller ist dieser Aufstieg...

Breitenreiter: Das stimmt. Mit den Erfolgserlebnissen hat die Truppe immer mehr an sich geglaubt und sich toll entwickelt. Ich habe zu den Jungs in der Wintervorbereitung gesagt, dass wir eine große Chance haben unter die ersten Drei zu kommen, wenn wir im Kopf klar bleiben und hart arbeiten. Mit jedem Sieg stieg der Glaube, und die Jungs haben dem Trainerteam alles abgenommen und die Vorgaben perfekt umgesetzt. Wenn das nicht passiert, kann ich als Trainer sagen, was ich will. Deswegen haben wir diese Erfolgsgeschichte geschrieben.

SPORT1: Jetzt gab es eine dreitägige Abschlussfahrt nach Mallorca. Wie war's?

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Breitenreiter: Feucht-fröhlich (lacht). Wir vom Trainerteam waren aber nicht mit der Mannschaft zusammen in einem Hotel, weil das nicht geht, auch wenn ich noch jung bin und einen super Draht zu meinen Spielern habe. Die Jungs sollten in den drei Tagen mal alleine sein, abschalten und genießen. Natürlich sind wir uns über den Weg gelaufen und haben auch das eine oder andere Bier zusammen getrunken, aber die Jungs haben dort ihr Ding gemacht, relaxt und Vollgas gegeben. Ich habe den Druck auch von mir ablassen können, bin aber kein Partytrainer, der drei Tage lang mit den Jungs feiert. Wir haben im Trainerteam die Zeit auch genutzt, um die Saison nochmal Revue passieren zu lassen, eine Ausrichtung für die neue Saison zu haben und zu überlegen, wie es weitergeht.

SPORT1: Und wie geht es mit Ihnen weiter? Sie stehen in Paderborn noch bis 2016 unter Vertrag, haben aber noch nicht gesagt, ob Sie bleiben. Eintracht Frankfurt soll Interesse haben.

Breitenreiter: Wir führen noch Gespräche, was die Ausrichtung des Klubs angeht. Eine Entscheidung wird Anfang nächster Woche fallen. Es sieht gut aus, dass ich bleibe. Ich möchte aber sehen, dass die Perspektiven auch nach meinen Vorstellungen geschaffen werden. Ich habe einen Vertrag bis 2016, mag meine Jungs, und wenn wir alles vernünftig hinkriegen, sollte dem nichts im Wege stehen, dass ich meine Arbeit fortsetze. Es geht nicht darum, verrückte Sachen zu machen, das wird es in Paderborn nicht geben. Bei uns wird es keine Spieler geben, die mehr auf das Gehalt schauen als auf ihre Weiterentwicklung.

SPORT1: Was müssen jetzt die nächsten wichtigen Schritte für die Weiterentwicklung des Klubs sein?

Breitenreiter: Für uns ist es jetzt ganz wichtig, eine Perspektive zu schaffen, damit wir eine realistische Chance haben, um in der Bundesliga zu bestehen. Wir müssen den Kader gemäß unserer Philosophie so verstärken, dass es sinnvoll ist. Und wir müssen auch die nächsten Schritte gehen, was die Infrastruktur und das Scouting angeht. Da müssen wir uns deutlich verbessern, weil wir in diesen Bereichen nicht zweitligatauglich sind. Deshalb will ich auch sehen, dass wir schnellstmöglich mit dem Bau eines Trainingszentrums beginnen, damit wir konkurrenzfähig sind.

SPORT1: Was ist Ihr Traum mit Paderborn?

Breitenreiter: Es ist doch klar, dass wir in der Bundesliga der Verein sein werden, der den mit Abstand geringsten Etat haben wird. Wir werden als Abstiegskandidat Nummer eins gehandelt, da gilt es unser Bestes zu geben, um es allen zu zeigen, dass wir doch drin bleiben können. Der Verein soll das Jahr genießen. Es wäre ein Traum, wenn man am Ende wirklich den Klassenerhalt schaffen würde.

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