Der 1. FC Köln blieb gegen St. Pauli im zehnten Ligaspiel in Folge ungeschlagen © imago

Der FC macht durch den Sieg bei St. Pauli Boden auf den Relegationsplatz gut. Dennoch fürchtet Stanislawski um seine Gesundheit.

Von Rainer Nachtwey

Hamburg/München - Holger Stanislawski fürchtete um seine Gesundheit.

"Wenn das so weitergeht, werde ich wahrscheinlich irgendwann in meinem Stuhl zusammensacken", sagte der Coach des 1. FC Köln bei SPORT1.

Gerade hatte seine Mannschaft das Gastspiel bei seinem langjährigen Arbeitgeber FC St. Pauli 1:0 gewonnen (Bericht), die vergebenen Chancen der Kölner schienen jedoch noch immer am Nervenkostüm des Trainers zu zerren.

"Ich habe manchmal das Gefühl, die Spieler machen das mit Absicht, um mich zu ärgern", meinte der Coach und fügte dann doch gut gelaunt an: "Aber schlagen darf ich meine Spieler ja nicht."

Clemens gelingt Siegtreffer

Sechs, sieben, acht Riesenmöglichkeiten hätten seine Mannen vergeben, rechnete der sichtlich gezeichnete Stanislawski vor und schüttelte ungläubig den Kopf.

Dabei hatten seine Profis zunächst alles getan, um die Nerven des 43-Jährigen zu schonen. Schlitzohrig zirkelte Christian Clemens einen Freistoß um die schlecht postierte Mauer herum ins Eck: Die frühe Kölner Führung (3.).

"Clemens muss die Verantwortung tragen, er kann das auch. Sein Tor freut mich für ihn", lobte der Coach den Siegtorschützen.

Köln muss zittern

Nach dem 1:0 war es für Stanislawski dann aber eine Partie zwischen Zittern und Bangen: Winterzugang Stefan Maierhofer (45., 77.) und Anthony Ujah (56.) vergaben gute Einschussmöglichkeiten, auch die numerische Überlegenheit nach dem Platzverweis für Markus Thorandt (43.) verhalf den Kölnern nicht zu mehr Sicherheit.

Stattdessen wirkten sie konfus, ließen sich von der Hektik anstecken.

"St. Pauli hat auch in Unterzahl das Spiel brutal intensiv geführt", analysierte Stanislawski. Sein Hamburger Kollege Michael Frontzeck stellte bei SPORT1 fest: "Wir haben sehr leidenschaftlich gespielt."

Zum entscheidenden Schlag langte es für die Platzherren dennoch nicht. Stanislawski zeigte sich von seinem Ex-Klub dennoch beeindruckt: "Das Spiel kann bei so etwas kippen und dann lässt man wieder zwei Punkte liegen."

Sechs Punkte Rückstand

Durch den Sieg rückten die Kölner bis auf sechs Punkte an den Relegationsrang und den dort platzierten 1. FC Kaiserslautern heran (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle). St. Pauli hängt hingegen weiter im Tabellenkeller fest, hat gerade einmal drei Zähler Vorsprung auf den Tabellen-16. Dynamo Dresden.

"Wir wissen, dass es ein Kampf bis zum letzten Spieltag wird. Die Situation ist prekär aber nicht hoffnungslos", meinte Kapitän Fabian Boll bei SPORT1.

Torwart Philipp Tschauner fügte hinzu: "Wenn man keine Tore schießt, kann man auch keine Spiele gewinnen. Wir haben aber gesehen, dass wir leben und die Mannschaft intakt ist. Irgendwann stoßen wir den Bock um."

Stanislawski fühlt mit St. Pauli

Auch Stanislawski quält die missliche Lage seines früherer Arbeitgebers. 18 Jahre lang war er Teil des Vereins: Als Spieler, Sportdirektor, Vizepräsident und bis 2011 als Chefcoach. "Dass ich eine Verbundenheit zu dem Verein habe, steht außer Frage. Natürlich tut es mir weh, dass St. Pauli da unten steht", sagte Stanislawski.

Für Schmerzen beim Kölner Trainer sorgten also nicht nur die eigenen Spieler.

Weiterlesen