SPORT1-Reporter Fabian Greve spricht über Stanislawskis Rückkehr ans Millerntor. Er verpasst Ex-Klub St. Pauli einen Stich.

Vor dem Spiel gegen Köln drehte sich fast alles um die Rückkehr von Holger Stanislawski in sein Königshaus.

Erstmals betrat der Volksheld in einem Pflichtspiel wieder das Millerntor. Schon bei der Busankunft warteten und grölten die St. Pauli-Fans, dann gab es natürlich zahlreiche Umarmungen mit alten Weggefährten.

Selbstverständlich bekam er auch seine geliebet Kanne Kaffee und ein Raucherzimmer zur Verfügung gestellt!

Der Trubel nahm kein Ende als sich Stani im Stadion zeigt. Er wird gefeiert, er lacht, er winkt - aber nein, er weint nicht! Im Gegenteil: er jubelt!

Schon nach 3 Minuten bringt Christian Clemens den 1.FC Köln in Führung und Romantik, Nostalgie oder Wiedersehensfreude sind bei den St. Pauli-Fans verflogen.

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Das Team von Stanis Trainerkollegen Michael Frontzeck müht sich, wehrt sich, sucht nach einer Antwort. Sucht nach einer Initialzündung, schwächt sich aber durch Thorandts Gelb-Roter Karte kurz vor der Pause selbst.

Was die Kiezkicker dann in der zweiten Halbzeit in Unterzahl an Leidenschaft, Kampf und Herz "rausgehauen" haben, ist aller Ehren wert. Vor der Rekordkulisse von 29.063 Fans spielte St.Pauli "Barfuß oder Lackschuh", warf sich in jeden Ball, rannte, machte und hatte auch Chancen zum Ausgleich.

Aber er fiel nicht! Und nun kommen - bei allem Lob für den aufopferungsvollen Kampf - die Fakten: Zwei von 15 möglichen Punkten in der Rückrunde, ein einziger Treffer per Elfmeter, die schlechteste Rückrundenmannschaft, nur noch drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz!

Eine Bilanz des Grauens. St.Pauli präsentiert sich derzeit wie das Musical, das jahrelang auf der Reeperbahn lief: "Little Shop of Horrors".

Dem erhofften und angepeilten Anschluß ans Mittelfeld folgte somit der Sturz in die Krisenregion. Ja, auch ich weiß: die Mannschaft ist jung. Ja, der Umbruch war groß. Ja, die Mannschaft lebt und ja, es ist nur noch eine Frage der Zeit bis der Erfolg wieder zurückkehrt.

Diese Sätze hört man immer wieder. All diese Aussagen sind sicherlich auch nicht ganz falsch, aber ist nicht viel entscheidender: kann das junge Team Abstiegskampf? Warum stagniert die Mannschaft nachdem sie sich unter Frontzeck zunächst stabilisiert hat? Reichen "St. Pauli-Tugenden" und Nervenkostüm in dieser Situation? Puh, wenn ich das bloß wüßte!

Den nächsten Fingerzeig gibt's gleich am Freitag zuhause gegen den FSV Frankfurt. Ohne das Gelb-Rot gesperrte Innenverteidigerpaar Thorandt und Mohr und den verletzten Fin Bartels.

Personaldecke und Luft werden dünner auf dem Kiez - oder wie es Fabian Boll in der Fußballersprache ausdrückte: "Die Lage ist prekär aber nicht hoffnungslos". Und ausgerechnet die Elf von "Kiezkönig" Holger Stanislawski hat sie da hineinmanövriert. Mehr als nur ein Stich ins Herz?.

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