SPORT1-Reporter Reinhard Franke (r.) traf Ralph Hasenhüttl zum Interview © getty

Vor dem Spiel gegen Düsseldorf spricht Ingolstadts neuer Coach Ralph Hasenhüttl bei SPORT1 über den FCI und eine geheime Mission.

Von Reinhard Franke

München - Freud und Leid liegen oft nah beieinander.

Das musste Ralph Hasenhüttl am eigenen Leib erfahren. Der neue Trainer des FC Ingolstadt schaffte 2012 mit dem VfR Aalen nach 40 Jahren Vereinsgeschichte den historischen Aufstieg in die Zweite Liga. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Doch kurz darauf erkrankte der Österreicher am Hanta-Virus und musste einige Wochen pausieren. Fast hätte der VfR einen neuen Trainer verpflichtet, doch die Chance Zweite Liga wollte sich Hasenhüttl nicht nehmen lassen.

Der 46-Jährige kam zurück und schaffte mit Aalen den Klassenerhalt. Doch danach bat er überraschend um die Auflösung seines Vertrags. Er suchte eine neue Herausforderung. Diese sieht er nun in Ingolstadt.

Vor seinem Debüt als FCI-Coach gegen Fortuna Düsseldorf (So., 13.15 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) spricht Hasenhüttl im SPORT1-Interview über die Schanzer, seine Krankheit, seine Karriere - und eine geheime Mission.

SPORT1: Herr Hasenhüttl, wie waren die ersten Tage im neuen Verein?

Ralph Hasenhüttl: Absolut positiv. Es ist ein Verein, in dem sehr professionell gearbeitet wird. Sowohl in der Mannschaft als auch im Umfeld gibt es große Möglichkeiten. Ich bin ein Teamplayer und muss versuchen gemeinsam den Erfolg zu erzielen. Die Truppe hat sich in den ersten neun Spielen Kredit verspielt und ab jetzt wollen wir leidenschaftliche Vollgas-Veranstaltungen abliefern.

SPORT1: Der Verein wollte Sie schon im Sommer haben. Warum ist der FCI jetzt der richtige Klub zum richtigen Zeitpunkt?

Hasenhüttl: Weil ich jetzt bereit bin für den nächsten Schritt. Ich hatte zweieinhalb wunderschöne Jahre beim VfR Aalen. Mit dem historischen Aufstieg in die Zweite Liga nach 40 Jahren Vereinsgeschichte und dem sicheren Klassenerhalt im ersten überragenden Jahr haben wir das Maximum erreicht. Ich habe damals in Aalen eine ähnliche Situation vorgefunden wie jetzt in Ingolstadt - einen Verein mit Potenzial, der irgendwie nicht aus den Löchern kam. Der FCI hat großes Potenzial. Zunächst müssen wir aber sehen, den Klassenerhalt sicherzustellen.

SPORT1: In Aalen erkrankten Sie am Hanta-Virus. Wie geht es Ihnen heute?

Hasenhüttl: Gut. Es war aber keine leichte Zeit. Mit dem Aufstieg in Aalen durfte ich den schönsten Augenblick in meiner noch jungen Trainerkarriere feiern. Drei Wochen später aber ging es mir plötzlich gar nicht mehr gut. Ich war fast entlassen, weil der Verein kurz vor Saisonstart Angst hatte ohne Trainer in die Saison zu gehen, weil keiner wusste, wann ich wieder gesund bin. Ich wollte so schnell wie möglich wieder gesund werden und es war richtig das alles so zu tun, denn ich wollte mir das erste Jahr Zweite Liga nicht nehmen lassen.

SPORT1: Nach dem Klassenerhalt mit Aalen haben Sie überraschend Ihren Vertrag aufgelöst. Was haben Sie danach alles gemacht?

Hasenhüttl: Ich war bei Gladbach, Nürnberg, Dortmund und in Stuttgart. Mein Sohn spielt beim VfB in der B-Jugend. Es war interessant und wichtig, auch das mal mitzubekommen.

SPORT1: Wie war es mit BVB-Coach Jürgen Klopp?

Hasenhüttl: Ich war inkognito bei Klopp und den anderen Kollegen, stand teilweise mit dem Mountainbike am Trainingsplatz und habe zugeschaut. Die Leute sollten mich nicht erkennen, sondern ich wollte das nur für mich mitnehmen. Ich wollte mir zudem meine Eindrücke holen und es war interessant zu sehen, wie jeder Trainer arbeitet. Ich wollte auch Bestätigung für meine eigene Arbeit finden.

SPORT1: Ihre Arbeit ist nun beim FCI gefragt. Warum kommt der Verein trotz optimaler Rahmenbedingungen nicht voran?

Hasenhüttl: Man muss das relativieren. Hier wurde in den letzten Jahren viel in die Infrastruktur investiert und es gibt eine tolle Mannschaft. Es gibt aber auch Vereine, die noch mehr Potenzial haben. Wir haben in Ingolstadt keine 40.000 Zuschauer im Stadion und müssen eine gewisse Euphorie entstehen lassen. Die war mal da, ist aber dann wieder abgesackt. Es ist schwer eine positive Atmosphäre aufzubauen. Das war in Aalen anfangs auch so, doch jetzt herrscht dort Fußball-Euphorie. Wir wollen beim FCI eine Entwicklung - auf und neben dem Platz. Wenn wir das schaffen, dann haben wir auch in Ingolstadt die Chance, langfristig Euphorie entstehen zu lassen.

SPORT1: Ist es eigentlich komisch für Sie mit Michael Henke als Co-Trainer? Er ist älter und hat wesentlich mehr Erfahrung.

Hasenhüttl: Ich habe mich auch gefragt, ob das funktionieren kann, weil ich immer Co-Trainer hatte, die jünger waren. Ich bin aber super glücklich mit Michael, weil er ein Co-Trainer ist, der sein Handwerk versteht, sehr loyal ist und Meinungen zulässt. Wir tauschen uns viel aus. Ich brauche einen Co-Trainer, der viel sieht. Klar, ich trage die Verantwortung, aber ich bin sehr zufrieden mit ihm. Meine Bedenken haben sich schon in den ersten Tagen zerstreut, weil ich Michael sehr schätze. Wir sind auf einer Linie.

SPORT1: Wie schwer wird Ihr erstes Spiel als FCI-Coach gegen Düsseldorf?

Hasenhüttl: Michael und ich haben die Fortuna gegen Fürth beobachtet. Die Düsseldorfer haben sicherlich noch einige Probleme. Unser Anspruch zu Hause muss es sein, es jedem Gegner Probleme zu bereiten. Wir werden wollen ein unangenehmer Gegner sein und ihnen das Leben richtig schwer machen. Ich sehe uns absolut in der Lage auch so ein Spiel zu gewinnen.

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