Fin Bartels (l.) wechselte 2010 aus Rostock zu St. Pauli © getty

Beim Sieg in München deckt St. Paui die Schwächen der Löwen auf. Beim Sieger steht die Trainerentscheidung vor dem Abschluss.

Aus der Allianz Arena berichtet Carsten Arndt

München - Am Ende war eigentlich alles wie immer.

Wie so oft in den letzten Jahren kassierte der TSV 1860 in einem richtungweisenden Spiel eine Niederlage. Im entscheidenden Moment fehlte den Münchnern schlicht der Killerinstinkt.

Natürlich sind die Sechziger nach der 0:2-Pleite im Verfolgerduell gegen den FC St. Pauli (BERICHT: Pauli kontert 1860 aus) noch nicht endgültig raus aus dem Rennen um die Aufstiegsplätze, doch es wirkte beinahe so, als wollten sie gar nicht heraus aus Liga Zwei (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Nachdem Hamburgs Fin Bartels zehn Minuten vor dem Ende mit seinem herrlichen Treffer die Niederlage besiegelt hatte, sangen die Fans "Löwen": "Zweite Liga tut so weh, scheiß egal, es wird schon gehen."

1860 ohne Durchschlagskraft

Vor allem in der zweiten Halbzeit bot die Mannschaft von Trainer Friedhelm Funkel eine schwache Leistung und hatte zum wiederholten Mal große Probleme in der Offensive.

"Wir haben es über das ganze Spiel nicht geschafft eine richtige Torchance zu erspielen", monierte Christopher Schindler nach der Partie auf SPORT1-Nachfrage: "Wir haben gefühlt 20 Flanken geschlagen, die aber keinen Abnehmer gefunden haben."

Ein potenzieller Abnehmer ist eigentlich Benjamin Lauth, doch der Ex-Kapitän hatte überhaupt keine Bindung zum Spiel. Lauth wirkte bisweilen lustlos, ist nun schon seit 15 Spielen und 1.263 Minuten ohne Tor und leidet wohl am meisten unter dem neuen Defensivkonzept.

"Wir wussten wie 1860 spielt"

Dass selbst dies nicht aufging lag daran, dass St. Pauli sich ideal auf die Gastgeber eingestellt hatte.

Die Hanseaten bedienten sich an der 1860-Taktik, traten sehr kompakt auf und konterten dann eiskalt. So auch beim 0:1 durch Christopher Nöthe.

"Wir wussten wie 1860 spielt. Wir hatten einen Plan und den haben wir gut umgesetzt indem wir immer wieder ihre Sechser zugestellt und attackiert haben", sagte Nöthe.

"Nicht ins offene Messer laufen"

Ihrer eigentlichen Stärke beraubt, taten sich die Münchner sichtlich schwer damit, selbst das Spiel zu machen. Der TSV wirkte vor allem in der zweiten Hälfte einfallslos.

"Wir haben uns in der Halbzeit gesagt, dass wir noch 45 Minuten Zeit haben. Wir wollten nicht direkt ins offene Messer laufen", sagte Schindler zur schwachen Leistung nach der Pause: "Vielleicht sieht es dann für Außenstehende so aus, als ob der Zug fehlt."

Vrabec sammelt weiter Argumente

Ganz anders dagegen der FC St. Pauli der unter Interimscoach Roland Vrabec in den letzten Wochen tollen Offensivfußball zeigt und nun erstmals auf einem Aufstiegsplatz steht.

Aus dem Interimstrainer könnte daher nun schon bald der neue Chefcoach werden.

"Es macht einfach richtig Spaß. Jeder will für den anderen laufen, das Teamgefühl ist super. Vier Siege aus fünf Spielen, ein besseres Bewerbungsschreiben gibt es kaum. Ich wüsste nicht warum man da etwas ändern sollte", sprach sich Nöthe klar für den Frontzeck-Nachfolger aus.

Entscheidung nach dem letzten Spiel

Der Gelobte selbst, gab sich auf der Pressekonferenz nach dem Spiel noch zurückhaltend.

"Wir haben noch keine Gespräche geführt. Wir warten das letzte Spiel ab und setzen uns dann zusammen", sagte Vrabec.

Ganz ähnlich äußerte sich auch Sportchef Rachid Azzouzi bei SPORT1: "Man sieht, wie die Mannschaft auftritt. Ich weiß auch, welchen Anteil Roland und das Trainerteam daran haben. Aber wir hatten etwas verabredet. Dabei bleibt es."

Schafft es St. Pauli, die Leistung von München auf Dauer zu bestätigen, können die Hamburger um den Aufstieg mitspielen. Wenn die "Löwen" weiter ihre Big Points nicht nutzen, müssen sich ihre Fans wohl auf ein weiteres schmerzvolles Jahr in der Zweiten Liga einstellen.

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