Trainer Olaf Janßen (r.) kam am 4. September 2013 zu Dynamo Dresden © getty

Nach dem Abstieg steht Dynamo Dresden vor schweren Zeiten. Nun muss ein kompletter Neuaufbau her - mit ungewissem Ausgang.

Dresden - Der Abstieg in die Drittklassigkeit erschüttert Dynamo Dresden bis ins Mark.

Dem achtmaligen DDR-Meister drohen massive finanzielle Einbußen, personell steht ein umfassender Neuaufbau bevor: Die Hoffnungen auf eine schnelle Rückkehr in die 2. Liga sind nur gering.

Und zu allem Überfluss beschädigten Teile der Dynamo-Anhänger mit ihrem Verhalten wieder einmal das Image des Traditionsvereins.

"Ich habe immer wieder gesagt, dass wir auf verschiedene Szenarien vorbereitet sind. Wir fangen nicht bei null an, aber das wird ein Kraftakt", sagte ein völlig konsterniert wirkender Sportdirektor Ralf Minge nach dem entscheidenden 2:3 gegen Arminia Bielefeld (Bericht).

Vor allem vom langjährigen Dynamo-Spieler wird es abhängen, in der kommenden Saison eine konkurrenzfähige Mannschaft auf die Beine zu stellen.

Herkulesaufgabe wartet

Angesichts der stark limitierten finanziellen Mitteln eine Herkulesaufgabe. Der Etat für die Profimannschaft verringert sich von 6,2 auf 2,8 Millionen Euro.

Zum Vergleich: Mitabsteiger Energie Cottbus (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle) plant in der 3. Liga mit vier Millionen Euro. Zudem müssen die Dresdner nach Informationen des Fachmagazins "kicker" noch Bürgschaften über 600.000 Euro vorweisen, um die Lizenz für die kommende Spielzeit zu erhalten.

Runderneuerter Kader

Ohnehin haben nur neun Spieler einen Vertrag für die kommende Saison, ein fast runderneuerter Kader muss die kommende Spielzeit in Angriff nehmen.

Mit welchem Trainer? Auch das ist noch unklar. Viel spricht allerdings dafür, dass es nicht Olaf Janßen sein wird. Sein Vertrag gilt ebenfalls nur für die 2. Liga.

"Es würde eine sehr außergewöhnliche Situation sein, wenn Dynamo Dresden auf mich zukommen und sagen würde, 'Olaf, willst du auch im nächsten Jahr Trainer sein'", sagte der 47-Jährige. (SHOP: Jetzt Fußball-Fanartikel kaufen)

Und auch ihm war die persönliche Betroffenheit deutlich anzumerken. Er sprach von der größten sportlichen Niederlage seiner Karriere und übernahm die Verantwortung für den Abstieg.

Vereinsführung macht keine gute Figur

Die trägt Janßen aber sicher nicht alleine. Neben den Spielern, die nur selten ihr Potenzial abriefen, machte auch die Vereinsführung keine gute Figur.

In der abgelaufenen Spielzeit wurde die sportliche Leitung mit Sportdirektor, kaufmännischem Geschäftsführer und Trainer komplett ausgewechselt. Kontinuierliches Arbeiten sieht anders aus. Zumal mit großer Wahrscheinlichkeit bald wieder ein neuer Trainer in der sächsischen Landeshauptstadt antreten wird.

Nicht los wird der Verein aber Teile seiner Anhänger, die auch am Sonntag wieder Negativschlagzeilen schrieben. Zunächst mit dem Abbrennen von Feuerwerkskörper, die nur unweit der Spieler auf dem Rasen landeten.

Und nach dem Schlusspfiff mit einem geschmacklosen Plakat, mit dem sie die Absteiger aus "ihrer" Stadt schmeißen wollten.

So klang das entscheidende Tor bei SPORT1.fm:

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"Größere emotionale Ausschläge"

"Dynamo Dresden steht für größere emotionale Ausschläge als bei anderen Vereinen, aber irgendwann ist mal die Grenze erreicht", sagte Minge.

Und Klub-Idol und Aufsichtsratsmitglied Hans-Jürgen "Dixie" Dörner ergänzte: "Das kommt wieder auf dem Verein zurück, wir werden wieder mit Sanktionen belegt werden. Man muss sich vielleicht auch mal damit abfinden, dass die Mannschaft nicht stark genug für 2. Liga ist."

Doch auch für den gesamten Fußball-Osten war die abgelaufene Saison eine Katastrophe. Mit Energie Cottbus und Dynamo stiegen gleich zwei ehemalige "Leuchttürme" der Region ab.

Wann und ob sie zurückkommen werden, ist mehr als ungewiss.

Nur noch zwei Vereine

Damit spielen in der kommenden Saison in Union Berlin und Erzgebirge Aue nur noch zwei Vereine aus der ehemaligen DDR in der 2. Liga.

Der 2009 neugegründete Emporkömmling RB Leipzig ist zwar sportlich aufgestiegen, streitet sich mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) aber noch um die Lizenz.

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