Florian Riedel (l.) spielte bisher für Hertha BSC II, AGOVV Apeldoorn und den VfL Osnabrück © getty

Bei Lauterns Sieg bei 1860 München wird das Talent zum Held. Das Tor schenkt er der Freundin. Die "Löwen" reagieren genervt.

Aus der Allianz Arena berichtet Reinhard Franke

München - Florian Riedel strahlte über das ganze Gesicht.

Und der Abwehrspieler war mitteilungsbedürftig. Nass geschwitzt trat er in Badeschlappen vor die wartenden Reporter.

Der Mann des Abends war überglücklich, der Grund lag auf der Hand. Riedels Tor zum 1:0-Auswärtssieg bei 1860 München lässt den 1. FC Kaiserslautern (Bericht) weiter vom Aufstieg träumen.

Ganze 47 Sekunden nach seiner Einwechslung machte Riedel mit seinem ersten Profi-Treffer den Sieg perfekt, wodurch die "Roten Teufel" ihren Relegationsplatz festigen und den ersten Verfolger Union Berlin mit nun fünf Punkten auf Distanz halten. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Der Trainer weiß, dass ich mich immer reinhaue, egal bei welchem Spielstand. Mir war einfach wichtig, dass ich den Ball richtig gut treffe", sagte Riedel gegenüber SPORT1.

Vier von sechs Neuen

"Ich kann mich aber gar nicht mehr so gut erinnern, weil ich danach unter ganz vielen rot-weißen Leibchen begraben war."

Trainer Franco Foda, der vier von sechs FCK Neuzugängen von Beginn an brachte, war "rundum zufrieden über die drei Punkte bei einem Mitkonkurrenten um Platz drei".

Riedel verriet derweil eine witzige Geschichte, die sich in der letzten Woche zugetragen hatte.

"Wollte mich bekochen lassen"

"Ich wollte vorbildlich sein und dachte, dass ich mal bei uns in der Kantine essen gehe, weil ich alleine wohne und selten für mich koche. Also wollte ich mich bekochen lassen. Stefan Kuntz (FCK-Vorstandsvorsitzender, Anm. d. Red.) kam zu mir und meinte ich solle doch unbedingt den Pfälzer Saumagen (Pfälzer Leibspeise, Anm. d. Red.) probieren", sagte Riedel verschmitzt lächelnd.

"Vom äußerlichen hätte ich den eigentlich liegen gelassen, aber dann hat das Ding richtig gut geschmeckt, ich bekam nur hinterher eine Standpauke vom Trainer, weil das viel zu fettig sei."

Tor für die Freundin

Im Training habe sich der 22-Jährige den einen oder anderen Spruch von Foda anhören müssen.

"Wahrscheinlich muss ich jetzt für die ganze Mannschaft Saumagen springen lassen", scherzte der Matchwinner.

Das goldene Tor widmete Riedel seiner Freundin Liv, die in Hongkong International Business Management studiert. Liebesgrüße nach Hongkong also.

"Das war erst mein siebtes Spiel für den FCK und ich hoffe, dass sie mein Tor im Internet sehen wird."

"Können wir richtig etwas reißen"

Und er fügte an: "Wenn wir so spielen wie wir gemeinsam gejubelt haben, können wir richtig etwas reißen in den letzten 14 Spielen."

Einer wollte sofort etwas reißen: Rückkehrer Erwin Hoffer. Er kam rein und machte gleich mächtig Wirbel.

"Wir können sehr zufrieden sein mit den drei Punkten in München", sagte Hoffer zu SPORT1.

"Ich wollte heute einfach mit frischem Wind helfen."

Karl mit starkem Debüt

Ein anderer Neuer, Markus Karl, von Union Berlin zum FCK gewechselt, war sogar bester Lauterer:

"Besser kann man sich den Einstand kaum wünschen", befand der Ex-Berliner.

"Das war heute eine konzentrierte Leistung. Es war noch nicht alles Gold, was glänzt, aber im Großen und Ganzen haben wir uns ganz gut zusammengefunden."

Hausaufgaben machen

Für Lauterns Torwart Tobias Sippel geht es erstmal darum, Platz 3 zu sichern: "Wir konnten mit dem Sieg unseren Vorsprung ausbauen, Freitag gegen Dresden müssen wir nachlegen."

Sippel bescheinigte Karl ein "Riesenspiel".

"Unsere Neuen haben das heute richtig gut gemacht." Und er verriet das neue Ziel des FCK: "Wir wollen Erster in der Rückrundentabelle werden."

Herber Rückschlag für 1860

Solche Rechenspiele können sich die "Löwen" wohl endgültig sparen.

Mit einem Dreier wäre man bis auf zwei Punkte an die Pfälzer rangekommen, so dürfte sich das Thema Aufstieg erledigt haben.

"Man kann nach dieser Niederlage nicht glücklich sein", sagte 1860-Keeper Gabor Kiraly.

Den Aufstiegstraum will er aber nicht aufgeben. "Wir haben uns wahnsinnig viel für die Rückrunde vorgenommen, da kann man nicht nach dem ersten Fehler gleich Stopp sagen. Wir werden bis zum 34. Spieltag alles geben."

"Heute war das wichtigste Spiel der Saison für uns", meinte Kai Bülow, der zu allem Überfluss nach einem Ellbogentreffer von Lauterns Mo Idrissou aus dem Mund blutete und einen Zahn verlor.

Schmidt: "Hätten Sieg mehr verdient gehabt"

"Löwen"-Zugang Malik Fathi meinte nur: "Wir haben gut gespielt, aber das nützt am Ende nichts. Mit noch mehr Cleverness hätten wir gewonnen. Das Ergebnis ist einfach nur scheiße."

1860-Trainer Alexander Schmidt tat seine Mannschaft einfach nur leid.

"Das war ein Spiel auf Augenhöhe. Wenn ich aber die Tore vorne nicht mache, werde ich am Ende bestraft", kommentierte er.

Der Coach sprach geknickt von einem "Dämpfer", machte seiner Truppe aber auch Mut für die nächsten Aufgaben. "Wir hätten den Sieg mehr verdient gehabt als Kaiserslautern."

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