Christian Müller ist seit Juni 2012 Geschäftsführer bei Dynamo Dresden © getty

Dynamo-Boss Christian Müller ist nach den erneuten Krawallen von Dresdens Fans erschüttert. Der Klub bange um seine Existenz.

Von Felix Götz

München - Der Schock bei Dynamo Dresden ist groß.

Die erneuten Krawalle der "Fans" im Zuge der 0:3-Pleite beim 1. FC Kaiserslautern (Bericht) haben den Klub aus der sächsischen Landeshauptstadt in seinen Grundfesten erschüttert.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Für uns ist das eine Katastrophe. Es beschämt uns und macht uns tief betroffen", sagte Dynamos Geschäftsführer Christian Müller zu SPORT1.

Wie es nun weitergeht ist offen. Die Zukunft des Vereins steht auf der Kippe.

Im SPORT1-Interview spricht Müller über Dynamos Hilflosigkeit im Kampf gegen die Chaoten, eine mögliche Aufgabe, die Schwierigkeit, die Kriminellen dingfest zu machen - und Dresdens Einspruch gegen den DFB-Pokal-Ausschluss.

"Für uns ist das eine Katastrophe"

SPORT1: Herr Müller, wie bewerten Sie die Vorkommnisse in Kaiserslautern mit zwei Tagen Abstand?

Christian Müller: Für uns ist das eine Katastrophe. In der Kurve der Lauterer gab es zu Beginn Wunderkerzen - damit kann man gut leben. Bei uns waren es Fackeln und dicke Rauchschwaden. Nach dem Spiel haben sich fassungslos machende Übergriffe abgespielt. Das waren wohl Leute, die Dynamo Dresden zuzuordnen sind. Das beschämt unseren ganzen Verein sehr und macht uns tief betroffen.

SPORT1: Die Ausschreitungen in Lautern waren nicht die ersten, die Dynamo zuzuordnen sind. Macht sich allmählich Hilflosigkeit breit?

Müller: Natürlich. Im Augenblick müssen wir erkennen, dass wir der Lage nicht Herr werden. Dynamo tut - anders als in der Öffentlichkeit vermutet wird - sehr viel dafür, um mit den Fans in den Dialog zu treten. Das, was in Dortmund, in Hannover und nun in Kaiserslautern passiert ist, schadet dem Ansehen unseres Vereins in hohem Maße. Das führt die Arbeit von vielen Ehrenamtlichen und den Leuten in der Geschäftsstelle ad absurdum.

SPORT1: Also ist Dynamo nicht mehr weit davon entfernt, im Kampf gegen die Chaoten aufzugeben?

Müller: Wir sind nicht weit davon entfernt, wir stehen am Scheideweg. Unser Verein ist in seiner Existenz bedroht.

SPORT1: Das klingt drastisch?

Müller: In Kaiserslautern ist es - nach allem was ich bisher weiß - nach dem Spiel zu unfassbaren Ausschreitungen gekommen. Das macht nachdenklich. Aber wie gesagt: Wir müssen das erst genauer analysieren.

SPORT1: Die Problematik tritt eigentlich nur bei Auswärtspartien an den Tag. Warum?

Müller: Bei unseren Heimspielen haben wir größtenteils eine gute Situation. Es ist offenbar so, dass wir bei unseren Auswärtsspielen, vor allem in großen Stadien, ein Klientel anlocken, das nicht auf den Fußballplatz gehört. Das sind Kriminelle. Wir werden nun alle möglichen Schritte durchdenken, um diese Leute nicht mehr in unserem Block zu haben.

SPORT1: Können Sie einschätzen, um welche Leute es sich dabei handelt?

Müller: Wir wissen es nicht genau. Vielleicht sind es Leute, die wir von Dresden aus gar nicht erreichen. Exil-Dresdner - wie ich sie nenne - die irgendwann in die westlichen Bundesländer übergesiedelt sind. Oder es sind Leute, die gar nichts mit Dynamo im Sinn haben und den passenden Tummelplatz für Randale gefunden haben.

SPORT1: Warum kommt man an die Täter nicht ran?

Müller: Wir haben selbst dann Schwierigkeiten, die Täter zu identifizieren, wenn es gute Bilder gibt. Die ganze Strafverfolgung spielt uns dabei nicht gerade in die Karten. Wie auch immer. Fakt ist: Bei unseren Auswärtsspielen muss sich grundlegend etwas ändern. So geht es nicht weiter.

SPORT1: Was kann man überhaupt noch tun als Verein?

Müller: Ich bitte um Verständnis. Ich will den Diskussionen, die wir in den nächsten Tagen haben werden, jetzt nicht vorgreifen.

SPORT1: Welche Hilfe muss von außen - von der Polizei oder dem DFB - kommen?

Müller: Bei der Verabschiedung des Sicherheitskonzepts durch DFL und DFB haben wir gefordert, die Mitwirkung von Ordnern des Auswärtsvereins noch zu intensivieren und mit höherer Verbindlichkeit durchzuführen. In Kaiserslautern waren zehn Ordner aus Dresden dabei. Die durften allerdings nur eine beratende Rolle übernehmen. Die mussten teilweise mit ansehen, dass Dinge schief liefen, die sie selbst anders gemacht hätten. Wenn unsere Empfehlungen da noch ein besseres Gehör fänden, wäre das gut für uns.

SPORT1: Warum sollten Dynamo-Ordner mit gewaltbereiten Fans besser umgehen können?

Müller: Weil wir leider Erfahrung damit haben. Da braucht es eine intensivere Kontrolle als bei anderen Fans. Das Miteinander zwischen den Klubs müssen wir verbessern. Wenn man Täter identifiziert hat, brauchen wir Möglichkeiten, diese schneller mit einem Stadionverbot zu belegen oder sie darüber hinausgehend zu bestrafen. Der Schaden, der für Dynamo Dresden durch die Vorkommnisse rund um die Spiele entstanden ist, geht in den siebenstelligen Bereich.

SPORT1: Sie haben Einspruch gegen den DFB-Pokal-Ausschluss von Dynamo eingelegt. Ist es nach den Vorkommnissen in Lautern ein Thema, den womöglich zurückzuziehen, weil einem die Argumente ausgehen?

Müller: Es war jedenfalls ein verheerendes Signal. Obwohl wir eigentlich glauben, gute Argumente dafür zu haben, nicht ausgeschlossen zu werden. Sicherlich werden aber Dinge anders zu betrachten sein, als es noch vor Freitag der Fall war.

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