Danny da Costa wurde im Juli 2012 für zwei Spielzeiten von Leverkusen an Ingolstadt ausgeliehen © getty

Der Profi verurteilt bei SPORT1.fm die rassistischen Beschimpfungen beim 1860-Spiel. Ein generelles Rassismus-Problem sieht er nicht.

Ingolstadt/München - Danny da Costa ist in Neuss am Rhein geboren, er ist in Deutschland aufgewachsen und spielt für die deutsche U-21-Nationalmannschaft.

Doch am Sonntag in München zählte das für einige Zuschauer, die der Profi des Zweitligisten FC Ingolstadt wütend "Vollidioten" nennt, nicht. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Denn da Costa ist dunkelhäutig - und deswegen wurde er während des Ligaspiels bei 1860 München (0:1) auf das Übelste rassistisch beleidigt.

"Nach dem Seitenwechsel kam es auf der Gegentribüne immer wieder zu solchen Äußerungen, gerade wenn ich in Hörweite war und an der Linie entlang gelaufen bin", sagte der 20-Jährige bei SPORT1.fm.

Schiedsrichter veranlasst Stadiondurchsage

Als es ihm zu viel geworden war, entschied sich da Costa, dem unwürdigen Verhalten ein Ende zu setzen.

"Als es mir zu viel wurde habe ich den Schiedsrichter darauf hingewiesen. Nach der Stadiondurchsage wurde es um einiges ruhiger, deswegen war es der richtige Schritt, auf den Schiedsrichter zuzugehen", erzählt er.

Für ihn seien diese sogenannten Fans "einfach nur Vollidioten", sagte da Costa.

Da Costa: Kein generelles Rassimusproblem

Ein generelles Rassismusproblem im deutschen Fußball wie in den dunklen 80er Jahren sieht er jedoch nicht.

"Ich glaube, das war ein Einzelfall, das ist so noch nie vorgekommen. Ich kannte so etwas nicht, ich bin ja hier geboren und aufgewachsen", sagte da Costa. Dies bbestätigt Rassismus-Experte und Sportsoziologe Professor Gunter Pilz im Exklusiv-Interview mit SPORT1.fm. "Heute haben wir nicht mehr den plumpen und massiven Rassismus."

"Das ist auch kein spezielles Problem von 1860-Fans. Ich glaube, dass man das in Deutschland eigentlich gut im Griff hat, aber wenn einige Vollidioten aus der Reihe tanzen, kann man nichts machen", führte er weiter aus: "Wenn man die richtigen Fans mit hineinzieht, wäre das nicht fair."

Stadionverbote gescheitert

Pilz sieht dies jedoch ein wenig anders. "Speziell bei 1860 München ist dieses Problem schon länger bekannt und der Klub hat bereits versucht, diese rechtsradikale Gruppierung mit Stadionverboten zu belegen."

Der Fanforscher ergänzt: "Doch das ist gescheitert, weil die rechtsradikale Gesinnung alleine noch keine rechtliche Grundlage für Stadionverbote ist. Durch die Vorkommnisse vom Sonntag kann der Verein jetzt jedoch handeln."

Durch die Vorkomnisse vom Sonntag haben sich die Voraussetzungen geändert. "Wenn diejenigen Personen, die da Costa beleidigt haben, evaluiert werden können, sind diese Personen mit Stadionverbote belegbar."

U21-Debüt unter der Woche

Danny da Costa hatte am vergangenen Dienstag beim 0:0 gegen Frankreich sein Debüt in der deutschen U 21 gegeben.

Zuvor hatte er von der U 17 bis zur U 20 alle Junioren-Auswahlen des DFB durchlaufen.

Entsprechend verwundert zeigt sich der Deutsche gegenüber SPORT1.fm über die Anfeindungen.

"Das war für mich das erste Mal, dass so etwas vorgefallen ist. Das hat mich schon sehr überrascht und hat mich auch sehr getroffen, dass es solche Vollidioten gibt. Ich bin in Deutschland aufgewachsen, habe letzte Woche mein erstes Länderspiel für die U21 gemacht und auch die deutsche Nationalhymne mitgesungen, was für mich selbstverständlich ist!"

