Jos Luhukay (l.) führte bereits Mönchengladbach und Augsburg zum Aufstieg © getty

Ex-Hertha-Stürmer Axel Kruse nimmt vor dem Berliner Stadtderby die Brisanz aus der Partie. Hertha-Fans beschmieren den Bus des Gegners.

Von Jakob Gajdzik

München - Berlin steht Kopf.

Nicht nur die Berlinale sorgt in der deutschen Hauptstadt für Aufregung und Emotionen, auch auf dem Rasen fiebern die Fans mit dem Derby Hertha BSC gegen Union (ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) einem Höhepunkt entgegen.

Groß gegen Klein, West gegen Ost - für viele Berliner ist das Stadtduell das Spiel des Jahres., die Partie im Olympiastadion ist natürlich längst ausverkauft.

"Es geht um die Ehre", verkündete Hertha-Trainer Jos Luhukay in der "Bild"

"Weit entfernt von einem Hassduell"

Auch die Fans nehmen das mit der Ehre sehr genau: Denn Fans der Hertha haben in der Nacht vor dem Derby den Mannschaftsbus des Stadtrivalen beschmiert. Die Anhänger sprühten auf den eisengrauen Union-Bus mit Farbdosen den Schriftzug "Hertha BSC" und die blau-weiße Klub-Fahne.

"Der Bus ist inzwischen wieder sauber, die Farbe war relativ frisch und ging leicht wieder ab", sagte Union-Sprecher Christian Arbeit: "Für uns ist das Thema damit erledigt, wir hängen das nicht zu hoch."

Auch Ex-Profi Axel Kruse versucht bei SPORT1 etwas Brisanz herauszunehmen. "Das Spiel wurde erst vor zwei Jahren zum Ost-West-Duell gemacht. Das Spiel spiele ich nicht mit. Berlin ist seit über 20 Jahren wieder eine Stadt", sagte er.

"Eine gesunde Rivalität ist selbstverständlich da, aber von einem Hassduell oder ähnlichem ist das Spiel weit entfernt", erklärte der frühere Stürmer, der zwischen 1989 und 1991 und von 1996 bis 1998 die Schuhe für die Hertha schnürte.

Der selbsternannte "Hardcore-Herthaner" streicht in erster Linie den Spaßfaktor heraus: "Es ist ein schönes Stadtduell, auf das sich alle freuen."

Köpenick gegen Charlottenburg

Die Rivalität der "Eisernen" aus dem ehemaligen Ost-Teil Köpenick und der "Alten Dame", die im ehemaligen Westbezirk Charlottenburg beheimatet ist, ist in der Stadt aber dennoch ein großes Thema.

"2010 hat Union-Präsident Dirk Zingler die Ost-West-Thematik geschürt", sagte Kruse und spielte auf den Konflikt um die Stadionmiete an, als der Senat Hertha die Kosten für die Stadionmiete stundete und Zingler eine Wettbewerbsverzerrung anprangerte.

Zu DDR-Zeiten verband die Vereine noch eine Fanfreundschaft, heute spielt die Rivalität eine große Rolle. Wer das Derby verliert, dem ist innerhalb Berlins der Spott des gegnerischen Lagers sicher.

Quiring gießt Öl ins Feuer

Im Hinspiel goss zudem nach der 1:2-Heimniederlage in der Alten Försterei Unions Mittelfeldspieler Christopher Quiring zusätzlich Öl ins Feuer. "Wenn Wessis in unserem Stadion jubeln, krieg' ich das Kotzen", sagte er nach dem Spiel in die Mikrofone.

Sportlich stehen beide Berliner Klubs glänzend da. Union kann mit einem Sieg den Anschluss an den Relegationsplatz halten, der Hertha winkt bei einem Erfolg sogar erstmals die Tabellenführung.(DATENCENTER: Zweite Liga)

Mit dann zehn Punkten Vorsprung auf Platz drei wären die Herthaner dem Wiederaufstieg in der Bundesliga ein großes Schritt näher.

Krach beim Hertha-Training

Trotz Herthas guter Platzierung und einem komfortablen Punktepolster nach unten, regiert Trainer Jos Luhukay weiter mit harter Hand. Nach einer heftigen Trainings-Rangelei zwischen Pierre-Michel Lassogga und Maik Franz verbannte er beide Streithähne aus dem Kader. (Bericht)

Bei Kruse stößt der Trainer damit auf Verständnis.

"Herthas erste Halbzeit in Regensburg war nicht gut. Luhukay kann Bequemlichkeit überhaupt nicht vertragen und warnt die Mannschaft von Beginn an. Er spricht die Dinge offen und direkt an", lobte der 45-Jährige den Niederländer.

Kruse von Union nicht überrascht

Von der guten Saison der "Eisernen" ist Kruse ebenfalls nicht erstaunt: "Für mich ist Unions Platzierung keine Überraschung. Ich habe bereits vor der Saison gesagt, dass Union um den Aufstieg mitspielen kann."

Union hat nur eines der letzten neun Spielen verloren und sich langsam an die die Spitzengruppe herangepirscht. "Sie haben eine gute Mannschaft, die sich stetig weiterentwickelt hat und guten Fußball spielt. Ich traue ihnen Platz drei zu", ergänzte Kruse.

Auf einen Favoriten will sich Kruse beim insgesamt erst vierten Liga-Aufeinandertreffen der Hauptstadt-Klubs nicht festlegen.

"Keine Rolle ob zu Hause oder auswärts"

"Die Duelle sind immer sehr eng. Da geht es um alles, die Spieler sind immer besonders motiviert. Auch diesmal wird es ein enger Kick. Da spielt es auch keine Rolle, wer auswärts oder zu Hause spielt. Berlin ist Berlin", blickte er bei SPORT1 voraus.

Sollten beide Klubs am Ende tatsächlich den Aufstieg in die Bundesliga schaffen würde sich für Kruse "ein Traum" erfüllen.

"Das Derby in der Bundesliga wäre der Wahnsinn", so der Ex-Stürmer.

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