Dynamo wurde wegen wiederholter Fanaus- schreitungen vom DFB-Pokal ausgeschlossen © getty

Nach der jüngsten Randale herrscht Alarmstimmung. Legende Dörner fürchtet eine "Katastrophe", der Klub setzt ein erstes Zeichen.

Von Tobias Wiltschek

München - "Unser Verein ist in seiner Existenz bedroht."

Mit diesem Hilferuf reagierte Dynamo Dresdens Geschäftsführer Christian Müller bei SPORT1 (zum Interview) auf die neuerlichen Randale beim Auswärtsspiel der Sachsen beim 1. FC Kaiserslautern. (Bericht)

Am Freitag hatten Chaoten in Dynamo-Montur auf dem Messeplatz der pfälzischen Stadt randaliert und Pendelbusse angegriffen.

Für Müller machen diese Kriminellen "das Ansehen unseres Vereins kaputt".

Drei Auswärtsspiele ohne Fans

Bei einer außerordentlichen Präsidiumssitzung beschlossen die Klub-Verantwortlichen, wegen der Vorkommnisse die eigenen Fans bei den kommenden drei Auswärtsspielen in Aue, Braunschweig und bei Union Berlin auszusperren.

An der Berufungsbegründung gegen den Pokalausschluss für die kommende Saison wolle man festhalten, erklärte Dynamo-Präsident Andreas Ritter.

Alarmstimmung in Dresden

Generell herrscht in Dresden Alarmstimmung. Die Sorge, dass die wiederholten Krawalle zum kompletten Absturz des Vereins führen könnten, geht um an der Elbe.

Dynamo-Legende Hans-Jürgen Dörner macht sich im Gespräch mit SPORT1 die gleichen Sorgen wie Müller.

"Wenn man so lange bei dem Verein gespielt hat wie ich und sieht, was hier ringsherum passiert, dann muss man schon besorgt sein", sagt Dörner, der es auf 392 Oberliga-Spiele für Dynamo gebracht hatte. Kein anderer trug häufiger das schwarz-gelbe Trikot.

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Dörner: "Man muss besorgt sein"

Auch Dörner rätselt, weshalb die Probleme vor allem bei Auswärtsspielen auftreten. Denn, so der 100-malige DDR-Nationalspieler: "Im eigenen Stadion haben wir die Probleme seit ein, zwei Jahren ja nicht mehr".

Sollte der Verein vor den Fan-Problemen kapitulieren oder er aus wirtschaftlichen Gründen wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, wäre das "eine Katastrophe für den Verein und das Umfeld".

Schließlich habe man jahrelang gebraucht, um wieder in die Zweite Liga zu kommen und sich wirtschaftlich einigermaßen zu stabilisieren. "Wenn jetzt der erneute Rückschlag käme, wäre es sehr schwer wieder zurückzukommen."

Resignation und Kopfschütteln

Auch in der Stadt macht man sich Sorgen um das Aushängeschild Dynamo.

"Über die Ausschreitungen, die vor allem bei Auswärtsspielen passieren, gibt es doch sehr viel Kopfschütteln. Zum Teil gibt es auch Resignation und Unverständnis über diese Dinge, die dort passieren", sagt Kai Schulz, Sprecher der sächsischen Landeshauptstadt, zu SPORT1.

Der Verein und die Stadt hätten in den vergangenen Jahren viel für die Fans getan. "Die Stadt Dresden hat beispielsweise ein Haus erworben, in dem das Fanprojekt untergebracht ist", erklärt Schulz.

Zeichen von den Fans gefordert

Außerdem versuche man, in der Jugendförderung mit Dynamo eng zusammenzuarbeiten.

"Das hat in Teilen sicherlich gefruchtet. Aber wir sind an einem Punkt angekommen, wo auch die Fans ein klares Zeichen setzen müssen", fordert Schulz.

"Man kann sich hier nicht hinter irgendwelchen Ausreden verstecken und sagen, es seien einige Gewaltbereite und die ziehen den ganzen Verein runter."

Hoffen auf Gegenbewegung

Schließlich leide auch die Stadt und ihr Image unter den schlechten Nachrichten über Dynamo Dresden.

Für einen Abgesang auf den einstmals erfolgreichen Traditionsverein ist es Schulz noch zu früh, er betont aber: "Hoffentlich setzt jetzt eine Gegenbewegung ein, die erkennt, wie brisant und gefährlich die Situation ist."

Entscheidend sei, dass es der Mehrheit der Fans gelinge, diese Gruppe von gewaltbereiten Fans zu isolieren.

"Das scheint für mich der einzige Weg zu sein, um einen Schritt nach vorne zu kommen."

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