Gunesch rechnet bei Facebook ab

Da Costas Mitspieler Ralph Gunesch war sehr emotional mit den Rassismusvorwürfen an die Öffentlichkeit gegangen.

Er beklagte bei Facebook, Zuschauer auf der Gegentribüne "mit ihren drei trommelspielenden Gehirnzellen im Kopf" hätten da Costa schlimm beleidigt.

"Einen dunkelhäutigen Gegenspieler permanent als 'Scheiß N***r', 'Zurück in den Busch' zu beschimpfen und mit Affenlauten zu begleiten, zeigt nur, dass Euer IQ knapp über dem eines verbrannten Toastbrotes liegt", schrieb Gunesch am Sonntagabend und bekam dafür viel Zustimmung.

"Schließt Euch zu Hause ein und labert mit dem rassistischen Müll Euren Wandteppich voll, aber verschont uns alle mit dem Gedankengut", fuhr Gunesch fort.

"Rassismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!!"

Da Costa hingegen versucht, die Vorkomnisse zu verarbeiten. "Ich habe jetzt mal eine Nacht darüber geschlafen, kann das gut einordnen, versuche das auszublenden und werde mich weiter auf das Sportliche konzentrieren?, so der Verteidiger gegenüber SPORT1.fm.

Kurz: Rufe ein Wahnsinn

Trainer Marco Kurz nannte die Rufe "einen Wahnsinn".

Gunesch (29) hatte auf der Ingolstädter Bank gesessen und offensichtlich die Beschimpfungen genau mitbekommen.

Da Costa sei nach dem Spiel ziemlich konsterniert auf ihn zugekommen, sagte er in der "WDR"-Sendung "Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs".

Die Vereine sollten alle rechtsradikalen Tendenzen "im Keim ersticken". Er sei durch seine Zeit beim FC St. Pauli (2003 bis 2006) stark sensibilisiert.

Löwen entschuldigen sich

Währenddessen hat 1860-Geschäftsführer Robert Schäfer da Costa um Entschuldigung gebeten.

Zudem hat der Verein einen der Zuschauer dingfest gemacht und angezeigt - ein Stadionverbot soll folgen.

"Jegliche Beschimpfungen dieser Art haben bei unseren Spielen nichts verloren", sagte Schäfer. "Wir sind unserem Ordnungsdienst sehr dankbar, der sofort professionell und konsequent reagiert hat. So konnten wir die Person identifizieren und haben das Verhalten zur Anzeige gebracht. Zudem werden wir umgehend ein Stadionverbot aussprechen."

Jeder Fall dieser Art sei ein Fall zu viel. "Personen mit solchem Gedankengut sind keine Löwenfans. Wir wollen sie weder bei uns im Verein noch bei uns im Stadion haben. Bei diesem Thema haben wir null Toleranz und verurteilen das aufs Schärfste", sagte Schäfer in einer offiziellen Mitteilung des Vereins.

Münchnern droht Strafe

Den Sechzigern selbst droht allerdings auch ohne einen Sonderbericht von Schiedsrichter Meyer eine Strafe durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB).

"Wir können bestätigen, dass der Kontrollausschuss bezüglich der Vorkommnisse während des Spiels 1860 München gegen FC Ingolstadt Ermittlungen aufgenommen hat", sagte der stellvertretende DFB-Generalsekretär Stefan Hans am Montagmittag.

"Rassismus als Gesellschaftsproblem"

Für Sportsoziologe Pilz ist die Bestrafung der Klubs jedoch nicht die Königslösung. "Strafen lösen das Problem nicht, man muss an den Ursachen ansetzen. Dabei ist die gesamte Gesellschaft gefordert, nicht nur der Fußball."

Die rassistischen Anfeindung von Akteuren im Profifußball sieht Pilz jedoch nur als Spitze des Übels. "Rassismus ist kein Problem des Fußballs, sondern ein gesellschaftliches Problem."

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