St. Paulis Stürmer Daniel Ginczek traf in dieser Saison bisher fünfmal und gab zwei Tor-Vorlagen © getty

Vor dem Duell in Berlin funkt Coach Frontzeck personell SOS. Die Hauptstädter haben einen ganz anderen Konflikt.

Von Christian Paschwitz

München - Aufschwung, aber doch kollektiver Notstand auf dem Kiez - konstanter Kurs, jedoch persönlicher Stillstand und Frust in der Hauptstadt:

Vor dem Montagsduell im Unterhaus zwischen Hertha BSC Berlin und dem FC St. Pauli (ab 19.45 Uhr im LIVE-TICKER und LIVE im TV auf SPORT1) gleichen sich Ausgangs- und Gemütslage zum Teil frappierend.

Während beide Klubs sportlich momentan wenig zu bemängeln haben, schlagen die personellen Umstände voll durch:

St. Pauli, mit Neucoach Michael Frontzeck zuletzt auf Klettertour, drohen die nächsten gravierenden Ausfälle, bei den Berlinern wiederum droht die Personalie Roman Hubnik zur Belastung zu werden.

Was wird mit Hubnik?

Der tschechische EM-Teilnehmer, unlängst noch als Abwehrchef der Zukunft gehandelt, spielt mittlerweile keine Rolle mehr, bestritt in den jüngsten vier Partien nur zwei Kurzeinsätze.

Ungeachtet des möglichen Ausfalls von Jungstar John-Anthony Brooks dürfte Hubnik gegen St. Pauli erneut nur auf der Bank sitzen, weil Trainer Jos Luhukay in der Innenverteidigung offenbar auf Felix Bastians neben Fabian Lustenberger baut.

Der Konflikt ist programmiert - und Hubnik (noch Vertrag bis 2014) nach Einschätzung der "B.Z." quasi schon weg.

Starke Hertha-Bilanzen

Herthas Coach interessiert das eher wenig, zumal die Mission Wiederauftstieg bislang gut läuft:

Seit elf Spielen ist der Rangdritte ungeschlagen (sieben Siege, vier Remis), beim 6:1 zuletzt in Sandhausen gab es gar den höchsten Pflichtspiel-Sieg seit dem 26. Februar 2011 (5:0 in Aachen in der Zweiten Liga). (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Und: Im heimischen Olympiastadion ist Hertha in dieser Saison bislang noch ungeschlagen, kassierte in sechs Spielen erst drei Gegentore.

Druck wegen Braunschweig und Lautern

Gewarnt ist Luhukay dennoch - weil die direkten Konkurrenten Braunschweig und Braunschweig mit Siegen am 14. Spieltag vorgelegt haben.

"Es ist viel Leben drin", so der Niederländer, der gleichsam Ruhe vorlebt: "Wir schauen auf uns und wollen an die sehr gute Leistung in Sandhausen anschließen, um die bestmögliche Ausgangsposition für die Winterpause zu schaffen."

Was ebenso Mut macht: Schon 13 Mal in der laufenden Saison erzielte Berlin einen Treffer nach einer Standardsituation.

Frontzecks weiße Weste

Seine weiße Weste will auch Frontzeck wahren.

Unter der Regie des neuen St.-Pauli-Coachs sprangen acht Punkte aus vier Spielen heraus, seit fünf Partien sind die Hamburger überdies ohne Niederlage (zwei Siege, drei Unentschieden).

Doch nun bricht mit Daniel Ginczek wohl ausgerechnet einer der wichtigsten Eckpfeiler weg: Der Stürmer mit der Bilanz von fünf Toren und zwei Vorlagen laboriert an einer schmerzhaften Knie-Reizung.

Pauli-Defensive zerfällt

Nicht weniger heftig drückt Frontzeck hinten der Schuh:

Neben dem langzeitverletzten Sören Gonther fehlen Kapitän Fabian Boll und Florian Bruns (beide Rückenprobleme) sowie Markus Thorandt (Gelbsperre). Innenverteidiger Florian Mohr plagt überdies eine Gesäßmuskelzerrung.

Der Trainer ist schon darauf eingestellt, sich "anderweitig Gedanken machen. "Wir sind sicherlich Außenseiter in diesem Spiel, aber das ist eine Herausforderung, die wir gerne annehmen", so der 48-Jährige.

Von ihren bislang neun Auftritten bei Hertha konnten die Hamburger nur einen gewinnen (vier Unentschieden, vier Niederlagen).

Weiterlesen