Jos Luhukay (r.) stieg mit Köln, Gladbach und Augsburg in die Bundesliga auf © getty

Vor dem Spiel gegen Köln spricht Herthas Trainer Jos Luhukay bei SPORT1 über den Erfolg in Berlin und das Duell gegen seinen Ex-Klub..

Von Reinhard Franke

München - Sein Markenzeichen ist der Schnäuzer. Nicht um alles Geld der Welt würde sich Jos Luhukay von ihm trennen.

Neben diesem optischen Merkmal besticht der Niederländer aber vor allem durch seine erfolgreiche Arbeit.

Einer seiner größten Erfolge war wohl der Klassenerhalt mit dem FC Augsburg in der vergangenen Bundesligasaison. Zudem schaffte es Luhukay bereits drei Mal ins Oberhaus aufzusteigen: mit Köln, Gladbach und eben dem FCA.

Das Kunststück möchte er nun mit seinem neuen Klub Hertha BSC wiederholen.

Ein Blick auf die Tabelle zeigt, dass Luhukay mit den Berlinern voll auf Kurs liegt: Platz zwei steht dort zu Buche (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Vor dem Topspiel am Abend zu Hause gegen den 1. FC Köln (ab 19.45 Uhr LIVE-TICKER und LIVE im TV auf SPORT1) spricht der 49-Jährige bei SPORT1 über die Hertha, seine Erfolgsformel und Identifikation.

SPORT1: Herr Luhukay, die Hertha ist Tabellenzweiter. Was sind die Gründe?

Jos Luhukay: Unsere Geschlossenheit und unser Teamgeist, dazu die Tatsache, uns jeden Tag verbessern zu wollen. Letztes Jahr hat Hertha etwas mehr Qualität gehabt, aber es war nie eine Mannschaft. Ich versuche immer jeden davon zu überzeugen, dass es nur im Team geht. Natürlich will ich auch, dass Spieler ihre individuelle Qualität mit einbringen, aber in erster Linie soll das Team funktionieren - sowohl im Abwehrverhalten gegen den Ball als auch bei der Kreativität in der Offensive. Wir wollten zudem nicht mehr so passiv sein wie letzte Saison, sondern viel aktiver spielen. Der Reiz für mich war, aus einer abgestiegenen Mannschaft ohne Geschlossenheit eine Einheit zu formen.

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SPORT1: Nach anfänglichen Problemen hat das auch geklappt. Was war der wichtigste Hebel, den Sie in dieser Phase betätigt haben?

Luhukay: Wir haben immer das Team, das Kollektiv in den Vordergrund gestellt - das ist der Hebel zum Erfolg.

SPORT1: Ist dabei der Mix aus erfahrenen Spielern wie Peter Niemeyer, Marcel Ndjeng und Peer Kluge und jungen Spielern wie John Anthony Brooks oder Nico Schulz entscheidend?

Luhukay: Wenn du erfolgreich sein willst, dann brauchst du eine erfahrene Achse und die ist nicht immer an das Alter gebunden. Mit Thomas Kraft haben wir einen 24-Jährigen im Tor, der aber schon die nötige Erfahrung hat. Im Zentrum fehlt Maik Frantz leider verletzt, dafür hat das Fabian Lustenberger gut gemacht. Unser Kapitän Peter Niemeyer und Peer Kluge sind in der Mitte für unsere Balance zuständig und vorne werden Adrian Ramos und Ronny in der Offensive immer wertvoller. Zudem ist es uns gelungen junge Spieler einzubinden.

SPORT1: Sie sprechen es an. Es gibt eine hohe Identifikation. Zehn Spieler aus Berlin und Umgebung gehören zum Profikader. Änis Ben-Hatira (derzeit verletzt, Anm. d. Red.) Fabian Holland, John Brooks und Nico Schulz sind sogar Leistungsträger. Wie sehr freut Sie das?

Luhukay: Das freut uns alle. Im Verein Hertha BSC steckt viel Potenzial in dieser Beziehung. Wir haben zehn Spieler aus Berlin und Umgebung im Kader, die regelmäßig spielen - damit sind wir Spitze in beiden Bundesligen. Wir haben den viertjüngsten Kader. Das macht uns schon stolz. Besonders für die Fans ist das schön, denn die vielen Eigengewächse sind hervorragende Identifikationsfiguren. Hier wurde immer nach Identifikation geschrien und jetzt stehen da Spieler aus der Hertha-Jugend. Das macht das Gesamtpacket aus.

SPORT1: Sie schienen vom ersten Tag an richtig angekommen zu sein in Berlin, oder?

Luhukay: Ich habe mich bei Hertha BSC vom ersten Tag an sehr wohl gefühlt. Ich sehe diese Aufgabe bei der Hertha als ein neues Stück Motivation an. Ich habe drei hervorragende Jahre in Augsburg erleben dürfen und dort Geschichte geschrieben. Das will ich nun mit der Hertha auch schaffen und in die Bundesliga zurückkehren. Von Berlin selber habe ich noch gar nicht so viel mitgekriegt, weil ich von Anfang an fast nur auf dem Trainingsplatz stand.

SPORT1: Können Sie mal eine kleine Bilanz Ihrer ersten Monate in der Hauptstadt ziehen?

Luhukay: Die ersten Monate waren sehr positiv. Wir sind ein Team, meine Zusammenarbeit mit Manager Michael Preetz, dem Präsidenten und allen Mitarbeitern ist glänzend, ich habe die richtige Wahl getroffen. Natürlich ist die Veränderung zu Augsburg groß: Eine große Fangemeinde, eine große Stadt, großes Medieninteresse - schlicht die Aufmerksamkeit ist viel größer als ich das in Augsburg erlebt habe. Aber das ist auch klar, schließlich arbeite ich jetzt in der Hauptstadt bei dem Traditionsverein der Metropole.

SPORT1: Am Abend geht es gegen den 1. FC Köln, der nach schwachem Start zuletzt stärker geworden ist. Da wollen Sie doch sicher den Patzer von Lautern nutzen, oder?

Luhukay: Wir müssen die absolute Bereitschaft haben, um den Erfolg anzustreben. Wir haben ein Heimspiel und werden die Initiative ergreifen und das führt hoffentlich dazu, dass wir den Gegner besiegen werden. Leider hat Braunschweig nicht gepatzt, dann wäre die Motivation, Erster zu werden, groß gewesen. Es bleibt bis zur Winterpause sehr spannend.

SPORT1: Warum steigt die Hertha auf?

Luhukay: Wir sind einer von mehreren Kandidaten, es gibt noch einige Mannschaften, die das schaffen können. Wir stehen derzeit gut, haben aber noch nichts erreicht. Eine Saison ist kein Sprint, sondern ein Marathonlauf.

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