Dynamo Dresden muss den bitteren Gang in die Dritte Liga antreten © getty

Bei Dynamos Endspiel enttäuschen Spieler und Fans. Janßen übernimmt die Verantwortung. Bielefeld freut sich auf die Relegation.

Von Jonas Nohe

Dresden - Es war ein trauriges Ende einer enttäuschenden Saison - sowohl auf, als auch neben dem Platz.

Dynamo Dresden erlebte beim 2:3 (0:1) im "Abstiegs-Endspiel" gegen Arminia Bielefeld einen rabenschwarzen Sonntagnachmittag. Man ist versucht zu sagen: einen weiteren.

Einen einzigen Sieg konnten die Sachsen in der Rückrunde verbuchen - und doch hatte die Ausgangssituation eigentlich für die Dresdner gesprochen, die schon mit einem Remis im direkten Duell um Relegationsplatz 16 vorerst gerettet gewesen wären (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Dynamo-Fans sorgen für Unterbrechung

Als dann auch noch Bielefelds Thomas Hübener nach nur 36 Minuten beim Stand von 0:0 mit Gelb-Rot vom Platz musste, hatten die Dynamo-Fans das Happy End schon vor Augen. Eine Dreiviertelstunde später hatte sich die Stimmung komplett gedreht.

Nachdem Fabian Klos mit seinem zweiten Tor zum zwischenzeitlichen 2:0 für Bielefeld traf, brannten einigen Anhängern in Schwarz und Gelb zum wiederholten Mal die Sicherungen durch.

Böller und Pyrotechnik regneten von den Zuschauerrängen aufs Spielfeld hinab und verfehlten teilweise die eigenen Spieler nur um Haaresbreite. Schiedsrichter Manuel Gräfe reagierte und schickte die Mannschaften für mehr als zehn Minuten in die Kabinen.

Dresden kommt zurück

Kurioserweise schien diese Unterbrechung genau das zu sein, was die Dynamo-Profis zu diesem Zeitpunkt brauchten.

Obwohl nach der Gelb-Roten Karte gegen Cheikh Gueye inzwischen Zehn gegen Zehn gespielt wurde, stand Dresden zehn Minuten nach Wiederbeginn dank der Treffer von Mickael Pote und Robert Koch wieder auf dem Relegationsplatz.

Aber Dynamo wäre in dieser Saison nicht Dynamo, wenn es dabei geblieben wäre: 78 Sekunden nach dem Ausgleichstreffer war Arminia dank Kacper Przybylko wieder vorn - und Dresdens Abstieg besiegelt.

So klang das entscheidende Tor bei SPORT1.fm:

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"Der Abstieg ist enttäuschend"

"Der Abstieg ist enttäuschend, damit habe ich nicht gerechnet. Ich habe geglaubt, dass wir das Spiel gewinnen würden", sagte Dynamo-Ikone Hans-Jürgen "Dixie" Dörner.

Trainer Olaf Janßen übernahm nach dem Abstieg die Verantwortung für den Abstieg. Zu seiner eigenen Zukunft wollte er sich bei SPORT1 aber nicht äußern: "Was meine Person betrifft spielt in dieser Geschichte keine Rolle. Es zählt nur der Verein, das ist das Wichtigste, und nicht, ob Olaf Janßen nächste Saison hier noch Trainer ist oder nicht."

Dörner fällte im Rückblick auf die gesamte Saison ein vernichtendes Urteil: "Fußballerisch war das einfach zu wenig. Nur fünf Siege reichen halt nicht."

Feuerwehrmann Meier

In der Tat konnte der direkte Konkurrent aus Bielefeld ganze vier Siege mehr einfahren und erkämpfte sich letztlich nicht unverdient die Chance, in den Relegationsspielen gegen Darmstadt 98 am 16. und 19. Mai doch noch den Klassenerhalt zu schaffen.

"Der Glaube war immer zu 100 Prozent da", sagte Arminia-Kapitän und Torjäger Klos nach einer Saison mit zahlreichen Höhen und Tiefen.

Ende Februar, nach einer 0:2-Heimpleite gegen den FC Ingolstadt, hatte Bielefeld Aufstiegstrainer Stefan Krämer entlassen. Norbert Meier übernahm und holte drei Siege und fünf Unentschieden aus zwölf Spielen.

Klos: "Noch nix gewonnen"

Im Endspurt gewann die Elf des früheren Düsseldorfer Bundesliga-Trainers an Fahrt und erkämpfte sich mit einem Sieg in Bochum und einem torlosen Unentschieden in Frankfurt überhaupt erst die Chance, sich gegen Dresden in die Relegation zu retten.

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Einziger Wermutstropfen am Sonntag war der Platzverweis von Stammverteidiger Hübener, der damit im Hinspiel der Relegation fehlen wird.

"Ich bin gerade fix und alle. Die Nacht wird eine unruhige Nacht, aber die nehme ich in Kauf. Es ist keine Party angesagt. Wir haben ja nichts erreicht. Wir haben jetzt zwei Extra-Spiele gewonnen", sagte Doppeltorschütze Klos bei SPORT1.

Weitere Ausschreitungen nach Spielende

Die Bielefelder Anhänger dagegen feierten nach dem glücklichen Ende in einem packenden Abstiegskrimi schon, als wäre der Klassenerhalt bereits perfekt.

Unter den Dresdner Fans herrschte zunächst gespenstische Stille, ehe sie für einen letzten negativen Schlusspunkt unter einer enttäuschenden Saison sorgten.

Als die eigenen Spieler schon mit versteinerten Mienen in den Katakomben verschwunden waren, zündeten die Dynamo-Anhänger noch einmal Raketen, Böller und ein Nebelbengalo.

Zudem wurde ein Banner mit einer Botschaft an die Bielefelder entrollt. Die Aufschrift: "Ihr habt eine Stunde Zeit, die Stadt zu verlassen!"

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