Aufstieg: Alexander Schmidt trainierte zuletzt die zweite Mannschaft von 1860 München © getty

Nach der Entlassung von Reiner Maurer nimmt der neue Coach Alexander Schmidt bei 1860 die Arbeit auf. Ein Ex-Löwe übt Kritik.

Von Reinhard Franke

München - Das Kapitel Reiner Maurer ist bei 1860 München beendet. (BERICHT: Maurer bei 1860 entlassen)

Nach der Entlasung des Allgäuers am Samstag steht mit Alexander Schmidt, dem bisherigen U21-Coach, nun sein Nachfolger in den Startlöchern (Bericht).

Vorerst als Interimslösung bis zum Winter.

Leicht ist die Trennung von Maurer den Verantwortlichen offenbar nicht gefallen. "Es gibt schönere Termine als eine Trainerentlassung", sagt 1860-Sportchef Florian Hinterberger im Gespräch mit SPORT1:

"Ich bedauere das, weil wir ihm den bestmöglichen Erfolg gewünscht haben. Aber so ist das Geschäft. Persönlich schätze ich den Reiner sehr, aber wir mussten im Sinne der Sache handeln. Es haben einige Abläufe nicht mehr gestimmt und ich hoffe, dass diese in nächster Zeit verbessert werden." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Drei neue U-21-Spieler

Von Montag an soll Schmidt, der achte Coach im achten Jahr seit dem Abstieg 2004, gleich damit beginnen. Dann, so Hinterberger, werden auch drei U-21-Spieler mit dabei sein: Bobby Wood, Markus Ziereis und Stefan Wannenwetsch.

"Das war schon von Maurer geplant. Jetzt ist es notwendig einen anderen Impuls zu setzen, gewisse Abläufe anders zu gestalten und das Trainingsprogramm zu verändern", betont Hinterberger.

Er wolle Reiner Maurer nichts Schlechtes nachsagen. Klingt dennoch unterschwellig Kritik durch am erfolglosen Ex-Coach? "Im Gegenteil. Reiner war sehr fleißig, sehr akribisch und sehr geradlinig und es ist schade, wenn es dann nicht mehr funktioniert."

Schmidt mit guten Reverenzen

Funktionieren soll es nun also mit Schmidt. Von dem 44-Jährigen hält Hinterberger viel: "Es gab ein paar Kandidaten, weil ich als Sportchef schauen muss, wenn sich die Entwicklung der Mannschaft negativ darstellt, dass man dann vorbereitet ist. Wir haben uns bewusst für Schmidt entschieden."

Die Gründe liegen auf der Hand. "Er ist schon lange im Verein, hat die Junioren trainiert, war zwei Jahre Co-Trainer und macht jetzt die U 21. Außerdem kenne ich ihn auch schon lange und weiß, wie er arbeitet, was er für ein Typ ist."

Schmidt gehöre zur neuen, jungen Trainer-Generation: "Wir sind der Überzeugung, dass er die richtige Lösung ist", so Hinterberger.

Für den Sportchef hat Schmidt "die Chance sich bis zum Winter zu etablieren und wenn das gut läuft, dann werden wir uns dann zusammensetzen und alles Weitere diskutieren."

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Eriksson spukt herum

Diskutiert wird wohl auch weiter über einen anderen Namen. Englands früherer Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson saß beim 0:2 am letzten Freitag gegen den 1. FC Köln neben Hamada Iraki (Statthalter von "Löwen"-Investor Hasan Ismaik, Anm. d. Red.) auf der Tribüne saß:

"Der Stand jetzt ist, dass sich 1860 mit dem Budget Herrn Eriksson gar nicht leisten kann", versichert Hinterberger: "Mit Eriksson ist nicht verhandelt worden."

Iraki meinte in der "Bild" aber: "Ich schließe nicht aus, dass Eriksson mal Trainer bei 1860 wird."

Mit unterklassigen Klubs kennt sich Eriksson aus. In England trainierte er mit Leicester City einen Zweitligisten und mit Notts County einen Viertligisten.

Bodden übt harsche Kritik

Einer, der bei SPORT1 kein gutes Haar an 1860 lässt, ist Olaf Bodden, der bis 1998 für die Blauen auf Torejagd ging.

Er hat das Ende von Maurer kommen sehen: "Wer das nicht hat kommen sehen, der hat wenig Ahnung vom Fußball. Es hat sich schon in den letzten Wochen abgezeichnet und der glückliche Frankfurt-Sieg hat ihnen noch mal ein bisschen Luft zum Atmen gegeben und nach dem desaströsen Köln-Spiel war klar, dass das Thema beendet ist."

Bodden findet deutliche Worte: "Ich weiß nicht, ob Reiner einen guten Draht zu seiner Mannschaft hatte. Zuletzt hat es so ausgesehen, als dass die Mannschaft gegen den Trainer gespielt hat und nicht für ihn. Wenn die Truppe für den Trainer gewesen wäre, hat sie nicht alles dafür getan, um ihn zu halten."

"Vorstellen kann man sich das schwer"

Beim Namen Eriksson muss Bodden nur schmunzeln: "Es ist ein großer Name und vorstellen kann man sich das schwer. Vielleicht hat er ja einen Draht zum Investor. Eriksson wird die Mannschaft nicht für das Geld trainieren, für das es normalerweise in der Zweiten Liga üblich ist. Die Frage ist, ob er zum Verein passt. Der dürfte ein siebenstelliges Gehalt haben."

Und er ergänzt: "Wir brauchen keinen Retter, weil absteigen werden wir nicht."

Trainer mit Handschrift gesucht

Bodden fehlt vielmehr eine Vision. "Es muss endlich ein Trainer mit einer Handschrift her, so dass das Spiel nicht immer nur auf den Zufall aufgebaut ist, sondern, dass man eine Linie und eine Entwicklung der Mannschaft sieht."

Einmal richtig in Fahrt, legt Bodden nach: "Seit dem Abstieg 2004 ist keine Entwicklung zu sehen. Es ist alles nur Stückwerk, nichts geht aufwärts. Wir sind eine graue Maus in der Zweite Liga."

Damit sich das ändert, muss der neue "Löwen"-Dompteur schnell den Hebel um legen. "Wichtig ist, dass er der Mannschaft auch eine spielerische Leichtigkeit vermittelt", erklärt Bodden.

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