Dieter Schneider (r., mit Hasan Ismaik) ist seit dem 7. Februar 2011 1860-Präsident © imago

Weil er Wunschtrainer Eriksson bei den Löwen nicht durchsetzen kann, will der Investor laut SPORT1 den Geldhahn zudrehen.

Von Reinhard Frankeund Christian Paschwitz

München - Kommt es nun zum ganz großen Knall bei 1860 München?

Wie SPORT1 erfuhr, steht Hasan Ismaik unmittelbar vor dem Absprung und droht, dem klammen Traditionsklub den Geldhahn zuzudrehen.

Heißt: Die sechs Millionen Euro, die der Klub-Großinvestor noch für die Jahre 2013 und 2014 zugesagt hatte, dürften nicht fließen - immerhin soll die aktuelle Saison der "Löwen" finanziell gesichert sein.

Hintergund des sich anbahnenden Zerwürfnisses: Ismaik will um jeden Preis den früheren englischen Nationalcoach Sven-Göran Eriksson auf der Sechziger-Bank sehen. Nach Möglichkeit sofort.

Zoff um Eriksson

Das jedoch lehnt das 1860-Präsidium ab, will zumindest bis zur Winterpause an Interimscoach Alexander Schmidt festhalten - und wertet Ismaiks Einflussnahme pro Eriksson dem Vernehmen nach als Erpressungsversuch.

Nach SPORT1-Informationen haben die Klub-Bosse um Dieter Schneider genau das nun auch gegenüber Abgesandten aus der Familie des jordanischen Geschäftsmanns verlauten lassen.

Woraufhin Ismaik nun offenbar keine weiteren Mittel mehr bereitstellen will, kurzerhand auch seinen Besuch des Spiels gegen Paderborn abgesagt hat.

Eriksson erneut auf der Tribüne

Der Schwede selbst besuchte die Partie dann alleine, wies in der Halbzeit Spekulationen über ein Engagement als Trainer bei 1860 aber zurück.

"Ich kann die Diskussionen verstehen. Aber es sollte keine Diskussionen geben. Ich bin hier als Berater und morgen fliege ich wieder nach Schweden. Wenn sie so spielen, brauchen sie keinen neuen Trainer", sagte Eriksson bei "Sky".

Irritationen, weil er noch nicht mit 1860-Präsident Dieter Schnieder gesprochen habe, verstand Eriksson nicht. Dazu gebe es keinen Anlass, denn: "Ich wurde von der Familie von Hassan Ismaik eingeladen, als sein Freund und Berater."

Affront bei Union-Spiel

Eriksson saß pikanterweise schon bei Schmidts Premiere beim Duell mit Union Berlin (2:2 / Bericht) auf der Tribüne und machte sich fleißig Notizen, ließ damit tief blicken, ebenso Interesse an dem Job in München zu haben.

Ein Affront für die 1860-Verantwortlichen, wenngleich Eriksson seinen Auftritt als Zaungast hinterher herunterspielte.

Ismaik wiederum passt nicht, dass No-Name Schmidt kürzlich Nachfolger des entlassenen Reiner Maurer geworden ist.

Traum vom FC Bayern

Es ist ein offenes Geheimnis, dass der 36-Jährige viel lieber einen Mann von Weltruf hätte.

Mehr noch: Ismaik wollte mit weiteren Millionen auch Starspieler zum Tabellen-Achten der Zweiten Liga lotsen, um das Ziel Bundesliga-Rückkehr schnellstmöglich zu erreichen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Der Araber träumte davon, in einer Klasse gegen den FC Bayern zu spielen. ( 35464 DIASHOW: Zweitliga-Torschützenkönige )

Was wird mit Schäfer?

Wirft der Investor nun tatsächlich die Brocken hin, würde wohl auch 1860-Geschäftsführer Robert Schäfer, ein Freund und Befürworter von Ismaik, seinen Hut nehmen müssen.

Auch der hatte pikanterweise Schmidt das Vertrauen ausgesprochen - und darf in seiner Funktion laut DFL-Statuten auch nur alleinig einen Trainer ins Amt hieven, was Ismaik gern selbst vornehmen würde.

Scheider: "Wir haben das Sagen"

Wie die "Abendzeitung" berichtet, soll es auch Pläne gegeben haben, Eriksson erst mal als sportlichen Berater zu installieren.

1860-Präsident Schneider stellte dazu jedoch klar: "Wir haben das Sagen. Wir haben einen Dreijahresplan, den wir gemeinsam diskutiert und entschieden haben. Der Plan trägt unsere 51 Prozent-Handschrift."

Weiter heißt es, dass man Ismaik zwingen wollte, eine Bankbürgschaft über die ausgemachten 13,5 Millionen Euro Darlehenszahlungen für die kommenden 28 Monate auszustellen - für den Investor wohl ein Unding.

Heiße Delegiertenversammlung

Während der 1860-Delegiertenversammlung am Mittwoch dürfte es hoch her gehen.

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