Hertha BSC ist in der Zweiten Liga seit 21 Spielen ohne Niederlage © imago

Nach dem Sieg gegen Lautern steht Hertha vor dem Aufstieg. Glückwünsche kommen gar aus Chicago. Aber der Coach dämpft.

Von Jakob Gajdzik

München/Berlin - Am Ende sah alles schon verdächtig nach Aufstieg aus:

Nach dem 1:0-Sieg von Hertha BSC gegen den 1. FC Kaiserslautern (Bericht) ließen sich die Berliner in der Kurve des Olympiastadions von ihrem Anhang feiern.

13 Punkte Vorsprung auf Relegationsplatz drei, dazu erstmals in dieser Saison Tabellenführer: Die Berliner stehen ganz nah davor, den Unfall Abstieg zu korrigieren und nach nur einem Jahr im Unterhaus die Hauptstadt schon bald wieder in der Bundesliga zu vertreten. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Selbst aus dem fernen Chicago trudelten Glückwünsche ein:

"Gratulation an Hertha BSC. Der Aufstieg scheint besiegelt. Ihr könnt euch nur noch selbst schlagen", twitterte der langjährige Kapitän Arne Friedrich aus den USA.

"Jungs wollen Bundesliga spielen"

Bei SPORT1 ließ sich auch Hertha-Manager Michael Preetz von der Euphorie anstecken: "Die Jungs wollen nächstes Jahr alle wieder Bundesliga spielen. Dafür war das der richtige Schritt."

Nur einer hatte wenig überraschend die Ruhe weg. Berlins Trainer Jos Luhukay blieb trotz der ausufernden Euphorie sachlich wie immer.

"Das nehme ich gerne an, wenn es soweit ist", wollte der Niederländer bei SPORT1 noch nichts von Aufstiegs-Glückwünschen hören - und ergänzte: "Wir bleiben nüchtern und realistisch."

Realistisch spricht indes vieles für die Rückkehr in Liga eins: 21 Spiele ohne Niederlage, dabei 15 Siege und sechs Remis geholt, bester Sturm (45 Sturm) und beste Abwehr (18 Gegentore) der Liga - das sind Zahlen eines Aufsteigers.

"Vieles noch verbesserungswürdig"

Zu mehr als "wir haben unsere Ausgangsposition verbessert" ließ sich Luhukay dennoch nicht verleiten.

Und ergänzte sogar: "Wenn man das Spiel gesehen hat, ist noch vieles verbesserungswürdig."

Matchwinner Peer Kluge, der mit dem Tor des Tages Hertha erstmals am Ende eine Spieltags an die Spitze schoss (68.) und Eintracht Braunschweig nach monatelanger Dominanz auf Rang zwei rutschen ließ, sagte dagegen ohne Umschweife: "Das war ein enorm wichtiges Spiel. Es ist schön, dass wir den Vorsprung ausgebaut haben. Unser Ziel ist der Aufstieg."

Kluges erlösender Treffer

Kluges Treffer fiel nach einer schönen Kombination über Peter Niemeyer, dem eingewechselten Pierre-Michel Lasogga und eben Kluge.

Zuvor hatte sich die Hertha jedoch lange schwer getan, das dichte FCK-Abwehrbollwerk zu knacken.

Dabei wäre alles wohl leichter gelaufen, hätte Topscorer Ronny in der 2. Minute nicht einen Foulelfmeter verschossen.

Luhukay über Ronny: "Zu träge"

"Ich weiß nicht, ob er diesen Fehlschuss im Laufe des Spiel noch im Kopf hatte", sagte Luhukay hinterher über den Brasilianer und meinte: "Er hat nicht ins Spiel gefunden und war zu träge."

Die durchwachsene Leistung des Zweitliga-Topscorers, mit dem Gespräche über eine Vertragsverlängerung laufen, war mit ein Grund dafür, dass das Berliner Spiel lange lahmte und die Lauterer Abwehr zumeist alles im Griff hatte.

Mehr allerdings war von den Gästen aus der Pfalz kaum zu sehen: Offensiv fand die Mannschaft von Franco Foda nicht statt und hatte über 90 Minuten keine wirkliche Torchance.

Foda kritisiert Baumjohann-Rot

Nach nur einem einzigen Schuss Richtung Hertha-Tor monierte denn auch der Coach: "Wir haben zu wenig nach vorne investiert und hatten keine Passsicherheit."

Den Knackpunkt sah Foda allerdings in der "ungerechtfertigten Roten Karte" gegen Alexander Baumjohann (33.), der mit einem bösen Tritt Peter Pekarik erwischt, ihn aber nicht voll am Schienbein getroffen hatte.

"Im Fernsehen sieht es immer etwas schlimmer aus, als es eigentlich ist", verteidigte Foda seinen Spieler bei SPORT1 - eine strittige Einschätzung.

Köln drängt von hinten

Trotz der Niederlage in Berlin und nur zwei Siegen aus den vergangenen sieben Spielen dürfen aber auch die Pfälzer noch realistisch vom Aufstieg träumen:

Zwar schmolz der Vorsprung auf Verfolger 1. FC Köln, dennoch belegen die "Roten Teufel" weiter den Relegationsplatz mit drei Punkten Vorsprung auf die "Geißböcke". "Wir können den dritten Platz noch aus eigener Kraft packen, deswegen sind wir optimistisch, dass es klappt", so Foda.

Dann würden sich ähnliche Bilder wie in Berlin auch in Kaiserslautern abspielen.

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