Ujah ist bereits der dritte FC-Fehlschütze vom Elferpunkt in den letzten 90 Minuten © imago

Kölns Ujah treibt Trainer Stöger in den Wahnsinn. Der Österreicher schimpft über den Elfer. Löwen-Keepr Kiraly bleibt locker.

Köln - Tabellenführer, ungeschlagen, vom Papst gesegnet - und doch von einem Fluch verfolgt.

Der 1. FC Köln ist selbst auf dem sportlichen Höhenflug nicht vor Kuriositäten gefeit. Zum dritten Mal innerhalb von genau 90 Spielminuten verschossen die Kölner beim 0:0 gegen 1860 München einen Elfmeter.

Trainer Peter Stöger schüttelte nur noch den Kopf (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Ich habe in meiner aktiven Karriere immer Elfmeter geschossen - und keine drei vergeben", sagte der als Profi zwölf Mal vom Punkt erfolgreiche Österreicher mit süßsaurem Lächeln.

"Drucksituation kann man nicht simulieren"

Er sei sogar schon gefragt worden, ob er mit seinen Spielern überhaupt Elfmeter übe, berichtete der 47-Jährige: "Aber die Drucksituation kann man nicht simulieren. Ich kann nicht 50.000 Menschen an den Trainingsplatz stellen."

Mehr Glück als gegen 1860 hatte Stöger am Montagabend "zeitgleich" als Stargast im Fernsehen.

Dort gewann er in der "ORF"-Aufzeichnung der österreichischen Version von "Wer wird Millionär" an der Seite seiner Lebensgefährtin Ulrike Kriegler 75..000 Euro.

Sein Präsident Werner Spinner war derweil schon am Mittwoch erfolgreich gewesen - er hatte eine Audienz bei Papst Franziskus erhalten und stolz vom "einzigen Klub mit einer Kirche im Wappen" berichtet.

Auch Risse und Helmes verschießen

Trotz des päpstlichen Segens vergab gegen die Münchner Löwen Anthony Ujah (40.) vom Elfmeterpunkt, nachdem zuvor beim 2:1 in Karlsruhe zunächst Marcel Risse und Patrick Helmes "Fahrkarten" geschossen hatten.

Die beiden hätten sich gegen 1860 aber nicht geweigert, versicherte Ex-Nationalspieler Helmes, "um Gottes Willen, nein, ich hätte geschossen".

Warum er es nicht tat, verwunderte auch seinen Trainer (749962DIASHOW: Aufstiegstipps der Zweitliga-Trainer).

"Der von Tony war einfach schlecht"

"Ich habe keinen Schützen vorgegeben", sagte dieser: "Aber ich habe mich schon gewundert, dass Ujah sich den Ball genommen hat. Denn eigentlich sind Risse und Helmes sichere Schützen. Ihre Elfmeter gegen Karlsruhe waren auch gut geschossen (beide gingen an den Pfosten, d. Red.), der von Tony war einfach schlecht."

Im Weg stand aber auch Gabor Kiraly. "Dieser Fuchs", merkte Stöger an - und dachte wohl an ein 15 Jahre zurückliegendes Erlebnis.

Schon 1998 parierte Kiraly im Länderspiel gegen Österreich mit dem eingewechselten Stöger einen Elfmeter von Toni Polster, Ungarn gewann 3:2. Gegen Ujah hielt der 37-Jährige bereits seinen 14. Strafstoß im Profifußball, hinzu kommen 10 von 25 in Elfmeterschießen.

Kiraly braucht keine Vorbereitung

Dabei behauptet Kiraly, er habe sich gar nicht groß vorbereitet.

"Ich wusste nicht, dass Köln zuletzt zwei Mal verschossen hat, und ich wusste auch nicht, wer schießen könnte", sagte er.

Gegen Ujah hielt er "einfach aus dem Gefühl heraus. Ich habe kurz vorher noch überlegt, die Ecke zu wechseln, aber zum Glück habe ich meiner ersten Eingebung vertraut."

Auf Tricks falle er sowieso nicht mehr herein, "sie haben schon alles versucht", sagte der Routinier mit der berühmten grauen Schlabberhose grinsend.

Löwen zu harmlos unter Funkel

Sechs Punkte liegen die Löwen nach dem zweiten 0:0 in Folge von der Spitze entfernt. "Wir schießen einfach keine Tore", monierte Trainer Friedhelm Funkel, dessen Team in sechs Spielen unter seiner Leitung fünf Mal leer ausging.

Dass bei Köln die Null stand, lag nicht nur an Ujahs Missgeschick. Das Zusammenspiel zwischen dem Nigerianer und Helmes funktioniert nicht. Letzterer wurde ausgewechselt, ihm droht nun die Bank.

Stöger denkt an neue Taktik

"Ich habe immer gesagt, wenn wir mit zwei Stürmern spielen wollen, müssen beide nach hinten mitarbeiten. Das hat leider nicht funktioniert", sagte Stöger. Er hätte "durchaus beide rausnehmen können", aber "Ujah hilft uns bei defensiven Standards".

Das könnte den Ausschlag für ihn geben, denn der Coach erwägt, am Freitag in Bielefeld von Beginn an nur einen Stürmer aufzubieten.

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