Ralf Rangnick ist seit Juni 2012 Sportdirektor bei RB Leipzig © imago

Das Red-Bull-Projekt bekommt die Lizenz ohne schmerzhafte Kompromisse eingehen zu müssen. Das Modell dürfte Nachahmer finden.

Von Ullrich Kroemer

Leipzig/München - Die Nachricht, die am späten Donnerstagnachmittag gegen 17 Uhr rot unterlegt über die Nachrichtenagenturen lief, verbreitete sich wie ein Lauffeuer.

Nach monatelangem Tauziehen hat die Deutsche Fußball-Liga (DFL) RB Leipzig die Lizenz für die Zweite Liga erteilt. Die "Leipziger Volkszeitung" druckte das Bundesliga-Logo mit dem Slogan "Jetzt kommt Leipzig" auf ihrer Titelseite.

Der "Rotebrauseblogger", umtriebigster Begleiter der "Roten Bullen" im Netz, titelte: "Wir sind Lizenz."

Kollektives Aufatmen

Fans und Verantwortliche von Rasenballsport atmeten ebenso erleichtert auf wie das dreiköpfige Lizenz-Kommando - bestehend aus dem neuen RB-Vorstandsboss Oliver Mintzlaff, RB-Geschäftsführer Ulrich Wolter und Staranwalt Christoph Schickhardt.

Das Trio war bei der Versammlung des DFL-Lizenzierungsausschusses in Frankfurt dabei und vermeldete die frohe Nachricht am Nachmittag nach Sachsen, wo eilig Pressemitteilungen mit der DFL abgestimmt wurden.

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Red Bull gewinnt

Mit den "Roten Bullen" stürmt nun erstmals ein zu Werbezwecken gegründeter Verein in die Bundesliga - ein Unterschied zu früheren Werksteams wie Leverkusen, Wolfsburg oder Carl-Zeiss Jena.

Falls die DFL nichts an der Lizenzierungsordnung ändert, dürften sich finanzkräftige Nachahmer finden, die die Red-Bull-Schablone kopieren.

Zwar versuchten Harald Strutz, Präsident von Mainz 05 und Vorsitzender des Lizenzierungsausschusses, sowie DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig die Beilegung der Fehde zwischen Klub und Verband als gelungenen Kompromiss zu verkaufen. Doch letztlich geht Red Bull als der große Gewinner aus dem Lizenzzoff hervor.

Auflage: "Mehrheitlich unabhängig"

Als Zugeständnisse an die DFL erfüllten die RB-Verhandlungsführer die Bedingung, ihr Logo zu ändern und künftig Vorstand und Ehrenrat mit "mehrheitlich unabhängigen Persönlichkeiten" zu besetzen, wie es in der DFL-Mitteilung heißt.

Bislang sind neun Red-Bull-Angestellte die alleinigen stimmberechtigten Mitglieder des Vereins.

Von der Auflage, künftig mehr Mitglieder aufzunehmen und die Eintrittsbarrieren in den geschlossenen Zirkel zu erleichtern (Mitgliedsbeitrag 800 Euro), verabschiedete sich der Ligaverband.

Mateschitz-Drohung wirksam

So kann sich Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz seine Mitglieder weiterhin handverlesen auswählen und die Entwicklung allein beeinflussen.

Seine unprofessionellen und entlarvenden Äußerungen in der vergangenen Woche, als der Multimilliardär damit drohte, das Projekt in Leipzig im Falle eines Lizenzstreits sofort zu beenden, führten zum gewünschten Ergebnis.

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DFL meidet Rechtsstreit

Zur etwas überraschenden Einigung vor dem Stichtag 28. Mai kam es nun wohl, weil sich bis dahin keine neue Aktenlage ergeben hätte.

Hätte die Kommission die Lizenz am gestrigen Donnerstag verweigert, hätte sie dem Leipziger Brauseklub konsequenterweise auch Ende Mai die Eintrittskarte für die Bundesliga verwehren müssen.

Den dann drohenden Rechtsstreit, bei dem die DFL juristisch die schlechteren Karten gehabt hätte, wollte man in Frankfurt unbedingt verhindern.

Neues Logo präsentiert

Zudem hatte die Delegation in Frankfurt bereits das neue Logo im Gepäck. Das neue Vereinswappen ist noch nicht öffentlich und sieht dem, was Red Bull Salzburg auf UEFA-Druck in Europa League und Champions League verwenden muss, zum Verwechseln ähnlich.

Statt an einer Sonne stoßen sich die Bullen an einem Fußball die Hörner ab. Die Tatsache, dass RB mit der Logoveränderung bereits eine Bedingung erfüllt hatte, dürfte in Frankfurt für gut Wetter gesorgt haben.

Wann jedoch der Vorstand neu aufgestellt wird, ließ sich RB nicht vorschreiben; dafür wurde wohl kein zeitlicher Rahmen vereinbart.

Doch die Zahnräder im Red-Bull-System rattern: Die RB-Verantwortlichen saßen noch bis spät in der Nacht mit Anwalt Schickhardt zusammen, um die Sitzung nachzubereiten.

Kaderplanung läuft

Sportdirektor Rangnick und Trainer Alexander Zorniger können nun endlich konkret in die Planungen für den Zweitligakader einsteigen.

Spieler wie ManCity-Talent Marcos Lopes oder der heiß umworbene polnische Nachwuchsstürmer Dawid Kowniacki können nun konkret angesprochen werden.

Rangnick hatte immer wieder betont, dass er keinen Spieler verpflichtet, dem er nicht mindestens einmal "tief in die Augen geschaut" habe.

Durchmarsch im Auge

Zwar soll das Gros der jungen Aufstiegsmannschaft um die Leistungsträger Dominik Kaiser und Daniel Frahn zusammen bleiben.

Doch um möglichst schnell im Oberhaus anzukommen, braucht es Verstärkungen, die perspektivisch in der Bundesliga mithalten können.

Rangnick hatte nach dem Aufstiegsspiel gegen Saarbrücken betont, dass Geduld nicht zu den hervorstechendsten seiner Eigenschaften gehöre. Man darf also getrost davon ausgehen, dass Rangnick und Zorniger den direkten Durchmarsch anpeilen.

Red Bull plant langfristig

Falls doch mehr Geduld nötig sein sollte, bis der Schritt in die Bundesliga gelingt, bringt Red Bull aber auch die mit. Laut Vorstandsboss Mintzlaff ist das Engagement des Energy-Drink-Riesen langfristig angelegt.

Zwei oder notfalls drei Jahre in der Zweiten Liga seien kein Problem.

Nur in der Dritten Liga - das hatte Big-Boss Mateschitz unmissverständlich klar gemacht - hätte es Rasenballsport Leipzig kein weiteres Jahr gegeben.

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