Fortuna-Coach Mike Büskens (M.) übt Kritik, steht aber selbst unter Druck © getty

Fortunas Neustart mit Idol Mike Büskens droht nach der Union-Pleite früh zu scheitern. Coach und Sportmanager stehen am Pranger.

Düsseldorf/Berlin - Auf dem kurzen Rückflug von Berlin herrschte an Bord der Boeing 737 Totenstille bei der Delegation von Fortuna Düsseldorf.

Als Mitfavorit auf den Aufstieg in die Saison gestartet, war der Bundesliga-Absteiger am Vorabend durch eine 1:2-Niederlage bei Union Berlin am vierten Spieltag frühzeitig in die Krise geschlittert.

"Wir haben katastrophal gespielt, kein Herz und keine Leidenschaft gezeigt. Wir hatten keine Eier in der Hose. Wir haben uns nicht gewehrt, uns vor dem Gegner versteckt und darum verdient verloren", sagte ein total frustrierter Dustin Bomheuer und brachte damit die Probleme bei den Rheinländern, die ihren letzten Auswärtssieg am 25. September des vergangenen Jahres (2:0 bei Greuther Fürth) feierten, auf den Punkt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Pfeifkonzert der Fans, Kritik von Büskens

Die 1500 mitgereisten Fans quittierten den blutleeren Auftritt ihres Teams mit lautstarken Pfiffen.

Düsseldorf blieb in der Alten Försterei im vierten Pflichtspiel in Folge ohne Sieg, in der Tabelle liegt die Mannschaft des neuen Trainers Mike Büskens auf Rang 13 nur noch zwei Punkte vor einem Abstiegsplatz.

"Wir haben Union gewähren lassen und kamen immer einen Schritt zu spät", monierte Büskens und stellte in aller Deutlichkeit fest: "Das war einfach zu wenig, um in der Zweiten Liga eine gute Rolle zu spielen."

Werner prangert Einstellung an

Und auch Sportvorstand Wolf Werner (71) sparte nicht mit Kritik: "Es gibt bei uns viele Spieler, die nicht begriffen haben, dass man mit einer solchen Einstellung in der Zweiten Liga keine Punkte holen kann."

Zwar waren die Gäste in der Schlussphase noch dem Ausgleich nahe, aber unter dem Strich hatte die Fortuna auf der ganzen Linie enttäuscht. "Das, was wir hier gezeigt haben, ist nicht unser Anspruch", sagte Ersatz-Abwehrchef Tobias Levels selbstkritisch.

Adam Nemec (43., 55.) hatte die Düsseldorfer aus allen Träumen gerissen, ehe Axel Bellinghausen (76.) noch mal für Hoffnung sorgte.

Viele offene Baustellen

Büskens und vor allem auch Werner müssen sich allerdings ebenso wie die Spieler hinterfragen. Werner hat offenbar zum zweiten Mal in Folge wenig durchdachte Transferpolitik verfolgt.

Und der neue Fortuna-Coach Büskens muss sich vorwerfen lassen, dass er weder nach dem peinlichen Erstrunden-K.o. im Pokal beim Regionalligisten SC Wiedenbrück (0:1) noch der folgenden Heimpleite gegen 1860 München (1:2) die nötigen Konsequenzen gezogen hat.

Stürmer Gerrit Wegkamp findet sich nach guten Leistungen in der Vorbereitung vornehmlich auf der Bank wieder, bundesliga-erfahrene Abwehrrecken wie Jens Langeneke und Christian Weber, die angesichts der Ausfälle der Stammverteidiger Martin Latka und Stelios Malezas kurzfristig hätten helfen können, wurden nicht mal ins Kalkül gezogen.

Das anfängliche Theater um Torwart Michael Rensing, der offenbar mit falschen Versprechungen nach Düsseldorf gelotst wurde, spricht im Nachhinein Bände.

Hoffer als Hoffnungsträger

Während bei der Fortuna, die am Dienstag den ehemaligen Lauterer und Frankfurter Erwin Hoffer als weiteren Neuzugang vorstellen wollte, vor dem nächsten Heimspiel am kommenden Sonntag gegen den nur unwesentlich besser platzierten Westrivalen VfL Bochum die Alarmglocken schrillen, herrschte bei Union nach dem ersten Heimsieg der Saison Erleichterung.

"Wir haben den unbedingten Willen gezeigt und den Gegner immer wieder unter Druck gesetzt. Das hat Wirkung hinterlassen", sagte ein zufriedener Trainer Uwe Neuhaus.

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