Oliver Reck (l.) startete seine Profikarriere 1983 bei Kickers Offenbach © getty

Vor dem Spiel beim FCK gibt sich Düsseldorfs Interimscoach Reck kämpferisch. Im Hintergrund läuft die Suche nach seinem Nachfolger.

Von Reinhard Franke

München - Mit Durchhalteparolen ist es immer so eine Sache.

Mal machen sie Mut, mal sind sie einfach nur ernüchternd.

Im Fall von Fortuna Düsseldorf trifft momentan wohl Letzteres zu.

Die Toten Hosen, Edel-Fans des rheinischen Traditionsklubs, singen in einem Song "Steh auf, wenn du am Boden bist", damit dürften sich die Verantwortlichen und Fans des Zweitligisten gleichermaßen angesprochen fühlen.

Die Fortuna liegt am Boden. Relegationsplatz 16, fünf Siege, vier Remis und sieben Niederlagen - Fakten, die belegen, wie brenzlig die Situation ist. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Vor der Saison noch als Aufstiegskandidat gehandelt, dürfte man bei der Fortuna vor dem Spiel beim 1. FC Kaiserslautern (ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) fast schon froh sein, nächstes Jahr überhaupt zum Kreis der 18 Zweitligisten zu zählen.

Letzte Patrone abgefeuert

Die vorerst letzte Patrone hat Manager Wolf Werner mit der Trainer-Entlassung schon abgefeuert.

Mike Büskens musste nach dem 0:2 gegen den Karlsruher SC am vergangenen Spieltag gehen, für ihn hat Oliver Reck, eigentlich Torwarttrainer des Klubs, bis zum Winter interimsmäßig übernommen.

Danach soll ein neuer Chefcoach kommen. Holger Stanislawski und Thomas Schaaf gelten nach SPORT1-Informationen als heißeste Anwärter auf den Job.

Auch eine Rückholaktion von Norbert Meier, der 2012 mit der Fortuna den Bundesliga-Aufstieg schaffte, scheint möglich.

Raus aus dem Schlamassel

Das scheint Reck alles kalt zu lassen. Der 48-Jährige ist bestrebt, den Verein aus dem Schlamassel zu ziehen. Ganz egal, wer im neuen Jahr das Sagen hat.

"Wir haben in den ersten Tagen einen Leistungstest mit Blick auf die Rückrunde durchgeführt", sagt der 509-malige Bundesligaspieler zu SPORT1: "Danach hat die Intensität der Einheiten zugenommen."

Ansonsten sei ihm innerhalb des Klubs ein "sehr enger Kontakt wichtig".

Reck gilt in der Branche als fleißig, bodenständig und loyal. Das hat er schon bei seiner letzten Station, beim MSV Duisburg, bewiesen.

Dort begann er als Torwarttrainer und wurde nach der Entlassung von Milan Sasic überraschend Chefcoach. Nun ist Reck wieder der Chef, wenn auch nur für drei Spiele. Kurios: Der Ex-Keeper holte sich bei Büskens die Erlaubnis ab für den Job.

Erlaubnis von Büskens

"Mir war es sehr wichtig, erst mit ihm darüber zu sprechen", sagt Reck: "Wir haben ein sehr gutes Verhältnis, haben schon immer viel miteinander gesprochen. Sebst dann, als wir nicht zusammengearbeitet haben."

Und er fügt hinzu: "Nach unserem Gespräch habe ich den Fortuna-Verantwortlichen zugesagt. Es ist ein toller Verein mit einem tollen Stadion und herausragenden Fans. Ich möchte diesem Klub einfach helfen."

Anderes Auftreten

Konkret müsse die Mannschaft "anders auftreten", betont Reck: "Nur, wenn wir als Team funktionieren und die Abstände im Defensivbereich nicht zu groß werden, können wir auch erfolgreich sein."

Und weiter: "Wichtig wird es sein, körperlich dagegen zu halten. Es wird eine klare Aufgabenteilung geben. Wir müssen vom Einfachen zum Schwierigen kommen. Das heißt, erst durch einfaches Fußballspielen können wir wieder Selbstvertrauen bekommen."

Das soll nun ausgerechnet auf dem Betzenberg getankt werden. "In der Situation, in der wir uns befinden, kann man sich eine solche Partie nur wünschen", erklärt Reck:

"Es wäre nun schwieriger für uns, zum Beispiel den SV Sandhausen zu empfangen. Kaum jemand rechnet damit, dass wir in Kaiserslautern punkten können. Wir schon."

FCK will Platz drei festigen

Doch der FCK, der Anschluss an den 1. FC Köln und Greuther Fürth halten und den dritten Platz festigen will, hat unter Trainer Kosta Runjaic in den letzten neun Spielen nur einmal verloren. Vor allem zu Hause sind die "Roten Teufel" wieder eine Macht.

Daheim gab es nur gegen den KSC ein 2:2. Es wird also alles andere als leicht für die Fortunen.

"Ich werde die Mannschaft natürlich auf die besondere Atmosphäre auf dem Betzenberg einstellen. Wenn wir uns vom Druck der Lauterer beeindrucken lassen, werden wir Probleme bekommen", sagt Reck:

"Wenn wir dagegenhalten, haben wir auch dort eine Chance. Ich habe als Spieler auf dem 'Betze' schmerzliche Niederlagen und grandiose Siege erlebt. Diesmal wünsche ich mir natürlich Letzteres."

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