SPORT1-Experte Peter Neururer ist von Berlins Auftritt gegen Köln enttäuscht. Braunschweig sei ein verdienter Herbstmeister.

Liebe Fußball-Freunde,

vom Klang und vom Namen her war die Partie zwischen Hertha BSC Berlin und dem 1. FC Köln gefühlte und gehörte Erste Liga.

Die Atmosphäre im Stadion war aber bedrückt, weil sich die Fans aus Protest gegen das geplante DFL-Sicherheitskonzept 12:12 Minuten ruhig verhalten haben.

Und so hat die Hertha gegen Köln auch teilweise gespielt, ohne großes Herz, ohne Biss und Leidenschaft.

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Die Kölner waren sehr diszipliniert und standen tief. Die Herthaner haben die wenigen Chancen, die sie hatten, nicht genutzt. Deshalb war es ein Unentschieden der durchschnittlichen Art.

Die Kölner Leistung spiegelt eigentlich die bisherige Saison wieder. Der 1. FC Köln hat - wie von Vereinsseite zu hören war - einen Umbruch und möchte ja "gar nicht aufsteigen". Köln genügt momentan seinem Anspruch. Von daher kann man das noch nachvollziehen.

Bei der Hertha sieht es anders aus. Berlin ist zum Aufsteigen verdammt, ansonsten gibt es ein finanzielles Desaster. Personell ist der Kader absolut am besten aufgestellt.

Ähnlich verhält es sich beim 1. FC Kaiserslautern, auch wenn Lautern nicht ganz so viele Möglichkeiten wie die Hertha hat.

Der FCK ist immer noch ungeschlagen, hat aber trotz des dritten Platzes immer noch nicht total überzeugt.

Deshalb wird im Augenblick die Liga verdientermaßen von einer Mannschaft dominiert, die zeigt, was es heißt, ein Team-Spiel zu praktizieren. Und das ist Eintracht Braunschweig.

Das Team fängt bei Marc Arnold an, geht über Trainer Thorsten Lieberknecht und endet mit dem Zeugwart. Dazwischen sind Spieler, die genau das spielen, was sie können - getragen von einer unglaublichen Atmosphäre in Heimspielen.

Und ganz wichtig: Sie werden von tollen Fans bei allen Auswärtsspielen begleitet, die sich fast immer ausnahmslos korrekt verhalten.

An dieser Stelle meinen Glückwunsch an Eintracht Braunschweig zur Herbstmeisterschaft.

Damit konnte man am Anfang der Saison nicht unbedingt rechnen, allerdings haben auch viele Mannschaften enttäuscht - unter anderem der VfL Bochum und der MSV Duisburg.

Beim MSV ist es sogar so, dass er gerade noch eine Insolvenz beiseiteschieben konnte. Aber man vergisst darüber hinaus, dass Duisburg vom sportlichen her fast schon Insolvenz anmelden muss.

Euer Peter Neururer

Peter Neururer analysiert als Experte die Zweite Liga im TV und Internet für SPORT1. Als Trainer arbeitete er u.a. für den 1. FC Köln, Hertha BSC, Schalke 04, Hannover 96 und den VfL Bochum. Zuletzt trainierte er von 2008 bis 2009 den MSV Duisburg.

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