Ronny (l.) kam 2010 von Sporting Lissabon zu Hertha BSC © getty

Der Schuldenstand der Berliner wächst, aber kaum jemand regt sich darüber auf. Der Grund: Hertha stellt einen Vereinsrekord auf.

Berlin - Offensichtlich haben sich die Mitglieder von Hertha BSC an die leeren Kassen gewöhnt.

Als der Berliner Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller am Montagabend den Wirtschaftsbericht vorstellte (News) und den Anwesenden den Schuldenstand von 42,02 Millionen Euro mitteilte, regte sich kaum Kritik.

Zwei, drei konkrete Nachfragen - dann war das Thema auch schon wieder beendet.

Im Moment überdeckt beim Bundesliga-Absteiger die erfolgreiche sportliche Entwicklung die umso trübere finanzielle Situation. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Bundesliga-Rückkehr notwendig

Ob die Lage besorgniserregend sei, wurde Schiller gefragt. "Dieses Wort würde ich nicht in den Mund nehmen", antwortete dieser.

Doch als Schiller anschließend über das "schwierige Umfeld" und von "zukünftigen Herausforderungen" sprach, dürfte auch dem letzten Zuhörer im Berliner Kongresszentrum klar gewesen sein: Die Rückkehr in die Bundesliga ist nicht nur für das Selbstverständnis, sondern auch für den Geldbeutel des klammen Hauptstadtklubs zwingend notwendig.

Zwei Abstiege in drei Jahren haben deutliche Spuren hinterlassen.

"Noch nichts erreicht"

"Stand jetzt haben wir noch nichts erreicht. Aber ich bin mir sicher, dass die Hertha-Fahne nächstes Jahr wieder in der ersten Liga weht", verkündete Manager Michael Preetz.

Bis jetzt kann sich der in der Vorsaison noch heftig kritisierte Ex-Profi einen Anflug von Pathos leisten.

Seit 13 Spielen haben die Herthaner nicht mehr verloren: Vereinsrekord. (BERICHT: Hertha macht Braunschweig Beine)

Lediglich zwei Punkte beträgt der Rückstand auf Tabellenführer Braunschweig. In der Aufstiegssaison 2010/2011 hatten die Berliner zum gleichen Zeitpunkt der Saison sogar drei Zähler weniger auf dem Konto.

Ramos im Winter weg?

Damals mussten die Herthaner in der Winterpause aber auch keine Leistungsträger verkaufen. Dies könnte ihnen jetzt drohen, denn der wiedererstarkte Stürmer Adrian Ramos steht weiterhin im Schaufenster.

"Wenn ein Angebot kommt, was alle Seiten zufriedenstellt, werden wir verhandeln", sagte Preetz und verweist auf eine entsprechende Abmachung mit dem Kolumbianer.

Der wollte bereits im Sommer den Verein verlassen, doch ein Leihgeschäft mit Mainz scheiterte daran, dass Hertha keinen passenden Ersatz fand.

Situation noch angespannter

Und da nun die wirtschaftliche Situation noch angespannter geworden ist, steckt der Klub in einem Dilemma.

Entweder versucht Hertha durch Transfererlöse die wirtschaftliche Situation zu verbessern und riskiert damit einen sportlichen Rückschlag.

Oder der Verein setzt unbeirrt seinen Weg fort und droht beim Verpassen des Saisonziels ein noch größeres Minus.

Schmerzgrenze bei vier Millionen

Bei vier Millionen Euro soll die Schmerzgrenze von Hertha bei Ramos liegen.

Über zehn Millionen nahm die "Alte Dame" im Sommer für Raffael ein. Beide Summen würden in die Bilanz im nächsten Jahr einfließen.

Dann könnte Schiller die Mitglieder vielleicht mit positiveren Zahlen überraschen.

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