Der SC Paderborn kann schon in Aue aufsteigen. Sportdirektor Born verspricht bei SPORT1 eine seriöse Finanzplanung.

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Von Christian Geisler

Paderborn - Es war nur ein Plakat im Fanblock des SC Paderborn, doch es passte ins Bild vom "Dorfverein":

"Bitte keine Relegation: Wir haben Schützenfest", forderte ein Anhänger beim 2:0-Heimsieg gegen den SV Sandhausen.

So ist das also in der (Fußball-)Provinz: Die Spieler beackern das Feld, wühlen sich durch den Strafraum und schießen ein Tor nach dem anderen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Die Erfolge werden anschließend auf dem Schützenfest gefeiert.

(Alles zum Aufstiegskampf in der Zweiten Liga, ab 18.30 Uhr bei Bundesliga Aktuell im TV auf SPORT1)

Die Sensation zum Greifen nahe

Das steigt in Paderborn Ende Mai. Und geht es nach den Anhängern, ist eine der größten Sensationen der jüngeren Zweitliga-Geschichte dann längst perfekt: Der Bundesliga-Aufstieg des SC Paderborn.

"Ich fand das Plakat sehr witzig", sagt Paderborns Sportdirektor Michael Born im Gespräch mit SPORT1, fügt aber gleich hinzu: "Für uns kann das keine Rolle spielen. Auch die Relegation wäre für uns ein riesiger Erfolg."

Und doch würde der SCP natürlich am liebsten schon am Sonntag (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER und auf SPORT1.fm) seine Chance nutzen.

Von der grauen Maus zum Spitzenteam

Bei einem eigenen Sieg in Aue und einem gleichzeitigen Punktverlust von Verfolger Greuther Fürth in Cottbus wäre der historische Aufstieg der Ostwestfalen in die Bundesliga perfekt.

Es wäre die Krönung einer herausragenden Saison, in der sich die bescheidenen Paderborner Woche für Woche von einer grauen Maus zu einem echten Spitzenteam der Zweiten Liga gemausert haben.

"Wir haben zwei Punkte Vorsprung - jetzt wollen wir den Platz auch halten. Das lassen wir uns nicht mehr nehmen", sagt Mittelfeldspieler Mario Vrancic angesichts der bislang 16 Saisonsiege selbstbewusst.

Weiter vernünftig wirtschaften

Im Falle des Aufstiegs würde sich der Lizenzspieler-Etat der Paderborner von bisher 6,2 auf etwa zwölf Millionen erhöhen. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Bundesligist hat laut SCP-Sportdirektor Born etwa 47 Millionen Euro zur Verfügung.

"Wir werden nicht von unserem Weg abweichen, sondern weiter gewissenhaft arbeiten", stellt der 46-Jährige jedoch klar.

Soll heißen: Zunächst einmal will der Verein versuchen, seine Restverbindlichkeiten von 3,6 Millionen Euro abzubauen.

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Talente aus unteren Ligen holen

Ein schwieriger Spagat, soll dem möglichen Aufstieg nicht der direkte Wiederabstieg folgen.

Das weiß auch Born. "Wir dürfen natürlich nicht blauäugig sein und müssen unseren Kader auf ein noch höheres Niveau heben", betont er: "Aber wir werden keine Altstars verpflichten."

Stattdessen wolle der Klub junge und talentierte Spieler aus unterklassigen Ligen holen. "Da sind wir bei der Auswahl der Spieler und Trainer sehr akribisch. Das trägt sicherlich zu unserem Erfolg bei", sagt Born.

Vorerst kein Stadionausbau

Viel Geld werden die Paderborner allerdings nicht ausgeben. Auch ein Stadionausbau ist erst einmal nicht geplant.

Mit 15.000 Plätzen wäre die Paderborner Benteler-Arena zwar das kleinste Stadion der Bundesliga. Dennoch erfüllt sie alle Kriterien.

Die Option, die Kapazität zu einem Preis von etwa drei Millionen Euro auf 19.000 Ränge zu erhöhen, wolle man deshalb erst einmal nicht ziehen.

"Erst wenn es so kommen sollte, dass wir den Klassenerhalt schaffen, werden wir das Projekt 'Stadionausbau' in Angriff nehmen", erklärt Born SPORT1.

Atmosphäre schon erstligareif

Zumal die Stimmung in Paderborn bei den jüngsten Heimspielen auch so schon erstligareif war.

Bereits vor Spielbeginn empfingen die Zuschauer ihre Mannschaft mit stehenden Ovationen. Minutenlanger Beifall ertönte, ohne dass der Ball auch nur einmal gerollt wäre.

"Es ist wunderbar, dass die Leute mitfiebern. Das ist ein überragendes Gefühl", schwärmt Innenverteidiger Christian Strohdiek und ist sich sicher: "Auch in Aue werden sicher viele Fans vor Ort sein."

Vucinovic tritt Euphorie-Bremse

Mittelfeldspieler Marc Vucinovic im Gespräch mit SPORT1 hingegen erst einmal auf die Euphorie-Bremse.

"Es kann immer noch alles schief gehen", warnt er mit Blick auf die bevorstehende Partie im Erzgebirgsstadion:

"Wir wissen ganz genau, was möglich ist. Aber Aue hat sein letztes Heimspiel und will seinem Publikum etwas zeigen. Das wird ein ganz schweres Spiel."

Auf mögliche Relegation vorbereitet

Für den Fall der Fälle, dass der SC Paderborn am Ende doch in die Relegation muss, haben Trainer Andre Breitenreiter und Sportdirektor Born den möglichen Gegner aus der Bundesliga schon einmal beobachtet.

"Die Hausaufgaben, die wir machen müssen, machen wir auch", sagt Born: "Wir wollen bestmöglich vorbereitet sein."

Die Ausgangssituation im Aufstiegskampf hat sich durch den Erfolg über Sandhausen am vergangenen Wochenede zwar klar verbessert. Dennoch, so Born, werde man erst bei "Abpfiff gucken, wo wir stehen".

Und vielleicht fällt das Schützenfest für die Fans des SCP dann ja doch nicht flach.

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