Alexander Schmidt ist seit elf Jahren beim TSV 1860 München © imago

Nach der Trennung von Maurer übernimmt der bisherige Amateur-Coach. Der Trainer von Weltrang ist keine Löwen-Realität.

München - Die Beurlaubung von Reiner Maurer hatte kaum die Runde gemacht, da war der Name Sven-Göran Eriksson an der Grünwalder Straße 114 schon in aller Munde.

Fans und Journalisten spekulierten auf dem Vereinsgelände von 1860 München am Sonntagmorgen munter über den Star-Trainer, der Schwede sollte ein Kandidat auf die Nachfolge des Stunden zuvor gefeuerten Maurer sein (BERICHT: Maurer bei 1860 entlassen).

Doch weit gefehlt: Statt des früheren englischen Nationaltrainers übernimmt der bisherige Amateur-Coach Alexander Schmidt den kriselnden Zweitligisten.

Eriksson nur Besucher

"Eriksson", hob "Löwen"-Sportchef Florian Hinterberger auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz hervor, "ist nicht die Realität von 1860 München".

Der 64-Jährige hatte sich am Freitagabend das 0:2 gegen den 1. FC Köln zwar vor Ort angeschaut, war aber angeblich nur zu Besuch gewesen.

"Er ist ein Trainer von Weltrang. Das ist mit unseren finanziellen Vorgaben in keiner Weise vereinbar", sagte Geschäftsführer Robert Schäfer.

Schmidt die beste Alternative

Der bisherige Amteur-Coach Schmidt passt da schon eher. Oder, wie Hinterberger sagte: "Von den Alternativen, die da waren, war er die beste Lösung."

Der 44 Jahre alte Schmidt war seit Beginn dieser Spielzeit für das Regionalliga-Team verantwortlich und hatte zuvor schon als Assistenztrainer von Maurer bei den Profis gearbeitet.

"Ich kenne seine Einstellung und seine Qualitäten. Ich bin der Überzeugung, dass er im Moment der richtige Mann ist", sagte Hinterberger.

Schmidt nur Momentaufnahme

Die Betonung liegt auf "im Moment". Denn auch auf Nachfrage wollten sich weder Hinterberger noch Schäfer darauf festlegen, dass man mit Schmidt die Saison beende.

Man habe Schmidts bisherigen Vertrag an die Zweite Liga "angepasst", dass der Kontrakt bis 2015 läuft, wussten die Löwen-Verantwortlichen aber nicht so genau.

[kaltura id="0_tge2xkx3" class="full_size" title="Neuer 1860-Trainer: Schmidt löst Maurer ab"]

Schmidt gibt sich souverän

Schmidt präsentierte sich ruhig und unaufgeregt. "Ich bin in meiner elften Saison im Verein. Jedes Jahr kam eine Steigerung. Ich bin mal gespannt, wie es weitergeht", sagte der gebürtige Augsburger.

Und ergänzte: "Ich kenne die Mannschaft und komme mit ihr gut klar, die Neuzugänge muss ich mir angucken. Jeder bekommt seine Chance."

Vier Punkte aus sechs Spielen

Wo der Hebel anzusetzen ist beim Tabellen-Achten (20 Punkte), der nach nur vier Zählern aus den letzten sechs Spielen den Anschluss an die Aufstiegsplätze verloren hat, wusste er auch schon. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Es gehe darum, dass die Mannschaft im kommenden Auswärtsspiel bei Union Berlin am Samstag auch "die spielerische Note reinhaut", sagte Schmidt:

"Die Qualität hat die Mannschaft, sie muss vom Selbstvertrauen wieder auf Vordermann kommen. Ich bin sehr positiv, dass wir einen guten Start hinlegen", so der Interimscoach.

Investor stimmt für Schmidt

Das hatte sein Vorgänger zu Saison-Beginn auch getan. Doch die Schwächephase in den letzten Wochen wurde ihm zum Verhängnis. (BERICHT: Köln siegt für Stanislawski).

Maurer nahm das Ende seiner zweiten, fast zweieinhalb-jährigen Amtszeit (seit 1. Juli 2010) bei den "Löwen" laut Hinterberger "gefasst" auf.

Klubpräsidium und Investor hätten sowohl Maurers Entlassung als auch die Beförderung von Schmidt unterstützt, sagte Schäfer.

Nicht der schönste Job der Welt

Schmidt hat laut eigener Aussage keine Sekunde gezögert, als das Angebot kam.

Warum auch? Denn, wie Schäfer sagt, sei der Cheftrainer-Posten bei den "Löwen" der "schönste Job der Welt."

Nach kurzem Zögern schränkt er dann aber ein: "Es ist ein schöner Job, der schönste der Welt vielleicht nicht."

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