Seit Sommer 2012 Trainer des 1. FC Köln: Holger Stanislawski © getty

Knapp zwei Jahre nach seinem Abschied bei St. Pauli kehrt Holger Stanislawski am Abend mit dem 1. FC Köln nach Hamburg zurück.

Von Tom Vaagt und Reinhard Franke

München/Hamburg - Schon der Weg zum Spiel wird für Holger Stanislawski emotional.

Vorbei an manchem Ort, der sein Leben prägte, geht es in Richtung des Heiligengeistfeldes. Ab ins Millerntorstadion des FC St. Pauli.

18 Jahre war er für den Hamburger Kultklub tätig. Hier war er Spieler, Sportdirektor, Vizepräsident. Und bis 2011 Cheftrainer. Dann ging es nach einem freudlosen Intermezzo bei 1899 Hoffenheim zum 1. FC Köln.

Köln hofft weiter auf Aufstieg

Als Coach der Rheinländer muss er Montagabend (ab 20 Uhr LIVE-TICKER und LIVE im TV auf SPORT1) seiner alten Liebe wehtun - und zwar kräftig.

Köln braucht einen Sieg, um sich an die Aufstiegsränge heranzupirschen und den Traum von der Rückkehr in die Bundesliga am Leben zu erhalten. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Dass St. Pauli im Tabellenkeller ebenfalls jeden Zähler benötigt, macht es für Stanislawski nicht gerade leichter. "Es ist angerichtet für einen hochemotionalen Abend", sagt der Coach: "Für mich ist es logischerweise eine besondere Partie."

Horn: Signal an Liga senden

Weniger emotional, dafür aber umso pragmatischer gehen seine Spieler in die Begegnung.

"Da Kaiserslautern am Sonntag zwei Punkte liegen gelassen hat, sehen wir natürlich schon unsere Chance, den Abstand zum dritten Platz auf sechs Punkte zu verringern", sagt FC-Torhüter Timo Horn im Gespräch mit SPORT1.

Es gehe darum, "ein Signal an die Liga zu senden"

Angespannte Lage bei St. Pauli

St. Paulis Fans dürften das Ganze nicht ganz so zielgerichtet und nüchtern angehen. Nach der Rückkehr in die Zweite Liga hatten sie Stanislawski vor knapp sechs Jahren kurzerhand heilig gesprochen. "St. Anislawski" war geboren. Nun muss der einst so Gepriesene dem Klub seines Herzens die Hölle heiß machen.

Die Situation bei den Hamburgern ist angespannt. Der letzte Sieg liegt zweieinhalb Monate zurück, zuletzt gab es ein peinliches 1:4 bei Aufsteiger SV Sandhausen.

Trainer Michael Frontzeck, seit Oktober 2012 im Amt, hat bisher weder die eigenen noch die Ansprüche des Umfeldes erfüllt.

Hamburger ohne Konstanz

Zwar ging es unter dem 48-Jährigen insgesamt bergauf, doch Konstanz ist am Millerntor noch nicht eingekehrt. Guten Spielen folgen immer wieder durchwachsene Partien - oder gar knallharte Rückschläge wie die Pleite am vergangenen Wochenende.

"Trotz des schlechten Spiels in Sandhausen werde ich nicht alles in Frage stellen", betonte der Coach und gab sich kämpferisch: "Wir können die Situation aus eigener Kraft bewältigen."

Boll als Hoffnungsträger

Ein kleiner Hoffnungsschimmer ist dabei die Rückkehr von Mannschaftskapitän Fabian Boll. "Sobald man mich braucht, bin ich da. Wie lange ich spielen kann, werden wir sehen", sagte der Mittelfeldspieler, der seinem Team in den vergangenen Monaten verletzungsbedingt an vielen Ecken und Ende fehlte.

Doch Bolls Rückkehr allein wird gegen die in der Liga seit neun Spielen ungeschlagenen Kölner nicht reichen. Eine Leistungssteigerung in allen Mannschaftsteilen muss her.

"Wir haben in dieser Saison schon oft gezeigt, dass wir gegen Mannschaften aus dem oberen Drittel der Tabelle richtig gute Leistungen abrufen können", sagte Frontzeck. Für Freundschaften ist da kein Platz.

Offener Brief an Stani Co.

Auch wenn sich der FC St. Pauli auf der eigenen Homepage ganz freundschaftlich an Ex-Trainer Stanislawski und seine beiden Co-Trainer Andre Trulsen und Klaus-Peter Nemet wandte.

"Es tut uns leid, so ehrlich sein zu müssen, wir mögen Euch ja, aber manchmal kann es nur einen geben und mal ganz ehrlich, weder Ihr noch wir wären mit einem Punkt zufrieden", heißt es dort in einem offenen Brief: "Für die 90 Minuten sind uns Eure Gefühle egal."

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