SPORT1-Reporter Reinhard Franke (l.) besuchte Ralph Hasenhüttl in Ingolstadt © getty

Vor dem Heimspiel gegen den Lautern spricht Ingolstadt-Coach Hasenhüttl über den FCI, seine Ambitionen und Jürgen Klopp.

Aus Ingolstadt berichtet Reinhard Franke

Ingolstadt - Ralph Hasenhüttl kannte in seiner Trainer-Karriere bislang fast nur eine Richtung: nach oben.

Mit der Spielvereinigung Unterhaching verpasste der Österreicher zwar 2009 knapp den Aufstieg in die Zweite Liga, dieses Kunststück gelang ihm aber 2012 mit dem VfR Aalen.

Nachdem er den Zweitliga-Neuling souverän zum Klassenerhalt geführt hatte, löste der 46-Jährige seinen Vertrag auf der Ostalb auf.

Seit Oktober ist er nun beim FC Ingolstadt, und seitdem ging es mit den zuvor kriselnden Schanzern wieder bergauf (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Vor dem Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern (Mo., ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) spricht Hasenhüttl im SPORT1-Interview über den letzten Gegner des Jahres, seine Ambitionen und sein Trainer-Vorbild Jürgen Klopp.

SPORT1: Herr Hasenhüttl, der FCI hat sich mit Ihnen von Platz 18 auf Rang 14 vorgepirscht. Es geht aufwärts, oder?

Ralph Hasenhüttl: Wir haben in die Spur gefunden, sind als Mannschaft zusammengewachsen und haben wieder eine gewisse Stabilität. Zudem haben wir es durch einige Erfolgserlebnisse und eine gute Stimmung geschafft auch beim Publikum anzukommen. Die Ergebnisse waren eine logische Folge der guten Arbeit, die wir alle geleistet haben.

SPORT1: Täuscht der Eindruck oder passten der FCI und Ralph Hasenhüttl sofort zusammen?

Hasenhüttl: Man hat gewisse Vorstellungen, wenn man neu zu einem Verein kommt. Es ist dann meist auch eine Wundertüte, wie schnell man so etwas umsetzen kann. Im ersten Spiel gegen Düsseldorf waren wir noch nicht so weit, dass die Abläufe automatisiert waren. Die Spiele danach, vor allem in Fürth oder in Köln, waren schon viel besser. Uns taten die Auswärtspunkte gut, das waren echte Bonuspunkte. Natürlich müssen wir auch öfter zu Hause gewinnen. Gegen Aalen war es überzeugend, gegen Sandhausen nicht ganz so.

SPORT1: Wie sehr trägt das alles schon Ihre Handschrift?

Hasenhüttl: Wir haben einen Plan, wollen aber variabel bleiben. Und wir haben es geschafft neben unserer läuferischen und leidenschaftlichen Einstellung immer wieder fußballerische Akzente zu setzen. Es gab immer wieder gute Halbzeiten, wo wir auch spielerisch überzeugen konnten. Ich freue mich schon darauf, in der Vorbereitung die Mischung zu finden zwischen Spielern, die ihre Stärken im kämpferischen Bereich haben und Spielern, die über das Spielerische kommen. Dass ich da etwas ausprobieren kann, das fehlte mir ja, weil ich während der Saison kam.

SPORT1: Ist Tamas Hajnal noch ein Spieler, von dem Sie sich viel versprechen? Es hieß er könne den Verein im Winter verlassen.

Hasenhüttl: Das stimmt so nicht. Tamas hat unglaubliche fußballerische Fähigkeiten. Ich habe nur gerade das Problem, dass ich seine Position in meinem System nicht besetze, weil für einen Zehner kein Platz ist. Aber wir haben im Pokal anders gespielt, da war er meine erste Option auf der Zehn. Er macht es im Training hervorragend, gibt Gas, marschiert und hat überragende Standards, die er für die Truppe gewinnbringend einbringen könnte. Natürlich ist es schwer, ins Team zu kommen, wenn es gut läuft. Ich habe aber keinen abgeschrieben, auch Tamas nicht.

SPORT1: Sie haben in Unterhaching in der Regionalliga begonnen und sind nun in der 2. Liga. Wann wollen Sie in die Bundesliga?

Hasenhüttl: Man kann als Trainer die Karriere ganz schwer planen. Ich bin bis jetzt nicht unzufrieden, wie es bei mir gelaufen ist. Ich war in Haching erfolgreich, habe mit dem Aufstieg in Aalen Geschichte schreiben dürfen und bin jetzt beim FCI. Es ist wichtig, sich seine Sporen in den unteren Klassen zu verdienen und zu reifen. Ich habe kein Problem damit, wenn ich die nächsten 20 Jahre Trainer in der 2. Liga wäre.

SPORT1: Wie bitte?

Hasenhüttl: Ich muss nicht unbedingt in der Bundesliga trainieren. Es geht um die Befriedigung im Job, und Erfolg ist an keine Liga geknüpft. Wenn ich in 20 Jahren zurückblicke und habe nicht in der Ersten Liga gearbeitet, bricht für mich nicht die Welt zusammen. Ich bin dankbar, einer von 36 Profitrainern zu sein. Das ist für mich als Österreicher eine große Ehre.

SPORT1: Sie werden in der Branche schon mal als Jürgen Klopp der Zweiten Liga bezeichnet. Was sagen Sie dazu?

Hasenhüttl: Ich finde die Art und Weise, wie seine Mannschaft Fußball spielt, schon sehr beeindruckend, und ich mag sein positiv-emotionales Auftreten. Sofern jemand den Vergleich zieht, kann ich also sehr gut damit leben. Was nicht heißt, dass ich ihn übermorgen heiraten will (lacht)

SPORT1: Zum Jahresabschluss kommen die kriselnden Lauterer nach Ingolstadt. Sie können dem FCK ein sehr unschönes Weihnachtsfest bescheren...

Hasenhüttl: Das Brutale am Fußball ist, dass wir jetzt von einer Krise bei Lautern reden, aber vor drei Wochen waren sie die Mannschaft der Stunde. Es ist eine Mannschaft, die zu den Top-Teams in der Liga gehört, momentan aber einen kleinen Hänger hat. Wir wollen, dass der noch etwas anhält, aber es ist ein Team mit sehr viel Qualität..

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