Vor dem Frankfurt-Spiel gibt der Fan-Rückhalt Bielefelds Coach Kraft. Bei SPORT1 sprechen er und Routinier Möhlmann übers Duell.

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Von Reinhard Franke

München - Mehr Gegensatz geht nicht. Wenn der FSV Frankfurt die Arminia aus Bielefeld empfängt (ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER), dann stehen sich zwei Trainer-Typen gegenüber, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.

Auf der einen Seite FSV-Coach Beno Möhlmann, mit über 1.000 Spielen als Spieler und Trainer in der Ersten und Zweiten Liga einer der erfahrensten Fußballlehrer im deutschen Fußball.

Auf der anderen Seite Bielefelds Trainer Stefan Krämer, der 2011 bei der Arminia seinen ersten Profi-Job antrat und im Sommer mit dem Klub in die Zweite Liga aufstieg. Und da will er auch gerne bleiben.

Vorzeichen alles anders als günstig

Doch die Vorzeichen sind vor dem Duell mit den Frankfurtern alles andere als günstig. Während für Möhlmann, der gerade seinen Vertrag bis 2015 verlängerte, mit Platz elf alles im grünen Bereich ist, erlebt Krämer zurzeit seine erste handfeste Krise.

Aus den ersten acht Spielen konnten zwar vier Siege eingefahren werden, doch inzwischen ist die Aufstiegs-Euphorie verpufft. Krämer und seiner Arminia steht das Wasser bis zum Hals.

Sieben Niederlagen am Stück

Zuletzt setzte es sieben Niederlagen am Stück. Tabellenplatz 17! (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Das Kuriose an der Sache: Während in anderen Vereinen längst eine Trainer-Debatte entbrannt wäre, kann sich Krämer der Unterstützung der Verantwortlichen und des Umfelds sicher sein.

"Ich bin sehr froh, dass die ganze Stadt hinter der Arminia und mir steht, gerade nach den vielen verlorenen Spielen. Das macht mich unfassbar stolz", sagt der 46-Jährige im Gespräch mit SPORT1.

Feines Gespür der Fans

"Das zeigt einfach, dass die Leute in Bielefeld ein feines Gespür dafür haben, ob es jemand wert ist, unterstützt zu werden oder nicht, weil man auch schon andere Zeiten erlebt hat, wo hier eine leblose Söldner-Mannschaft gespielt hat."

Der gebürtige Mainzer fügt hinzu: "Die Leute sehen, dass wir arbeiten und dass wir alles dafür tun, um diese Serie zu unterbrechen."

Und Krämer hat durchaus Hoffnung auf Besserung: "Wir waren fast immer auf Augenhöhe", sagte der Coach, "und hätten einige dieser Spiele auch unentschieden gestalten können. Die Zuschauer in Bielefeld wissen auch realistisch einzuschätzen, was wir für Möglichkeiten haben und diese Mischung sorgt dafür, dass die Leute wie eine Eins zu uns stehen."

"Wir brauchen Ergebnisse"

Natürlich kennt er aber auch die Gesetzmäßigkeiten im Fußball.

"Wir brauchen Ergebnisse, können uns für vernünftige Leistungen nichts kaufen, es müssen Punkte her", weiß Krämer.

Den Konjunktiv gibt es für ihn nicht: "Ich mache mir keine Sekunde einen Kopf darüber, was passieren könnte, wenn wir am Montag verlieren. Ich knalle alle Energie in die Frage, wie können wir gewinnen."

Doch ausgerechnet Möhlmann, der von 2000 bis 2004 Trainer der Ostwestfalen war, kann Krämer nun ein Stück weit mehr an den Abgrund schubsen.

Möhlmann: Sympathie für Arminia

Und für den FSV-Coach zählen keine Sentimentalitäten. "Ich habe natürlich noch Sympathie für die Arminia, keine Frage, aber das ist jetzt auch schon zehn Jahre her, dass ich da war", sagt Möhlmann zu SPORT1.

"Vom Herzen bin ich absolut beim FSV und möchte das Spiel auch gewinnen."

Und er nimmt etwas die Brisanz aus dem Duell mit seinem Ex-Klub: "Im Fußball entstehen Entscheidungen aus einer Entwicklung heraus und nicht aus einem Spiel heraus. Der Abstiegskampf geht an den letzten zehn Spieltagen los und dann werden Entscheidungen fallen."

Jetzt gehe es für jeden darum "eine gute Ausgangsposition zu haben." Für ihn wird das Spiel "kein Selbstläufer", denn "die Arminia hat zuletzt engagiert gespielt und war mutig."

Facebook-Aktion für Krämer

Das sehen auch die Fans so. Während der Woche forderten mehr als 2000 Fans mit einer Aktion bei Facebook, dass Krämer im Amt bleibt.

"Es ist für mich ein unheimlicher Ansporn, alles über das normale Maß hinaus dafür zu tun, dass wir wieder Ergebnisse liefern. Es gibt mir ein gutes Gefühl", meint Krämer.

Er wisse nicht, "wo es das in Deutschland gibt, dass die Fans nach sieben Niederlagen so zur Mannschaft stehen, das macht den Verein aus."

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"Ein absoluter Top-Mann"

Das kann Möhlmann, für Krämer "ein absoluter Top-Mann", aus eigener Erfahrung nur bestätigen: "Das ist das, was Arminia ausmacht. Wenn die Fans sehen, dass die Mannschaft kämpft und man sich nicht verschaukelt fühlt, dann stehen sie zu der Geschichte. Auch bei mir war das so."

Und er fügte an: "Ich bin damals aufgestiegen und das Jahr darauf abgestiegen, ohne dass ich da irgendwo angegiftet oder mein Kopf gefordert wurde. Ich kann das nachvollziehen, dass die Unterstützung nach wie vor da ist, wenn das Engagement stimmt."

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